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Vermeiden Sie das Zocken an manipulierten Märkten

31.08.2021  |  Stefan Gleason
Wird Amerika zu einer Nation der Zocker? Die Anziehungskraft möglicher Geldgewinne treibt eine rasante Spekulation an den Finanzmärkten an und sorgt für rekordverdächtige Besucherzahlen in Kasinos. Die kommerzielle Glücksspielindustrie generierte im zweiten Quartal einen Rekordumsatz von 13,6 Milliarden Dollar, so das Las Vegas Review Journal. Kasinos in Las Vegas, Massachusetts, Louisiana und andernorts erwarten nun, dass 2021 das beste Jahr überhaupt wird.

Auf der anderen Seite ist es nur logisch, dass Glücksspieler auch rekordverdächtige Mengen an Geld verlieren, da alle Spiele in einem Kasino zugunsten des Hauses manipuliert sind. Man hätte eine bessere Chance, wenn man sein Geld auf die Finanzmärkte wirft, wo die Manipulation weniger unverschämt ist. Damit möchte ich jedoch nicht sagen, dass man seine finanzielle Zukunft in irgendeinem Kasino aufs Spiel setzen sollte - ob dieses nun in Las Vegas oder an der Wall Street operiert. Eine solide Investmentstrategie mag nicht notwendigerweise zu Jackpot-Gewinnen führen, wird Sie jedoch vor desaströsen Verlusten schützen.

In einer Ära des unsoliden Geldes und der Bailout-Stimuli der Federal Reserve verwaschen die Grenzen zwischen Investment, Spekulation und Zockerei immer mehr. Es besteht kein Zweifel, dass viele Menschen glauben, dass sie das "Halten" von Krypto-Token in ihren Smartphone-Apps zu klugen Investoren macht. In der Realität generieren nur Brokergesellschaften und Börsen, die einen Anteil des Gewinns verlangen, jeden Tag einen steten Cashflow aus dem Krypto-Handel. Laut dem Wall Street Journal verlangte Robinhood Gebühren von 233 Millionen Dollar für die Kryptotransaktionen - wobei der Großteil in Dogecoin stattfand.

Im Spiel mit den digitalen Assets werden die Spieler ihre Profite gewinnen und verlieren, doch das Haus gewinnt immer. Die Wall Street nutzt Management-Gebühren, Kommissionen, "Routing"-Kosten (oftmals versteckt), und Bid-Ask-Spreads, um Umsatz zu Ungunsten der Investoren zu generieren. Futuresmärkte können noch undurchsichtiger und räuberischer sein, wobei große institutionelle Trader die Märkte zu ihrem Vorteil manipulieren.

Kürzlich hat ein Bundesrichter entschieden, dass sich vier ehemalige Mitarbeiter von JPMorgan Chase wegen angeblicher Manipulation von Edelmetall-Terminkontrakten vor Gericht verantworten müssen. Ihnen wird vorgeworfen, gefälschte Aufträge ("Spoofing") erteilt zu haben, um andere Händler auf den Gold-, Silber-, Platin- und Palladiummärkten zu betrügen. JPMorgan hat bereits zugestimmt, mehr als 920 Millionen Dollar zu zahlen, um die Ermittlungen des Justizministeriums und der Commodity Futures Trading Commission in Sachen Spoofing beizulegen.

Bei manchen Spielen ist es einfach besser, nicht mitzuspielen. Es überrascht nicht, dass die meisten individuellen Spekulanten, die versuchen, an den von großen Institutionen kontrollierten Märkten für fremdfinanzierte Derivate zu spielen, am Ende verlieren. Der sicherste Weg, auf steigende Edelmetallpreise zu setzen, ist der Kauf physischer Edelmetalle. Allgemein verfügbare, weithin anerkannte Münzen, Ronden und Barren bieten in der Regel die beste Liquidität, die niedrigsten Bid-Ask-Spreads und die geringsten Aufschläge gegenüber dem Kassamarkt.

Obskure und "Sammlermünzen" hingegen sind in der Regel mit hohen Kosten für die Händler verbunden, die sie vertreiben. Um den Hausvorteil bei numismatischen Produkten zu überwinden, muss der Markt im Laufe der Zeit massiv an Wert gewinnen - und selbst dann wären die tatsächlich realisierbaren Gewinne wahrscheinlich geringer als bei Edelmetallprodukten mit niedrigem Aufschlag, deren Wertentwicklung eng mit den Kassapreisen übereinstimmt.

Der Schlüssel zum langfristigen Erfolg liegt darin, sein Geld in kosteneffiziente Anlageformen zu investieren. Ebenso wichtig ist es, zu wissen, wann man halten, wann man aussteigen und wann man verdoppeln sollte. Im Kasino verwenden manche Spieler ein Martingale-Wettsystem, bei dem sie ihre Einsätze nach jedem Verlust verdoppeln, bis sie einen Gewinn verzeichnen. Es funktioniert, wenn lange Verlustphasen vermieden werden können. Aber wenn es scheitert, dann scheitert es spektakulär und kann die gesamte Bankroll des Spielers vernichten.

Zum Glück für Anleger in physische Edelmetalle sind die Verluste nie so dramatisch. Die Gold- und Silberpreise werden nie auf Null fallen, wie es bei Verlustwetten der Fall sein kann. Aber sie können durchaus unbeständig sein. Einige Anleger versuchen, aus solchen Gewinnphasen einen Vorteil zu ziehen, indem sie eine positive Progression nutzen und ihre Positionen aufstocken, nachdem sie im Preis gestiegen sind. Der Vorteil ist, dass sie Gewinne (d.h. das Geld des Hauses) nutzen, um darauf aufzubauen und Gewinne zu verstärken.

Der Nachteil der positiven Progression besteht darin, dass der Anleger Gefahr läuft, bei einem Höchststand des Marktes den größten Einsatz zu tätigen. Bei der negativen Progression legen die Käufer bei Preisrückgängen Unzen von Edelmetallen zu. Der Vorteil besteht darin, dass die Anleger nach Werten streben und sich darauf einstellen, ihren größten Anteil bei einem Markttief zu entnehmen. Der Nachteil der negativen Progression ist, dass die Preise weiter fallen können, nachdem der Anleger "all-in" gegangen ist.

Es kann aber auch sein, dass die Kurse nach einem anfänglichen Kauf nie wieder fallen, so dass der Anleger nie die Möglichkeit hat, eine vollständige Position zu übernehmen. Die Preisentwicklung lässt sich nicht regelmäßig vorhersagen. Daher können sich Anleger vor dem Risiko schützen, bei steigenden, fallenden oder seitwärts tendierenden Märkten auf der falschen Seite zu stehen, indem sie ihre Positionen regelmäßig und unabhängig von den Kursen im Einklang mit ihren langfristigen Zielen aufstocken.


© Stefan Gleason
Money Metals Exchange



Der Artikel wurde am 26. August 2021 auf www.moneymetals.com veröffentlicht und exklusiv für GoldSeiten übersetzt.


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