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Rentabler ist es, auf Kosten anderer zu leben

13.11.2021  |  Prof. Dr. Eberhard Hamer
Seit der 1968er Revolution haben sich erst mental und dann auch real grundsätzliche Wandlungen in Deutschland vollzogen:

Hatte Ludwig Erhard noch den "Wohlstand für alle" aus Eigenverantwortung und Eigenleistung jedes Bürgers erwartet und durch Freiheit von Gesetzesblockaden sowie Steuerfreiheit der Selbstfinanzierung gefördert - und damit Deutschland aus dem Elend zum Wirtschaftswunder geführt - haben die 68er die "Preußischen Tugenden", wie Sparsamkeit, Fleiß, Ehrlichkeit und Selbstverantwortung diffamiert und neue gesellschaftliche Leitwerte, vor allem erst in der Jugend durchgesetzt: Freier und diverser Sex statt Eheliebe und Ehetreue, "Kampf dem Leistungsterror", Lustbeschäftigung statt Beruf oder statt christlicher eine neue Öko-Religion ¹.

Schon immer hat ein Wandel der Leitideen auch die gesellschaftliche Wirklichkeit verändert - erst schleichend, dann massiv. In der schleichenden Phase treten die Folgen des Wertewandels noch nicht auf, weil die Wohlstandsfolgen der alten Werte noch Wohlleben bescheren (Scheinblüte). Je mehr sich dagegen der Wertewandel durchsetzt und die moralischen und ökonomischen Werte durch irreale Leitwerte und gesellschaftliche Ziele ersetzt werden, desto stärker wirkt sich der Wertewandel auch auf die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Realbedingungen aus.

Das lässt sich am besten am Beispiel unseres Finanz- und Währungssystems betrachten: In der ersten Phase der D-Mark war diese knapp, begehrt, musste man hart für sein Geld arbeiten, gab es Geld nicht ohne Eigenleistung, war jeder vorerst selbst für seinen Lebensstandard verantwortlich, nicht der Staat.

Da manche in der Leistung zurückgeblieben waren oder sich zurückgehalten hatten, war in den Folgejahrzehnten inzwischen eine "ungerechte Vermögensverteilung" entstanden und konnte eine wachsende Mehrheit von Zurückgebliebenen überzeugt werden, dass die Leistungsträger immer mehr an die Leistungsschwachen und Leistungsverweigerer abgeben müssten, um "gleiche Teilhabe" am Wohlstand und gleiche Lebensbedingungen zu haben: Der Beginn der größten Umverteilung der deutschen Geschichte.

Da aber den Leistungsträgern nicht genügend abgenommen werden konnte, um ein Sozialsystem für immer mehr neu entdeckte Leistungsnehmergruppen zu finanzieren, entstand in allen europäischen Ländern die große Schuldenorgie, wurden Sozialleistungen zunehmend mit öffentlichen Schulden bezahlt.

Da aber in Europa immer weniger Länder ihre Schulden noch bezahlen konnte, andere nicht mehr, wurde ² die Währungsunion mit dem gemeinsamen Euro geschaffen, der den überschuldeten Südländern wieder 20 Jahre neue Schuldenreiterei (wenn auch auf Kosten Deutschlands) und noch höhere Umverteilung gestattete.

Das Problem, dass immer mehr Euro-Länder die Zinsen für ihre Schulden nicht mehr bezahlen konnten, wurde satzungs- und rechtswidrig von der EZB dadurch gelöst, dass Nullzins eingeführt wurde, damit die Schuldenexplosion ungehemmt weiter betrieben werden konnte, so dass über der nationalen Umverteilung auch die europäische Umverteilung explodierte - mit dem Green Deal 2021 von 800 Milliarden Euro Schulden als Übergang der EU von einer Wirtschaftsgemeinschaft zu einer Schulden- und Finanzunion.

Inzwischen gilt es als selbstverständlich,
  • dass "ein menschenwürdiges Leben" auch ohne Arbeit und Leistung durch die Sozialsysteme garantiert wird ³,

  • dass auch supranational in Europa die faulen, korrupten und wirtschaftsarmen Länder von den noch wirtschaftlich besseren finanziert werden müssen und deshalb die europäische Schuldenexplosion auf Kosten von Währung, Eigenleistung und Selbstverantwortung europäische Politikaufgabe ist

  • und dass der Wohlstand generell - sowohl national als auch international - immer weniger aus Produktivität und Eigenleistung als auch "Solidaritätsanspruch und Umverteilung" erwartet wird.


Die nationale Umverteilung

Wirtschaftstheoretisch ist der gewerbliche Sektor mit der höchsten Produktivität Wohlstandstreiber einer Volkswirtschaft, weil sie Güter schafft, statt solche - wie der Dienstleistungsbereich - nur zu verwalten und zu verteilen.

Der gewerbliche Sektor hat sich jedoch von früher 50 und mehr Prozent des BIP 1950 bis 1970 ⁴ ab den 1980er Jahren dramatisch verändert. Nicht mehr die Produktionswirtschaft, sondern die Dienstleistung galt als moderne Fortentwicklung jeder Volkswirtschaft, so dass inzwischen die Dienstleistung fast 70% unseres BIP ausmacht, der gewerbliche Sektor nur noch 30% ⁵.

Die Produktivität des Dienstleistungssektors ist allerdings generell geringer als die des gewerblichen Sektors; sie umfasst auch neben Hilfsdienstleistungen für die Produktion ⁶ immer mehr Bereiche mit geringer Produktivität ⁷ und eine erschreckend wachsende Zahl unproduktiver oder sogar kontraproduktiver Branchen ⁸.

Der Anreiz zur Dienstleistung liegt darin, dass in ihr nicht mehr Arbeitsergebnis, sondern Arbeitszeit oder „Zeitvertreib“ bezahlt wird. Der Handwerker bekommt nur das Ergebnis bezahlt, ganz gleich, welche Zeit er dafür braucht. Arzt, Anwalt oder eine Verwaltung dagegen dürfen ihren Zeitaufwand in Rechnung stellen, auch wenn kein Ergebnis damit erzielt wird.

Zusätzlich hat ein leistungsfeindliches Steuer- und Abgabensystem die beiden Produktionsfaktoren Boden und Kapital immer mehr ent- und dafür den Leistungsfaktor Arbeit immer einseitiger belastet, so dass vom Brutto-Arbeitsergebnis dem Mitarbeiter etwa nur ein Drittel ⁹, unseren 5 Millionen Unternehmern dagegen im Schnitt weniger als ein Fünftel übrigbleibt.

Eigener Fleiß lohnt in Deutschland wegen der welthöchsten Abgabenbelastung immer weniger - in unteren Lohngruppen sogar weniger als Sozialleistung. Kein Wunder, wenn deshalb jährlich 100.000 bis 200.000 Leistungsträger ins Ausland flüchten, Millionen in die Schwarzarbeit und auch der Nachwuchs immer weniger in "schmutzig machende Produktion" als in bequeme, leistungsunabhängige Dienstleistungsberufe drängt (Lehrlingsmangel - Studentenboom).

Wo "gleiche Teilhabe" und Existenzsicherung für alle zum oberstgerichtlich bestätigten allgemeinen Grundsatz geworden ist, lohnt es nicht mehr, zu leisten, flüchten die Leistungsträger, aber wandern die Leistungsunfähigen und Leistungsunwilligen der ganzen Welt in neuer Völkerwanderung in das üppige deutsche Sozialparadies.

Millionen Arme, Gescheiterte und Unfähige aus Asien und Afrika wandern unter Lebensgefahr nach Europa und von Europa weiter nach Deutschland, weil es nur hier die höchsten Sozialleistungen der Welt gibt, unsere Politik weltweit dazu einlädt und das Großkapital ¹⁰ sowie immer mehr Sozialorganisationen (einschließlich Kirchen) das Schleuser- und Immigrationsgeschäft auf Staatskosten als lukrative Gewinnmöglichkeit entdeckt haben ¹¹.


Das Leben für andere

Früher war Basis des öffentlichen Dienstes der "Dienst am Volke" bzw. für andere. Heute dagegen sehen ÖTV und Beamtenbund Staat und Gesellschaft als Melkkuh an. Mit Streiks haben sie die höchste Besoldung erreicht, die je in Deutschland für öffentlichen Dienst bezahlt wurde und die den Lohn produktiver Mitarbeiter der meisten mittelständischen Firmen schon übersteigt ¹².

Vor allem hat sich der öffentliche Dienst von seinem ursprünglichen Zweck der Erfüllung von Hoheitsaufgaben längst auch und sogar überwiegend als Dienst zur Erfüllung von allgemeinen Lustaufgaben entwickelt ¹³ und hat öffentliche Funktionäre für alle möglichen, vielleicht wünschenswerte, oft überflüssige, jedenfalls nicht eigenstaatliche Aufgaben eingestellt, so dass sich die Verwaltung krebsartig von ihren Hoheitsaufgaben immer mehr in Lustaufgaben ausgedehnt und in ihrem Personal multipliziert hat.


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