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Fehlstart für DAX 40, Immobilienkrise in China?

21.09.2021  |  Christian Buntrock
Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1,1731 (06:30 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1,17 im US-Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 109,59. In der Folge notiert EUR-JPY bei 128,57. EUR-CHF oszilliert bei 1,08809.

Zum Starttag des DAX 40 wurden die Neuankömmlinge mit einer kalten Dusche begrüßt. Der neu zusammengesetzte Leitindex büßte 2,3 Prozent ein. Auch die anderen Leitindizes in Europa und den USA verloren deutlich. Nachgefragt wurden hingegen Staatsanleihen. So sank die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihen von -0,28% auf -0,32%. Der Grund für den Rückgang liegt in den zunehmenden Sorgen, die die Finanzlage des chinesischen Immobilienkonzerns Evergrande den Marktteilnehmern bereitet. Bereits am Mittwoch in dieser Woche könnte es zu einem Zahlungsausfall kommen. Viele sehen bereits Parallelen zur Zeit der Lehman-Pleite.


Droht eine Immobilienkrise in China?

Zunächst einmal deuten alle Anzeichen - ähnlich wie zur US-Immobilienkrise - darauf hin, dass die Regierung in Peking den Immobilienkonzern fallen lassen zu will, um ein Exempel zu statuieren. Die chinesischen Unternehmen sollen sich nicht darauf verlassen können, im Zweifel vom Staat gerettet zu werden. Ordnungspolitisch ist ein solcher Schritt zu begrüßen, um ein weiteres Aufblähen der Spekulationsblase am chinesischen Immobilienmarkt zu verhindern. Die Verluste der Eigen- und Fremdkapitalgeber rufen in Erinnerung, dass der Staat nicht ihr Risiko trägt, sondern Investition genau zu prüfen sind.

Offen bleibt jedoch, ob überhaupt und wenn ja wie Peking die anderen betroffenen Stakeholder unterstützen möchte. Betroffen wären z.B. auch Bauunternehmen und Kunden. Ebenso stellt sich die Frage, ob die chinesischen Banken die einhergehen Verluste tragen können oder einzelne Institute aus systemischen Gründen unterstützt werden müssen. Im Unterschied zur US-Immobilienkrise handelt es sich aber bei den Verwerfungen zunächst um ein hauptsächlich chinesisches Problem.

Die Kreditvergabe und gegebenenfalls -weitergabe fand innerhalb Chinas statt. Eine signifikante Ansteckung der Banken und Unternehmen westlicher Länder ist nach bisherigem Kenntnisstand unwahrscheinlich.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob die Marktreaktion in Europa und den USA übertrieben ist. Sollte sich ein Konjunkturrückgang in China aufgrund der Immobilienmarktentwicklung einstellen, müssten vor allem zunächst die westlichen Unternehmen mit einem hohen China Exposure fallen. Diese stürzten auch ab. Laut Bloomberg fiel ein von Goldman Sachs zusammengestellter Korb von Russell-1000-Unternehmen mit hohen Umsätzen in China um 3,3%. Ein anderer Korb, der Aktien zusammenfasst, die stark von den Lieferketten in China abhängig sind, fiel sogar um 3,7%.

Aber: die Spreads von Junkbonds weiteten sich nicht signifikant aus. Zudem wurden auch viele Aktien in der Breite des Marktes ohne Chinabezug abverkauft. Ebenso litten Kryptowährungen, die von manchen Käuferschichten als alternatives Gold gehandelt werden. Auch Gold selbst konnte gestern nur zaghaft die Verluste der Vortage ausgleichen.

Das differenzierte Einpreisen der Lage an den westlichen Märkten steht damit noch aus. Ohne das Wissen, wie die Regierung in Peking mit der Krise umgehen will wird der Markt weiterhin vorsichtig reagieren.


Gaspreise in Europa auf Rekordniveau

Die Gaspreise haben sich in den letzten Wochen auf neue Rekordhochs bewegt. Aktuell liegt der ein Monat Forward Netherlands TTF Natural Gas bei 74 €. Eine Besserung für die nächsten Monate ist nicht in Sicht. Viele Unternehmen haben aufgrund des ohnehin gestiegenen Preisniveaus mit Bestellungen gezögert und laufen in der Folge in eine Kostenfalle, da die Preise weiter gestiegen sind. Hier wäre es die Aufgabe gewesen, die geleerten Gasspeicher direkt nach dem kalten Winter mit hohem Verbrauch wieder aufzufüllen und entsprechend zu bestellen.

Behauptungen, dass diese Situation bewusst herbeigeführt wurde um Nord Stream 2 zu unterstützen, sind politischer aber nicht sachlicher Natur. Die Preisbewegung in Asien, entspricht der, die wir vor Ort in Europa sehen. Auch die RWE bescheinigt seinen Partnern, darunter Gazprom, Vertragstreue. Die Normalisierung der Nachfrage scheint von vielen Marktteilnehmern unterschätzt worden zu sein. Damit wird in den nächsten Wochen das Wetter den Gaspreis maßgeblich beeinflussen können, da mit Kälteeinbrüchen die Nachfrage sprunghaft steigt. Die Auswirkungen werden wir ebenfalls auf der Inflationsseite sehen, die Energiepreiskomponente wird nach oben angepasst werden müssen.

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Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den EUR gegenüber dem USD favorisiert. Ein Unterschreiten des Unterstützungszone bei 1.1640 - 1.1670 negiert den positiven Bias des EUR.

Viel Erfolg!


© Christian Buntrock
Solvecon Invest GmbH



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