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Die Globalisierung hat eben auch Nachteile

17.07.2021  |  Prof. Dr. Eberhard Hamer
Seit Ende des vorherigen Jahrhunderts wurde "Globalisierung" von Wissenschaft, Publizistik und Konzernen als großer Entwicklungsfortschritt gefeiert und auf "Weltwirtschaftsgipfeln" die Kritiker der Globalisierung sogar "wie der internationale Terrorismus zu einem Weltproblem" erklärt (Davos).

Die Wirtschaftswissenschaft hat die Globalisierung als weitere Entwicklungsstufe von der Hauswirtschaft über Stadtwirtschaft, Regionalwirtschaft, nationale Volkswirtschaft über supranationale Wirtschaftsräume (EU) zur Weltwirtschaft gesehen ¹.

Die Globalisierung ist aber nicht nur eine ökonomische Dimension, sondern gibt es auch technologisch, politisch, gesellschaftlich, kulturell und militärisch. Wesentlich dazu beigetragen haben z. B. die technologischen Entwicklungen der Luftfahrt, der Telekommunikation, der neuen Medien (Internet) und der Digitalisierung. Von ihnen ging schon lange die Idee der "einen Welt" aus.

Inzwischen gibt es eine Fülle von internationalen Oberherrschaftsorganisationen, welche sich wie UNO, NATO, IWF, GATT, ILO, Weltbank, u.a. eine Kompetenz für die ganze Welt anmaßen, die Souveränitäten und Kompetenzen der Menschen und der Länder in der Hand weniger global herrschender Kräfte zentralisieren wollen.

  • Dazu wurden die "vier großen Freiheiten" verkündet: Globale Freiheit des Kapitals, der Produktion, der Arbeitskräfte und der Dienstleistungen.

    Vor allem mit der Freiheit des Kapitals wollten die großen internationalen Konzerne und Banken die nationalen Grenzen, Rechtssysteme und Steuersysteme überspringen, um in Steuer- und Rechtsoasen der Welt unbegrenzte Finanz- und Steuerfreiheit zu genießen. Zurück blieben die national gebundenen mittelständischen Betriebe, welche die Steuer- und Sozialausfälle der Konzerne und Banken mit übernehmen mussten, also entsprechend höher ausgebeutet wurden.

    Auch die Produktion der internationalen Konzerne wurde international dorthin verlegt, wo am wenigsten Regulation und Steuer und die billigsten Löhne waren, also an den billigsten Produktionsstandorten. Damit konnten die Konzerne aus globaler Billigproduktion billiger verkaufen als der mit national teureren Produktionsfaktoren arbeitende bodenständige Mittelstand und letzteren auskonkurrieren.

  • Ebenso wurden Dienstleistungen der internationalen Banken und Konzerne dorthin verlegt, wo dies am billigsten (z. B. Abrechnungen in Indien), wo dies politisch befohlen (z. B. Abrechnung der Telekom in Israel) oder wo dies aus militärischen oder Spionagegründen (Cloud-Konzentration aus Europa in den USA) zweckmäßig erschien.

  • In den letzten Jahrzehnten war besonders die von den Konzernen verlangte Freizügigkeit der Arbeitskräfte umstritten. Die internationalen Konzerne wollten die jeweils billigsten Arbeitskräfte für ihre Massenproduktion oder -dienst-leistung global anwerben, der Mittelstand wies dagegen darauf hin, dass er mit ausgebildeten Fachkräften und hohen nationalen Steuer- und Sozialkosten Individualproduktion und -dienstleistungen zu erbringen habe, deshalb durch die Migration nicht entlastet, sondern mit Sozialkosten zusatzbelastet würde.

Der Kampf für Globalisierung, dann für "Diversifizierung, Multi-Kulti und Genderideologie", wurde von den USA für alle ihre Kolonien, insbesondere für Europa, gefordert und eine globale Einheitskultur vorgegeben, die es heute z. B. nicht mehr erlaubt, unterschiedliche Rassen, Kulturen oder Religionen überhaupt zu erwähnen, ohne in die Gefahr zu geraten, ins globale Abseits gestoßen zu werden. Entsprechend wurden die Souveränitätsrechte und Kompetenzen der Nationalstaaten abgebaut, in Zwischenstationen (EU, NATO) gesammelt. Die Globalisierung scheint sich weiter durchzusetzen.

Man darf allerdings deren Hinterkräfte des internationalen Großkapitals (Gates, Soros, Bezos, Zuckerberg, Rothschild u.a.) nicht nennen, ohne als "Verschwörungstheoretiker" ins gesellschaftliche Abseits gestellt zu werden.

Schon 2005 hat die Mittelstandsforschung in Hannover ² in vielen Einzeluntersuchungen ³ herausgearbeitet, dass es bei der Globalisierung nicht nur Gewinner, sondern auch Verlierer gibt ⁴. "Ebenso wie unter den Unternehmen Hochfinanz und Konzerne die großen Gewinner der Globalisierung, die mittelständischen Personalunternehmen aber die Verlierer dieser Entwicklung sind, gilt auch für die gesellschaftlichen Gruppen, dass den größten Vorteil von der Globalisierung die kleine Oberschicht der Reichen hat. Nur sie können die globalen Freiheiten für sich selbst weitgehend nutzen ⁵". Dagegen sind mittelständischen Unternehmer und der angestellte Mittelstand ortsgebunden, können ihre Tätigkeiten nicht international verlagern, weil ein mittelständisches Unternehmen nur in Anwesenheit des Unternehmers erfolgreich ist und der angestellte Mittelstand seinen Dienstvertrag vor Ort ausüben muss.

Das hat in unserer Wirtschaft zu einer Aufspaltung zwischen den die globalisierten Freiheiten nutzenden globalen Kapitalgesellschaften und Banken einerseits und den bodenständigen mittelständischen Personalunternehmen andererseits geführt. Erstere können die großen Freiheiten für Steuerfreiheit, Billigarbeit und internationale Billigbelieferung nutzen und sich vor allem durch globale Verlagerung den überbordenden Gesetzen und Bürokratien unserer alten Industrieländer entziehen.

Der heimattreue Mittelstand dagegen ist z. B. hier in Deutschland den höchsten Steuern und Sozialabgaben der Welt ausgeliefert, einem ständig wachsenden und nicht mehr beherrschbaren Gesetzesnetz und einer Bürokratie, welche selbst immer weniger Entscheidungen triff, stattdessen die Verantwortlichkeiten und wachsenden Kontrollaufwand auf die Unternehmen abwälzt.

Nur die Kapitalgesellschaft, Konzerne und die Hochfinanz haben die globalisierte Freiheit, sind aus den nationalen Rechtssystemen in rechtsfreien Raum gewachsen; - der Mittelstand als bleibender Staatsuntertan dagegen hat Höchststeuern, Höchstsozialabgaben und Höchstlöhne zu zahlen und dazu auch noch die Monopolpreise der Global Players zu akzeptieren, deren Konditionen und Rabatte hinzunehmen, sich deren Billigwettbewerb auf dem Markt zu stellen und ist dabei eindeutiger Verlierer im Globalisierungsspiel.

Auch die Unterschicht hat inzwischen begriffen, dass Globalisierung für sie mehr Gefahr als Nutzen bedeutet:
  • Wenn die globalen Konzerne in Billiglohnländer verlagern, bleibt Arbeitslosigkeit in Deutschland zurück.

  • Wenn die Zentralbanken Pleiteländer und Pleitekonzerne sowie Pleitebanken mit immer höheren Krediten über Wasser halten, eine Schuldenexplosion in der Welt betreiben und damit den Wert der Währungen und des Geldes vernichten, schwindet damit nicht nur das Realeinkommen, sondern auch die Ersparnisse und jede Alterssicherung unserer Arbeitnehmer.


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