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Warum noch fleißig sein?

05.06.2021  |  Prof. Dr. Eberhard Hamer
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Gesellschaftlich und politisch geben nicht mehr wie früher die Menschen mit Lebensleistung den Ton an, sondern bildungsarme Schwätzer, Ökologen, öffentlich abgesicherte seichte Sozialfunktionäre sowie Staats-, Polit- und Verwaltungsfunktionäre, welche ihre Vorzugstellung, ihren Zeitgeist, ihr Netzwerk oder ihre politische Doktrin ohne Nachweis einer Werteschaffung genießen. Die Kanzlerin-Bewerberin als "Völkerrechtsexpertin" mit nur zwei Studiensemestern oder der tonangebende Gesundheitsminister mit immerhin Abitur sind Beispiele dafür.

Dass Arbeit und Leistung nicht mehr Ziel unserer Gesellschaft sind, wird auch aus den Arbeitsmarktdaten deutlich. Nur etwa die Hälfte (43,5 Mio.) unserer Gesamtbevölkerung von 83 Mio. ist erwerbstätig. Diese Minderheit muss also eine Mehrheit - allerdings darunter auch ihre Angehörigen - aus ihrem Erwerbseinkommen unterhalten.

Die Wirtschaftswissenschaft⁵ differenziert allerdings die Art der Erwerbstätigkeit nach den unterschiedlichen Einkommensquellen, nämlich dem Markt einerseits und den öffentlichen Transferleistungen andererseits.

Die erste Gruppe der Unternehmer und der in privatwirtschaftlichen Unternehmen arbeitenden Arbeitnehmer arbeiten für den Markt, "generieren also ihr Einkommen aus der Produktion und Dienstleistung für den Markt und den Preisen/Einkommen, die sie daraus erzielen"⁶. Sie sind also die produktivste Erwerbstätigengruppe, aus deren Arbeitsergebnissen zwei weitere Drittel unserer Bevölkerung leben wollen.

Die zweite Gruppe lebt nämlich direkt oder indirekt aus öffentlichen Mitteln, also aus den Abgaben, welche die erste produktive Gruppe erarbeitet und dem Staat zumeist als Steuern oder Sozialabgaben abgeben muss. "Zur letzteren Gruppe gehören zum Beispiel die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes und der öffentlichen Organisationen, das Gesundheitspersonal, Lehrer, Kulturbeschäftigte und andere. Das soll nicht die Leistung dieser Menschen, zum Beispiel der Ärzte, Lehrer und Beamten u.a., mindern, sondern nur darauf hinweisen, dass diese Bevölkerungsgruppen eben nicht primär von produktivem Markteinkommen, also vom Ergebnis produktiver Arbeit, sondern sekundär von staatlichen Transferleistungen unterhalten werden"⁷.

Diese zweite Gruppe lebt also indirekt von der ersten und erhält ihr Einkommen nicht aus dem Arbeitsergebnis, sondern für bloßen Zeiteinsatz⁸.

"Stellt man die beiden für den Markt leistenden Gruppen der Unternehmer der direkt für den Markt arbeitenden Mitarbeiter bzw. Arbeitnehmer mit etwa 34% (33,9%) den von Steuern und Sozialabgaben Lebenden (37,7%) und den Angehörigen (28,4%) gegenüber, so erwirtschaften auf dem Arbeitsmarkt ein Drittel der Marktleistungsträger das Einkommen für zwei Drittel weiterer Bevölkerungskreise⁹", die aus der produktiven Erwerbstätigkeit und den Abgaben der Marktleister (der ersteren Gruppe) sekundär bezahlt werden müssen.

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In den künstlichen Boomjahren der vergangenen 20 Jahre spielten die von den Produktiven bezahlten unproduktiven oder nur teils produktiven Mitläufergruppen etwa der Arbeitslosen (3,8%), der Rentner (22%), der Angehörigen (28,6%) und der Transfereinkommensbezieher (12,2%) zwar eine zunehmende, aber noch keine dramatische Rolle.

Dies wird sich nun ändern, wenn durch den Wirtschaftsstopp eine Million Unternehmer und etwa 3 bis 4 Millionen Mitarbeiter aus der Wertschöpfung in die Sozialsysteme fallen und weitere Millionen Zuwanderer unser Sozialsystem stürmen, wenn sich also das Verhältnis von den Erwerbstätigen zu den Transferleistungsforderern von jetzt 1:2 auf 1:3 oder 1:4 ändert. Dann müssen entweder die Abgaben der Erwerbstätigen dramatisch erhöht oder die Transfer- bzw. Sozialleistungen drastisch vermindert werden oder beides. Verteilungskämpfe und Revolutionen sind also vorprogrammiert.

Jedenfalls sind die Sorgen der Erwerbstätigen um ihre Zukunft, um ihren Wohlstand, um ihre Existenz berechtigt. Wenn eine grüne produktions- und wirtschaftsfeindliche Regierung allein schon wegen ihrer Immigrationsversprechen vor den wachsenden Transferproblemen steht, wird sie im Zweifel die abnehmenden Leistungsträger auf Kosten der zunehmenden Leistungsnehmer weiter begünstigen.

Schon heute wird mehr als die Hälfte unseres Bruttoinlandprodukts umverteilt. Je weniger also die Leistungsträger selbst behalten, desto weniger lohnt noch ihre Leistung. Wenn sich nach der Wahl die Ökologie noch auf Kosten der Ökonomie austobt, sinken Produktion, Erwerbstätigkeit und Einkommen der Leistungsträger und damit auch deren Transferleistungen und Sozialabgaben an die Leistungsnehmer.

Aber vielleicht muss ein Volk der Wohlstandskinder erst die Armut wieder kennenlernen, damit es den Wert der Güterversorgung wiederentdeckt und - wie wir nach dem Kriege - Ideologie wieder durch Erwerbstätigenfleiß und Leistung ersetzt.


© Prof. Dr. Eberhard Hamer
Mittelstandsinstitut Niedersachsen e.V.


¹ Vgl. Hamer E. "Wer ist Mitteltand?", Hannover 2020/2021 u. ders. "Was ist ein Unternehmer?", München 2001 u. ders. "Mittelstand unter lauter Räubern", Hannover 2011
² Vgl. Hamer, E. "Die Unternehmerlücke", Stuttgart 1984
³ Vgl. Hamer, E. "Die Unternehmerlücke", Stuttgart 1984
⁴ Vgl. Hamer/Jörgens "Wer ist Mittelstand?", Hannover 2021, s. 75 ff. und ders. "Die Unternehmerlücke", a.a.O., S. 124
⁵ Vgl. Hamer/Jörgens "Wer ist Mittelstand?", S. 162 ff.
⁶ A.a.O., S. 162
⁷ A.a.O., S. 163
⁸ auch ohne Ergebnis
⁹ Vgl. Hamer/Jörgens "Wer ist Mittelstand?", S. 163



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