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Die Saga geht weiter: Venezuelas 31 Tonnen konfisziertes Gold bei der Bank of England

04.08.2021  |  Ronan Manly
In einem der am längsten andauernden juristischen Dramen auf dem globalen Goldmarkt geht die Saga um das "eingefrorene" Gold Venezuelas in London weiter und erreichte zuletzt den High Court des Vereinigten Königreichs in einer viertägigen Gerichtsverhandlung vom 19. bis 22. Juli. Im Mittelpunkt des juristischen Dramas steht die Frage, wer befugt ist, die Goldreserven Venezuelas, die bei der Bank of England gelagert sind, abzuziehen.

Ist es die Banco Central de Venezuela (BCV) unter der Leitung des De-facto-Präsidenten von Venezuela, Nicolás Maduro, oder ist es ein Team unter der Leitung des selbst ernannten Interimspräsidenten von Venezuela Juan Guaidó, der von den Regierungen der USA und des Vereinigten Königreichs unterstützt wird. Angesichts der zahlreichen Entwicklungen in dieser Geschichte in den letzten Jahren und der Komplexität der Angelegenheit ist eine Zusammenfassung angebracht.


50 Tonnen bei der Bank of England

Von 1980 bis 2011 lagerte die BCV 99,2 Tonnen Gold bei der Bank of England. Zwischen Ende 2011 und Anfang 2012 führte die BCV eine berühmte Goldrückführungsaktion durch, bei der 160 Tonnen Goldbarren, die im Ausland gelagert waren, nach Caracas in Venezuela zurückgeflogen wurden, um in den Tresoren der venezolanischen Zentralbank gelagert zu werden. Nach Abschluss dieser Goldrückführung im Januar 2012 lagerten noch 4.089 Goldbarren der BCV Good Delivery in den Tresoren der Bank of England (rund 50,8 Tonnen).

Irgendwann nach 2012 und bis 2018 begann die BCV dann, verschiedene Goldswap-Geschäfte abzuschließen, u.a. mit der Deutschen Bank und der Citibank als Gegenparteien und auch mit der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) als Gegenpartei. Dazu verwendete die BCV den Großteil des Goldes, das sie in den Tresoren der Bank of England in London aufbewahrte, als Sicherheit für die Goldswaps.


Goldswaps der Deutschen Bank & Citibank

Eine dieser Transaktionen war ein Goldswap in Höhe von 1,7 Milliarden Dollar mit der Deutschen Bank, den die BCV 2017 auslaufen ließ, so dass die Deutsche Bank das als Sicherheit hinterlegte Gold behalten konnte. Dabei handelte es sich um etwa 30-40 Tonnen Gold. Eine weitere Transaktion war ein Goldswap mit der Citibank. Auch hier stellte die BCV Gold als Sicherheit zur Verfügung. Im April 2018 zahlte die BCV an die Citibank 172 Millionen Dollar, um einen Teil des als Sicherheit hinterlegten Goldes von der Citi zurückzuerhalten. Damit verfügte die BCV im April 2018 über einen Nettobestand von 14 Tonnen Gold bei der Bank of England (etwa 1125 Good-Delivery-Goldbarren).

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Nachdem der Citi-Goldswap im April 2018 abgewickelt wurde, begann die BCV, ihr Gold von der Bank of England zurückzufordern. An dieser Stelle wird es sehr interessant. Im November 2018 wurde bekannt, dass die Bank of England den Antrag der BCV auf Abzug von 14 Tonnen venezolanischen Goldes aus London hinauszögerte, wobei die Bank of England mit fadenscheinigen Ausreden wie Transportversicherungskosten und Bedenken wegen Geldwäsche ihre Abzugspflicht aus dem Goldverwahrungsvertrag der BCV nicht erfüllte.

Der eigentliche Grund für die Verzögerung des Goldentnahmeantrags der BCV war jedoch politischer Natur: Das US-Außenministerium und das US-Finanzministerium übten Druck auf das britische Außenministerium und das britische Finanzministerium aus, um den Goldentnahme- und Rückführungsplan von Venezuela zu blockieren. Mit dieser Hinhaltetaktik sollte Zeit gewonnen werden, um im November 2018 US-Sanktionen gegen Venezuela zu verhängen und vor allem die Torpfosten zu verschieben und die Spielregeln zu ändern, indem dem (von den USA und dem Vereinigten Königreich unterstützten) Team von Guaidó Zeit verschafft wurde, die Arena zu betreten und zu versuchen, die Kontrolle über die verbleibenden 14 Tonnen BCV-Gold bei der Bank of England zu erlangen.

Zu den Blockierungstaktiken gehörten die folgenden. Am 30. November 2018 schrieben zwei hochrangige Politiker der venezolanischen politischen Opposition, Julio Borges und Carlos Vecchio, einen Brief an den damaligen Gouverneur der Bank of England, Mark Carney, in dem sie die Bank of England aufforderten, den Antrag der BCV auf Goldentzug abzulehnen.

Gleichzeitig versuchten britische Regierungsvertreter unter der Führung der "Venezuela All-Party Parliamentary Group (APPG)" ein Treffen zwischen der Bank of England und einem venezolanischen Team, bestehend aus dem BCV-Präsidenten Calixto Ortega Sánchez und dem venezolanischen Finanzminister Simón Zerpa Delgado, der Anfang Dezember von Caracas nach London geflogen war, zu verhindern. Obwohl dieses Treffen stattfand, lehnte die Bank of England den Antrag von Ortega Sánchez und Delgado auf Goldentnahme erneut ab.


BCV erhöht den Einsatz - 31 Tonnen im Spiel

Im Dezember 2018 schloss die venezolanische Zentralbank ein weiteres Goldswap-Geschäft mit der Deutschen Bank ab. Die BCV zahlte der Deutschen Bank Bargeld zurück und erhielt dafür 17 Tonnen Gold, das die BCV 2015 als Kreditsicherheit gestellt hatte. Durch diesen Goldtausch erhöhte sich der Gesamtgoldbestand der BCV bei der Bank of England von 14 Tonnen auf 31 Tonnen und damit auf mehr als das Doppelte der Goldmenge, auf die die BCV nun in den Londoner Tresoren der Bank of England Anspruch erhebt.


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