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EZB locker! - G-7: Ist der Westen zurück? - US-Infrastrukturpaket

11.06.2021  |  Folker Hellmeyer
Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1,2189 (06:13 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1,2143 im US-Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 109,40. In der Folge notiert EUR-JPY bei 133,35. EUR-CHF oszilliert bei 1,0895.

Die Finanzmärkte bewegen sich auch nach der Veröffentlichung unerwartet hoher US-Inflationsdaten in ruhigem Fahrwasser.

Die EZB agierte im Rahmen der Erwartungen. Die EZB hält trotz der rückläufigen Pandemie und steigender Inflationszahlen an ihrem Kurs fest. Die Verbalakrobatik seitens der EZB-Akteure in den letzten Wochen ließ keinen anderen Schluss zu.

An dem aktuellen Zinsregime (Leitzions 0,00%, Anlagezins -0,50%) wird nichts verändert. Der EZB-Rat beschloss, dass die Käufe des PEPP-Programms im 3. Quartal umfangreicher ausfallen sollen als zum Jahresstart. Man wird bei den Volumen flexibel hinsichtlich Saisonalität, der Daten- als auch der Marktlage agieren. Man will vermeiden, dass sich die Finanzierungsbedingungen verschärften. Über eine Reduktion der Ankäufe sei nicht gesprochen worden.

Bezüglich der ausgegebenen Ziele der EZB ist man partiell auf einem guten Weg. Die EZB erwartet 2021 eine Zunahme des BIP um 4,6% (zuvor 4,0%). Die EZB geht davon aus, dass Inflation in den nächsten Monaten zunächst zunehmen werde. Für das Gesamtjahr 2021 unterstellen die EZB-Volkswirte derzeit eine Teuerungsrate in Höhe von durchschnittlich 1,9% (zuvor 1,5%).

Für 2022 liegen die neuen EZB-Projektionen bei einen Anstieg der Verbraucherpreise um 1,5%. An diesen Inflations-Projektionen wird deutlich, dass die EZB den Anstieg der Preisinflation als vorübergehend einstuft und von daher nicht bereit ist, proaktiv zu handeln. Dabei spielt meines Erachtens auch eine Rolle, dass in den vergangenen mehr als 10 Jahren Inflationserwartungen regelmäßig enttäuscht wurden. Ergo: Vollkasko!


G-7: "Der Westen ist zurück" - Ist er das?

Bei dem Treffen der G-7 Staats- und Regierungschef in Cornwall (UK) geht es laut Medien und Politik auch um eine Botschaft. Im Vorwege wurde deutlich, dass der Welt mitgeteilt werden soll, dass der Westen zurück ist, dass man wieder als homogene Gruppe auftritt und so wahrgenommen werden will. Das ist aus Eigeninteresse verständlich, aber ist es für die nicht westliche Welt auch glaubwürdig?

Oder zielt diese Botschaft primär auf die westlichen Bevölkerungen, um den Rücken für die Politik von morgen frei zu haben. Will man dort dieses Selbstbild zunächst verankern, auch wenn das Fremdbild in großen Teilen der Welt anders aussieht?

Ein deutscher G-7 Diplomat sagte, dass die Hauptbotschaft ein klares Signal für den Multilateralismus sein würde. Das unterstütze ich.

Aber offenbar ohne China und Russland (circa 24% des Welt-BIP), denen die USA den Feindstatus verliehen. Nur hat doch das Epizentrum der G-7 Veranstaltung (USA) genau dieses Organigramm des Multilateralismus losgelöst vom internationalen Rechts- und Vertragswerk verletzt wie kein anderes Land jemals zuvor. Auch das UK hat im Rahmen von Brexit US-Allüren angenommen. G-7 ex USA und UK, also G-5 und China haben sich in der Tat für den Multilateralismus während dieser Anfechtungen stark gemacht. Was wird bei dem nächsten US-Regierungswechsel passieren?

Verspieltes Vertrauen in der nicht westlich geprägten Welt, die für 60% des Welt-BIP (steigende Tendenz, Westen fallende Tendenz) steht und 88% der Weltbevölkerung stellt lässt sich nicht durch einige wenige Worte in Cornwall heilen.

Ich bin erfreut über eine stärkere Zusammenarbeit in der Klimapolitik und bei Themen wie Handel und Investitionen als auch der Pandemie-Bekämpfung.

Aber der Ton seitens G-7 ist bittersüß, denn in allen Themen geht es klar erkennbar darum, Russland und China zu isolieren. Man neidet China den Erfolg in der Pandemiebekämpfung und in der wirtschaftlichen Entwicklung, wo China in immer mehr Feldern Weltmarktführer wird, wo westliche Sanktionen zur Intensivierung der Ertüchtigung führten und führen. Gleiches gilt für Russland. die westliche Sanktionspolitik löste dort eine markant positiv wirkende Strukturpolitik aus.

Laut tönen G-7 Eliten, dass man keinen neuen „Kalten Krieg“ wolle, obwohl er als Hybridkrieg in Wirtschaft und Finanzen seitens des Westens doch längst tobt und vom Westen begonnen wurde. Es reichen heute für westliche Sanktionen Vermutungen, nicht Beweise, um ultimative Wirtschafts- und Finanzpolitik seitens des Westens zu implementieren (ergo keine Rechtsstaatlichkeit im internationalen Verkehr).

Sowohl China und Russland reagieren auf die Aggressionen des Westens. Die Sanktionsmaßnahmen fallen aber latent im Vergleich zu den westlichen Maßnahmen unterproportional aus. Das entspricht den WTO-Regeln.

Jetzt soll dem chinesischen Seidenstraßen-Projekt mit Milliarden-Investitionen in den Aufbau von Handelswegen etwas Vergleichbares entgegengestellt werden - britische Diplomaten sprechen etwa von einem "Klima-Marshall-Plan".

Mir stockt der Atem. Seit 2010-2012 habe ich dieses Thema medial, auf Chefvolkswirtebene und in der deutschen und europäischen Politik adressiert, um auf aggressive Ignoranz und Arroganz zu stoßen. Das sagt viel über Glaubwürdigkeit aus.


US-Infrastrukturpaket: Basis solider

In den USA hat sich eine parteiübergreifende Gruppe aus Senatoren der Republikaner und Demokraten auf Rahmenbedingungen für das Infrastrukturprogramm geeinigt. Die Gruppe von zehn US-Senatoren werden den Entwurf mit ihren Kollegen besprechen und seien optimistisch eine breite Unterstützung zu finden. Der Kompromiss zur Modernisierung der Infrastruktur und der Energietechnologien ziele darauf ab, ohne Steuererhöhungen auszukommen.

Aus Insiderkreisen verlautete, das Programm koste 974 Mrd. USD über einen Zeitraum von fünf Jahren und insgesamt 1.200 Mrd. USD über acht Jahre. Präsident Bidens Versuch, ein umfassenderes 1,7 Billionen USD Paket durchzubringen, hatte zuletzt einen Rückschlag erlebt.

Positiv ist, dass Bewegung zu einer Lösung erkennbar ist, denn die infrastrukturelle Erneuerung (Aristoteles) ist bitter notwendig und ein Schlüssel für den Erfolg für Wirtschaft und Gesellschaft von morgen.


Datenpotpourri der letzten 24 Handelsstunden:

Eurozone: Italien mit starken IP-Daten

In Frankreich sank die Industrieproduktion im Monatsvergleich per April um 0,1% (Prognose +0,5%) nach zuvor +1,0% (revidiert von 0,8%).

In Italien stieg die Industrieproduktion per April im Monatsvergleich um 1,8% (Prognose 0,3%) nach zuvor 0,3% (revidiert von -0,1%). Im Jahresvergleich kam es zu einer Zunahme um 79,5% (Prognose 72,2%) nach zuvor 38,4% (revidiert von 37,7%).

Der Einkaufsmanagerindex des Konsumsektors Deutschlands stellte sich per Juni auf 57,73 nach zuvor 54,11 Punkte und markierte den höchsten Indexwert seit Januar 2019.


USA: Inflation höher als erwartet

Die Verbraucherpreise stiegen per Mai im Monatsvergleich um 0,6% (Prognose 0,4%) nach zuvor 0,8%). Im Jahresvergleich ergab sich ein Plus in Höhe von 5,0% (Prognose 4,7%) nach zuvor 4,2%.

Die Kernrate der Verbraucherpreise legte per Mai im Monatsvergleich um 0,7% (Prognose 0,4%) nach zuvor 0,9% zu. Im Jahresvergleich kam es zu einer Zunahme um 3,8% (Prognose 3,4%) nach zuvor 3,0%.

Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe stellten sich in der Berichtswoche per 5. Juni 2021 auf 376.000 (Prognose 370.000) nach zuvor 385.000.

Das Federal Budget als Teilmenge der gesamten öffentlichen Verschuldung lieferte per Mai ein Defizit in Höhe von 132 Mrd. USD nach zuvor -326 Mrd. USD.


China: Im Rahmen der Erwartungen

Das Wachstum des Kreditvolumens stellte sich per Berichtsmonat Mai auf 12,2% (Prognose 12,2%) nach zuvor 12,3%.


Russland: Kaum Veränderung bei Reserven

Die Devisenreserven lagen per 4. Juni 2021 bei 605,2 Mrd. USD nach zuvor 605,9 Mrd. USD.


Japan: Dynamikverluste

Der Business Survey Index der großen Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes fiel per 2. Quartal 2021 um 1,4% nach zuvor +1,6%.

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den Euro gegenüber dem USD favorisiert. Ein Unterschreiten der Unterstützungszone im Währungspaar EUR/USD bei 1.2020 - 1.2050 negiert den positiven Bias des EUR.

Viel Erfolg!


© Folker Hellmeyer
Chefanalyst der Solvecon Invest GmbH



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