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Finanzmärkte ohne Richtung - UK/EU Dilemma - China schwach

15.09.2021  |  Folker Hellmeyer
Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1,1809 (06:11 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1,1801 im europäischen Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 109,64. In der Folge notiert EUR-JPY bei 129,45. EUR-CHF oszilliert bei 1,0864.


An Finanzmärkten kommt es zu keinen klaren Ausrichtungen

Die westlichen Aktienmärkte gaben Teile der zuletzt erzielten Gewinne wieder ab. Belastend wirken grundsätzlich Dynamikverluste der globalen Ökonomie, die zu großen Teilen Basiseffekten oder Lieferengpässen als auch Logistikproblemen geschuldet sind. Das Tempo der Weltwirtschaft bleibt perspektivisch hoch.

Darüber hinaus wird das Thema "Tapering" der Fed oder der EZB, aber auch die Thematik von möglichen US-Steuererhöhungen als Hypothek diskontiert. Hinzu kommt, dass der September als schwacher Aktienmonat gilt.

Die "Bären" am Markt wollen und warten auf weitere Korrekturen. Bezüglich der Finanzmärkte gibt es berühmte Investmentregeln, beispielsweise die von Bob Farrell: "When all experts agree, something else tends to happen."

Vor diesem Hintergrund ergeben sich laut einer Untersuchung der Deutschen Bank interessante Konstellationen. Es wurden 550 professionelle Anleger befragt:
  • 10% erwarten eine Korrektur von mehr als 10% bis zum Jahresende
  • 58% erwarten eine Korrektur zwischen 5%- 10% bis zum Jahresende
  • 31% erwarten keine Korrektur bis zum Jahresende

Nur 14% der befragten professionellen Teilnehmer unterstellen höhere Aktienmärkte bis zum Jahresende. Das war das zweitschlechteste Ergebnis laut Deutscher Bank im laufenden Jahr 2021. "Food for thought!"

Chinas Aktienmärkte bemühen sich unter negativen Vorzeichen, die „Regulierungswut“ seitens der Regierung zu verarbeiten. Die Stimmung bei westlichen Investoren ist und bleibt gegenüber diesem Markt negativ oder verhalten. Die Regierung in Peking legte gestern nach:

Die Förderung eines "zivilisierten" Internets müsse laut Richtlinien des Staatsrats verstärkt werden. Dabei gehe es um Aufsicht über Nachrichtenseiten/Online-Plattformen im Sinne sozialistischer Grundwerte. Die Errungenschaften der KP herauszustellen, sei ein weiteres Ziel. Junge Menschen sollen unterstützt werden, das Internet "richtig und sicher" zu nutzen. Nach Jahren des Wachstums soll die Kontrolle über Wirtschaft und Gesellschaft verstärkt werden. Es gelte, positive moralische Werte zu fördern.

Diese Politik passt nicht zum westlichen Verständnis. Peking fordert faktisch in diesem Sektor eine Form der Richtlinienkompetenz. Gleichwohl sollte sich der "Westen" hinterfragen, ob es nicht sektoral bei sensitiven Themen auch bei uns eine Form der Richtlinienkompetenz gibt.

Weder am Devisenmarkt noch im Edelmetallhandel zeigt sich Momentum. An den Kapitalmärkten sanken Renditen leicht (10-Jahres Bundesanleihe bei -0,34%, 10-Jahres US-Staatsanleihen 1,28%). Der Bitcoin ist weiter in der Phase einer potenziellen Bodenbildung.


UK/EU: Das Dilemma setzt sich fort

Hintergrund: Das UK ist formell im Januar 2020 aus der EU ausgetreten. Eine Übergangsphase, in der sich das UK noch an die Regeln des EU-Binnenmarktes hielt, lief am 31. Dezember 2020 aus. Seitdem gelten offiziell wieder Zollkontrollen zwischen dem Vereinten Königreich und der EU.

Die UK-Regierung verschob die Einführung von Import- Kontrollen aus der EU nun auf 2022. Als Grund nannte Minister Frost gestern, dass Firmen wegen der Folgen der Pandemie und der Materialengpässe unter Druck stünden und mehr Zeit zur Vorbereitung benötigten. Nun passiert das nicht zum ersten Mal. Die Regierung hatte ihnen bereits zuvor mehr Zeit eingeräumt und den geplanten Start der Zollkontrollen um sechs Monate auf Oktober 2021 verschoben. Damit sollte Lebensmittelimporteuren geholfen werden.

Sie sollten ab April 2021 für die Importe Bescheide von Tierärzten und andere Dokumente vorlegen. Nun sollen die Regelungen erst ab 2022 schrittweise greifen. Frost sprach von einem "pragmatischen neuen Fahrplan".

Claus Hecking hat bei Spiegel Online einen treffenden Artikel (Firewall) dazu unter dem Titel "Im Königreich der leeren Regale" verfasst. Es geht hier nicht nur um Bürokratie, sondern der Brexit führte zu einem in Teilen von Diskriminierung geprägten Exodus der notwendigen Arbeitsmigranten. So fehlen 100.000 LKW-Fahrer. Es fehlt aber viel mehr, auch medizinisches Personal, Personal in der Gastronomie.

Daneben stellt London derzeit erneut das Nordirland-Protokoll und damit die eigene Signatur in höchst undiplomatischer Weise in Frage. Das UK hatte faktisch seit 2016 Zeit, sich vorzubereiten. Was hier seitens Whitehall geliefert wird, ist mindestens amateurhaft. Der EU sei angeraten, freundlich aber in der Sache fest zu verhandeln.


Datenpotpourri der letzten 24 Handelsstunden:

China: Daten verfehlen Erwartungen per August deutlich

Hintergrund der relativen Schwäche sind zu großen Teilen regionale Pandemie-Effekte als auch Lieferkettenprobleme. In der Gesamtheit lässt sich insbesondere die Schwäche im Einzelhandel damit jedoch nicht erklären. Die Einzelhandelsumsätze nahmen im Jahresvergleich um 2,5% (Prognose 7,0%) nach zuvor 8,5% zu. In den ersten 8 Monaten stellt sich der Anstieg auf 18,15% (Jahresvergleich) nach zuvor 20,72% (ersten 7 Monate im Jahresvergleich).

Die Industrieproduktion legte im Jahresvergleich um 5,3% (Prognose 5,8%) nach zuvor 6,4% zu. In den ersten 8 Monaten des Jahres 2021 stellte sich ein Plus in Höhe von 13,1% (Jahresvergleich) nach zuvor 14,4% (ersten 7 Monate im Jahresvergleich) ein. Die Arbeitslosenquote lag unverändert bei 5,1%. Die Investitionstätigkeit in urbanen Regionen stieg im Jahresvergleich in den ersten 8 Monaten des Jahres um 8,9% (Prognose 9,0%) nach zuvor 10,3%.


USA: Leichte Entspannung an der Inflationsfront

Der NFIB Business Optimism Index, der die Stimmungslage kleinerer Unternehmen abgreift, legte von zuvor 99,7 auf 100,1 Zähler zu. Die US-Verbraucherpreise nahmen per August im Monatsvergleich um 0,3% (Prognose 0,4%) nach zuvor 0,5% zu. Im Jahresvergleich kam es zu einem Anstieg um 5,3% (Prognose 5,3%) nach zuvor 5,4%. Die Kernrate der Verbraucherpreise stieg im Monatsvergleich um 0,1% (Prognose 0,3%) nach zuvor 0,3%. Im Jahresvergleich ergab sich eine Zunahme um 4,0% (Prognose 4,2%) nach zuvor 4,3%.


UK: Arbeitsmarkt stark, Beschäftigung höher als vor Pandemie

Die Arbeitslosenrate sank per August erwartungsgemäß von zuvor 4,7% auf 4,6%.


Japan: Negative Vorzeichen

Der Reuters Tankan Index für das Verarbeitende Gewerbe sank per September von zuvor 33 auf 18 Zähler. Der Tankan Index für den Dienstleistungssektor schwächte sich von 5 auf -2 Punkte ab. „Machinery Orders“ legten per Juli im Monatsvergleich um 0,9% (Prognose 3,0%) nach zuvor -1,5% zu. Im Jahresvergleich kam es zu einem Anstieg um 11,1% (Prognose 15,7%) nach zuvor 18,6%.


Südkorea: Arbeitslosenquote am Allzeittief!

Die Arbeitslosenquote sank per August von zuvor 3,3% auf 2,8% (Allzeittief!).

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den EUR gegenüber dem USD favorisiert. Ein Unterschreiten des Unterstützungszone bei 1.1640 – 1.1670 negiert den positiven Bias des EUR.

Viel Erfolg!


© Folker Hellmeyer
Chefanalyst der Solvecon Invest GmbH



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