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Der Aufstieg des Neo-Sozialismus. Und wie man ihn stoppt

22.10.2021  |  Prof. Dr. Thorsten Polleit
Vor unseren Augen spielt sich eine rasante Abkehr vom System der freien Märkte (beziehungsweise von dem, was davon heute noch übrig ist) ab. Eine Entwicklung, die nicht nur den Wohlstand, sondern auch das friedvolle Zusammenleben der Menschen auf dieser Welt gefährdet.

"Die wahren Optimisten sind nicht überzeugt, daß alles gut gehen wird, aber sie sind überzeugt, daß nicht alles schief gehen kann." - Friedrich Schiller


Einleitung

Die Volkswirtschaften erholen sich nur mühsam aus der politisch diktierten Lockdown-Krise. Dass die internationalen Produktions- und Logistikketten erheblichen Schaden genommen haben, zeigen anhaltende Produktionsausfälle, Lieferverzögerungen, steigende Güterpreise und hier und da auch leere Supermarktregale. Nun könnte man die Hoffnung haben, dass die "Störungen" über kurz oder lang behoben werden, sich die weltweite Angebots- und Nachfragestruktur wieder "normalisieren" wird.

Doch leider wird diese Hoffnung stark getrübt durch den sich scheinbar unerbittlich vollziehenden wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Paradigmenwechsel: Vor unser aller Augen spielt sich die politisch-ideologisch herbeigeführte Abkehr vom System der freien Märkte (beziehungsweise die Abkehr von dem wenigen, was davon heute noch übrig ist) ab. Es soll einer Art Befehls- und Lenkungswirtschaftsmodell, eine Art Kommandowirtschaft, Platz machen, die nichts Gutes für Wohlstand und Frieden auf der Welt verspricht.

Um die Folgen dieser Veränderung besser überblicken zu können, soll in diesem Aufsatz in einem ersten Schritt die Funktionsweise und Leistungsfähigkeit des freien Marktsystems erklärt werden (1). Daran anschließend wird aufgezeigt, wie und auf welchen Wegen der "Interventionismus" - der heute nahezu überall auf der Welt zum allseits akzeptierten Wirtschaftsmodell aufgestiegen ist - seit Jahrzehnten das freie Marktsystem unterwandert, aushebelt und zerstört (2).

Sodann sollen die ideologischen Hintergründe, die den neuesten Paradigmenwechsel in Wirtschaft und Gesellschaft an- und vorantreiben, beleuchtet werden (3). In einem abschließenden Schritt werden Möglichkeiten aufgezeigt, der ideologisch angetriebenen Zerstörung des marktwirtschaftlichen Systems in der westlichen Welt wirksam entgegentreten zu können (4).


Das Wunder des freien Marktsystems

Was bedeutet eigentlich ein "System freier Märkte", und was kann er leisten? In einem System freier Märkte steht es den Anbietern frei, in einen Markt ein- und auszutreten, und ebenso steht es Nachfragern frei, die Güter nachzufragen, die sie zu kaufen wünschen. Es herrscht Wettbewerb sowohl auf der Angebots- als auch auf der Nachfrageseite. In einem freien Markt nutzen die Menschen die Vorteile der Arbeitsteilung. Mit ihr lässt sich die Ergiebigkeit der Arbeit erhöhen, sie erlaubt es, mehr und bessere Güter zu produzieren. Unternehmen formieren sich und machen sich daran, solche Güter und Dienste zu erzeugen und anzubieten, die die Kunden zu kaufen wünschen.

Sind die Unternehmen dabei erfolgreich, werden sie mit Gewinn belohnt. Der Gewinn ermöglicht es ihnen, ihre Produktion im Sinne der Nachfrager auszuweiten. Erzielt der Unternehmer hingegen einen Verlust, so wandert sein Kapital sprichwörtlich in die Hände "besserer Wirte", also zu Unternehmern, die die Kundenwünsche vergleichsweise besser erfüllen. Das Gewinn-und- Verlust-Prinzip sorgt folglich dafür, dass die Produktionsleistung an den Kundenerfordernissen ausgerichtet wird.

Die Bildung der Güterpreise spielt im System der freien Märkte eine besonders wichtige Rolle. Steigt der Preis eines Gutes, so zeigt dies an, dass das betreffende Gut knapp ist (relativ zum Angebot anderer Güter). Zum einen hält das die Nachfrager an, sparsamer mit dem Gut umzugehen. Zum anderen bekommen Unternehmen das Signal, die Produktion des Gutes auszuweiten. Die erhöhte Produktionsmenge des Gutes wirkt seinem Preisanstieg entgegen und verbessert die Versorgungssituation der Nachfrager.

Gleiches gilt bei einem Preisrückgang für ein Gut. Er signalisiert, dass das Gut relativ reichlich vorhanden ist, und dass die Unternehmer besser andere Güter, deren Preise sich relativ zum verbilligenden Gut verteuern, vermehrt produzieren sollen. Der Preismechanismus sorgt so gesehen dafür, dass die knappen Mittel in die Verwendungen gelenkt werden, in denen sie aus Sicht der Nachfrager den höchsten Nutzen stiften.

Ein freies Marktsystem - und das ist sein Kernmerkmal - zeichnet sich durch Eigentum aus: Die Produktionsmittel befinden sich im Privateigentum. Der Unternehmer kann die Gewinne seiner Tätigkeit vereinnahmen, und er muss die Kosten seines Tuns tragen.

Das Bestreben, sein Eigentum zu verhalten beziehungsweise zu vermehren, hält den Unternehmer in einem freien Markt dazu an, seine Produktionsleistung konsequent an den Wünschen der Nachfrager auszurichten. Er setzt seine Produktionsmittel ein, um Güter zu erzeugen, die nicht seinen eigenen Bedürfnissen, sondern die den Bedürfnissen der Käufer entsprechen. Er stellt folglich sein Eigentum in den Dienst der Kunden. Und die Kunden sind es, die mit ihrer Kauf- oder Nichtkaufentscheidung über Erfolg oder Misserfolg des Unternehmers entscheiden; man kann von "Konsumentensouveränität" sprechen.

Ein weiteres Charakteristikum des freien Marktsystems ist die Massenproduktion, also die Erzeugung von Gütern, die für den Verbrauch durch die breite Bevölkerung vorgesehen sind. Damit verbunden kommt es zu einer Tendenz einer ständigen Verbesserung des durchschnittlichen Lebensstandards für die große Zahl der Menschen, das heißt eine fortschreitende Bereicherung der Mehrheit der Bevölkerung. Man kann auch sagen (und die Marxisten-Sozialisten mögen das vielleicht gar nicht hören wollen): Das freie Marktsystem entproletarisiert den "gewöhnlichen Menschen", erhebt ihn nach und nach zu dem Rang eines "Bürgerlichen".

Wie einleitend bereits erwähnt, entwickelt ein freies Marktsystem eine zunehmende, immer feiner zergliederte Arbeitsteilung, national wie international. Denn es ist die Arbeitsteilung, die die Ergiebigkeit der Arbeit erhöht. Sie hält die Menschen dazu an, diejenigen Güter zu erzeugen, bei deren Herstellung sie vergleichsweise geringe Kosten haben. Die Arbeitsteilung erlaubt aber nicht nur, mit gegebener Arbeitsleistung mehr Güter herzustellen, sondern auch Güter zu erschaffen, die man ohne Arbeitsteilung gar nicht herstellen könnte.


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