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Vorübergehende Inflation und nutzlose Zutaten

13.10.2021  |  Dr. Keith Weiner
Erinnern Sie sich daran, als Sie zwei oder drei Jahre alt waren? Kleinkinder denken oftmals, dass kleine Leute im Fernseher stecken (oder vielleicht entsprach das nur der Wahrheit, als ein Fernseher noch so tief wie er breit war - und vielleicht glauben das die Kinder heute nicht mehr, wenn sie einen Flachbildfernseher betrachten...) Es ist jedoch normal, dass sie dieser naiven Ansicht entwachsen.


Kaufkraft und Intrinsizismus

Dies ist eine einfache Instanz des philosophischen Konzepts des Intrinsizismus. Externe Charakteristika so zu betrachten, als befänden sie sich innerhalb eines Objekts oder seien integraler Teil davon. Schauspieler befinden sich nicht innerhalb eines Fernsehers, noch tun dies Produktionsstudios. Nicht einmal die Inhalte befinden sich innerhalb des Fernsehers. Der Fernseher ist nicht mehr als ein Medium, um das Filmmaterial bereitzustellen. Sie fragen sich vielleicht, was das mit Geld zu tun. Die Verbindung besteht via des Gedankens der Kaufkraft. Milton Friedman sagte bekannterweise einmal, dass "Inflation überall und immer ein monetäres Phänomen ist."

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"Inflation ist immer und überall ein monetäres Phänomen,
da sie nur durch einen schnelleren Anstieg der Geldmenge
als der Produktion erzeugt wird und werden kann."
- Milton Friedman -


Dies lässt die Leute natürlich glauben, dass die Güter, die man mit einem Dollar erwerben kann, dem Dollar an sich innewohnen. Wenn die Dollarmenge tatsächlich der einzige Grund wäre, warum die Preise steigen, dann wäre die logische Konsequenz, dass die Güter - und die Menschen, die sie produzieren - irgendwie im Dollar stecken. Natürlich denkt das niemand. Es ist nur einer dieser Widersprüche der quantitativen Geldtheorie, die man ignorieren muss.


Leben innerhalb des Dollar

Die Menschen, die Lebensmittel, Autos und Mobiltelefone produzieren sind keine kleinen Elfen (die von Santa Claus, nicht die von Tolkien), die in dem Dollarschein leben, der sich wiederum in Ihrem Portemonnaie befindet. Sobald man sich dieser Sache bewusst ist, kann man anfangen, Fragen zu stellen: Was motiviert diese Menschen? Was würde die Kosten reduzieren bzw. erhöhen? Und was hindert sie an der Produktion und der Reduktion des Angebots und verursacht somit echte Knappheit und damit steigende Preise?

Und sogar Fragen wie: Sorgen höhere Schulden dafür, dass sie weniger oder aggressiver Waren produzieren, um diese auf den Markt zu bringen? Und: Wenn die Zinsen zurückgehen, ist dies dann ein größerer Anreiz dafür, mehr Schulden auf sich zu nehmen, um die Produktionskapazität zu erhöhen? Die Waren selbst befinden sich ebenfalls nicht im Dollar. Der Dollar (oder Gold) ist kein Lager von Waren oder Kaufkraft, um Güter zu erwerben. Der Wert des Dollar entspricht dem, was diejenigen, die Waren produzieren, gewillt sind, zu bieten. Und es gibt viele, viele Faktoren, die sie dazu bringen, mehr oder weniger zu bieten.


Was ist die Ursache der Energiekrise in Großbritannien?

Lassen Sie uns nun einen Blick auf die ernste Situation in Großbritannien werfen, wo sich steigende Energiepreise bald auf die Lebensmittelpreise sowie andere Märkte auswirken werden. Läge Friedman richtig, dann wäre das Wachstum der Pfundmenge der Verursacher - Geldmenge M0 hat im letzten Jahr um 8% zugelegt. Dann würden wir vielleicht "Cantillon-Effekt" oder "Verkürzungen & Verlängerungen" murmeln und dies der Inflation zuschieben. Doch das ist nicht die ganze Geschichte. So wie die Aussage "Daddy, da sind Leute im Fernseher" nicht die gesamte Geschichte darüber erzählt, wie ein Film auf Ihrem Flachbildfernsehen gezeigt wird. Es steckt etwas anderes dahinter.


Regulierung

Großbritannien hat, wie alle anderen deindustrialisierenden Länder, eine Schar an Anti-Energie-Maßnahmen eingeführt. Eine von ihnen verbietet Fracking, um Erdgas zu produzieren. Eine weitere Maßnahme zwang Kraftwerke und Branche dazu, von Öl und Kohle auf Erdgas umzusteigen. In anderen Worten: Man entschied sich, dass das Erdgas ins Land importiert wird und dass ein größerer Anteil des Gesamtenergieverbrauchs aus Erdgas bestehen wird.

Das würde nicht notwendigerweise dazu führen, dass der Energiepreis steigt (auch wenn Erdgas vielleicht teurer ist als Öl oder Kohle). Doch es macht energieintensive Branchen verwundbarer. An einem freien Markt möchten Geschäftsführer das Risiko reduzieren, indem sie ihre Lieferketten diversifizieren. Wohlfühldiktate, wie die in Großbritannien, machen alle Lieferketten zunehmend (oder alleinig) abhängig von einem einzigen Ausfallpunkt. Das zwingt Geschäftsführer entgegen besserer Einsicht dazu, ihre Risiken zu konzentrieren und darauf zu hoffen, dass kein disruptives Ereignis auftritt.


Lockdowns und Just-in-Time-Lieferketten

Doch leider kam es zu einem globalen Lockdown. Der Lockdown legte zuerst die weltweite Liefer- und Logistikbranche lahm. Schiffe und Container strandeten am falschen Ort. Nun da sich die Wirtschaften wieder öffnen, wurde eine Menge Nachfrage, die zurückgehalten wurde, freigesetzt. Doch Produktions- und Vertriebsbranche bewegten sich lange Zeit hin zu einem Just-in-Time-Trend (dessen Treiber monetärer Natur ist: die fallenden Zinsen). Niemand hat die Kapazität, all die Waren, die man innerhalb eines Jahres erworben hätte, auf einmal zu produzieren und zu vertreiben. Geschweige denn nach einem Lockdown, der die Kapazität zerstört hat. Eine Aufhebung des Lockdowns verursacht eine Art Schleudertrauma.


Nationalismus & Handelskriege

Außerdem trat im Nachgang von Präsident Trumps Strategie "Handelskriege sind gut und einfach zu gewinnen" zunehmend nationalistische Politik auf den Plan. Nationalismus und Zölle sorgen für Spannungen und zwingen Unternehmen dazu, sich im Inland Inputquellen zu sichern - einschließlich Erdgas. Sie werden zu diesem Ansatz getrieben, auch wenn es weniger effizient und teurer ist. Rechnet man Anti-Fracking + Anti-Kohle-&-Öl + Handelskrieg + Lockdown-Schleudertrauma zusammen, erhält man eine äußerst kritische Lage für die britischen Energiekonsumenten.



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