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Märkte: Mangel an Zuversicht - Geopolitik: Kritische Auseinandersetzung

03.08.2021  |  Folker Hellmeyer
Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1,1875 (06:04 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1,1865 im US-Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 109.24. In der Folge notiert EUR-JPY bei 129.72. EUR-CHF oszilliert bei 1,0750.

An den Finanzmärkten konnte sich die gestern zunächst messbare Risikofreudigkeit nicht durchsetzen. Erhöhte Bewertungsniveaus der Risikoaktiva wurden genutzt, um Absicherungen vorzunehmen. So konnte der DAX kurz mit Kursen über 15.700 reüssieren, um dann abends bei 15.568 Punkten zu landen.

Der Markt fokussiert sich auf Corona-Hotspots, die es in insbesondere im asiatischen Raum gibt. Auch in den USA nahm die Zahl der positiv getesteten Personen zuletzt zu.

Die makro- und mikroökonomischen Daten fallen weiter grundsätzlich positiv aus. Die Quartalsberichte setzen überwiegend positive Überraschungsmomente. In den letzten 24 Stunden wurden die unerwartet positiven Akzente unter anderem von HSBC, Grab, AXA oder Heineken vorgehalten. Es gibt aber auch negative Entwicklungen. So stand die Allianz wegen drohender Rechtsauseinandersetzungen (exogener Effekt) unter Druck.

Fazit: Zuversicht ist zurzeit an Märkten trotz positiver Daten nicht ausgeprägt.


Geopolitik: Kritische Auseinandersetzung

Hinsichtlich der Geopolitik dominieren Belastungsfaktoren. Der Angriff auf einen israelischen Öltanker führte innerhalb kürzester Zeit zu einer Vorverurteilung des Iran als Verantwortlicher. Die USA, Israel, das UK und auch Rumänien seien von Irans Schuld überzeugt und würden nun abgestimmte Reaktionen umsetzen. Diese Vorverurteilungen entsprechen nicht ansatzweise den Anforderungen internationaler Rechtsstaatlichkeit.

Der Westen karikiert damit seine eigenen Ansprüche. Das gilt insbesondere vor dem Hintergrund vieler nachgewiesener falscher Narrative des Westens, deren realen Folgen nie rechtsstaatlich gesühnt wurden, aber hätten gesühnt werden müssen, um den eigenen Ansprüchen gerecht zu werden.

Angeblich sollten 24 russische Diplomaten laut TASS keine Visaverlängerung in den USA erhalten. Die US-Regierung widersprach der TASS-Meldung. Laut US-Regierung könnten die Diplomaten eine Verlängerung beantragen, die dann Fall für Fall überprüft würde. Wer verändert den Kodex des diplomatischen Procederes?

Es ist erbärmlich. Die USA, die ihre diplomatischen Korps so wie jede andere bedeutende Nation auch immer nachweislich zu Spionagezwecken missbrauchten (siehe Botschaft Berlin, Snowden), haben Lust auf weitere Eskalation mit Moskau.

Dabei geht es meines Erachtens wesentlich darum, in westlichen Bevölkerungen latent Stimmungen gegen Moskau zu provozieren. Die westliche Eskalationspolitik lässt sich nur fortsetzen, wenn das Negativimage Moskaus latent in den Köpfen der westlichen Bevölkerungen verankert ist. Nur so forciert man eine Basis in der Bevölkerung für fortgesetzte Eskalation im Rahmen asymmetrischer Wahrnehmungen.

Das Stilmittel der lauten Wiederholung (Reiteration) von expliziten und impliziten Vorwürfen wird dabei angewandt. Damit wird der Bevölkerung Wahrheitsgehalt der Anwürfe suggeriert, jedoch nicht bewiesen. In der Vergangenheit funktionierte das gut, wie der Krieg gegen den Irak und andere westliche Exkursionen (Maidan) belegen.

Die Haftung für diese Exkursionen übernimmt der Westen am Ende regelmäßig nicht. Das wird aktuell in Afghanistan deutlich. Als Besatzungsmacht hat man gemäß Regelwerk der Vereinten Nationen die Verpflichtung, Recht und Ordnung zu gewährleisten. Man zieht sich seitens des Westens zurück und hinterlässt Chaos und redet weiter laut über westliche Werte und Demokratisierung der restlichen Welt, die kulturell und gesellschaftlich nicht bereit ist, das Wertekorsett des Westens des 21. Jahrhunderts widerstandslos übergestülpt zu bekommen (negative Erfahrungswerte).

Zu den Fakten: US-Außenminister Blinken spricht von Gräueltaten der Taliban in Afghanistan. Was hat die 20-jährigen Intervention des Westens gebracht? Tote, Migrationsdruck, ein völlig zerstörtes Land? Wie steht es mit der Glaubwürdigkeit des Westens außerhalb des Westens (Thema Selbstbild versus Fremdbild)?


Fazit:

Das Ziel von Analyse ist Mustererkennung zum Erkenntnisgewinn. Die Ziele des Erkenntnisgewinns sind Lernkurven. Lernkurven sollten zu veränderten Verhaltensmustern führen. Wenn es trotz klarer Lernkurven nicht zu einem veränderten Verhaltensmuster kommt, bestimmen Themen außerhalb dieser Rationalität das Handeln. Das sind anekdotisch nachweislich politische Motive, die nichts mit Werten, sondern mit kalter Macht zu tun haben. Wie anders wäre zu erklären, in welch katastrophalen Zuständen die Länder, die westliche Interventionen ertragen mussten (u.a. Irak, Afghanistan, Libyen, Ukraine) heute bezüglich unserer Werte sind? Hinterfragen wir uns (Humanismus)?


Datenpotpourri der letzten 24 Handelsstunden

Die Erholung per 2020 nach dem ersten global verfügten Lockdown wird in den kommenden Monaten dafür sorgen, dass die hohen Wachstumszahlen keinen Bestand haben können. Es handelt sich um das Phänomen auslaufender Basiseffekte.


Eurozone: Deutscher Einzelhandel stark, Markit PMI höher

Die Einzelhandelsumsätze Deutschlands legten per Berichtsmonat Juni im Monatsvergleich um 4,2% (Prognose 2,0%) zu. Der Vormonatswert wurde von 4,2% auf 4,6% revidiert. Im Jahresvergleich übersetzte sich das in einen Anstieg um 6,2% (Prognose 3,2%) nach zuvor -1,8% (revidiert von -2,4%).

Der von Markit ermittelte Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe stellte sich per Juli laut finaler Fassung auf 62,8 Zähler (Prognose und vorläufiger Wert 62,6).


UK: Markit PMI wie erwartet

Der von Markit ermittelte Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe stellte sich per Juli laut finaler Fassung auf 60,4 Zähler (Prognose und vorläufiger Wert 60,4).


USA: Divergenz zwischen PMIs von Markit und ISM

Der von Markit ermittelte Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe stellte sich laut finaler Fassung auf 63,4 Zähler (vorläufiger Wert 63,1). Der vom ISM berechnete Einkaufsmanagerindex des Verarbeitenden Gewerbes sank per Juli von zuvor 60,6 auf 59,5 Punkte (Prognose 60,9). Die US-Bauausgaben legten per Juni im Monatsvergleich um 0,1% (Prognose 0,4%) nach zuvor -0,2% (revidiert von -0,3%) zu.


Japan: Tokio zurück in leichter Deflation

Die Verbraucherpreise in Tokio sanken im Jahresvergleich per Berichtsmonat Juli um 0,1% nach zuvor 0,0%.


Russland: BIP weiter auf dem Vormarsch

Das BIP stieg per Berichtsmonat Juni im Jahresvergleich um 8,5% nach zuvor 11,1%. Auslaufende Basiseffekte werden global in den kommenden Monaten das Bild bestimmen.

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den USD gegenüber dem EUR favorisiert. Ein Überwinden des Widerstandsniveaus bei 1.1900 - 1.1930 negiert den positiven Bias des USD.

Viel Erfolg!


© Folker Hellmeyer
Chefanalyst der Solvecon Invest GmbH



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