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Warum und wie der Sozialismus die Welt erobern will

20.11.2021  |  Prof. Dr. Thorsten Polleit
Kollektivistische-sozialistische Ideen feiern Renaissance. Dieser Aufsatz soll Licht auf diese Entwicklung werfen und verdeutlichen, wie wichtig es ist, ihr entgegenzutreten, sie zu stoppen und umzukehren.


1.

Der Sozialismus und seine Spielarten sind verantwortlich für die schlimmsten Verbrechen des 20. Jahrhunderts. Sie brachten Millionen Menschen Armut, Elend, Gewalt und den frühen Tod. Dennoch erfahren heute marxistische-sozialistische Ideen, meist eingehüllt in neue Gewänder, eine fulminante Renaissance - und zwar weltweit. Die Öffentlichkeit, so ist mein Eindruck, bemerkt das größtenteils gar nicht, übersieht die Gefahr für die Zivilisation, die mit der Verbreitung und Akzeptanz dieser Ideen verbunden ist; oder aber sie billigt die sozialistische Renaissance insgeheim, dann aber doch wohl nur in Unkenntnis der bitteren Folgen, die ihre Billigung haben wird.

In meinem Referat will ich versuchen, einige (wie ich meine: begründete) Befürchtungen näher auszuleuchten, warum der Sozialismus die Welt sozialistisch machen will; und ich will auch aufzeigen, wie die Sozialisten vorgehen. Ich werde dabei versuchen, vor allem die folgenden drei Aussagen zu begründen:

(1) Die Idee des Sozialismus ist nicht tot, sie ist vielmehr quicklebendig, sie kommt neu verkleidet und mit neuen Verheißungen daher.

(2) Der moderne Sozialismus, ich nennen ihn: Neo-Sozialismus, zielt nicht unmittelbar auf die Verstaatlichung der Produktionsmittel ab, er will vielmehr so etwas wie eine globale Kommandowirtschaft aus der Taufe heben.

(3) Die Kommunistische Partei Chinas spielt für den weltweiten Aufstieg des Neo-Sozialismus eine bedeutsame Rolle; man kann von einer "Chinarisierung des Westens" sprechen.

Abschließend werde ich einige Handlungsempfehlungen vorstellen, mit denen wir wirksam Front gegen den Aufstieg des Neo-Sozialismus machen können.


2.

Lassen Sie uns beginnen mit ein paar ganz grundlegenden Überlegungen. Die Beschaffenheit der Welt, in die wir Menschen hineingestellt sind, ist nicht überall gleich, sondern von Ort zu Ort mitunter sehr unterschiedlich. Es gibt Regionen, die für das menschliche Dasein günstige oder weniger günstige Bedingungen aufweisen - was Klima, Topographie und Ressourcenreichtum anbelangt. Auch die Menschen selber sind verschieden: Jeder einzelne von ihnen ist einmalig. Was sie auf das Engste miteinander verbindet, ist das Menschsein, gleichwohl ist keiner in all seinen vielfältigen Eigenschaften und Eigenheiten (seinen Zielen, Fähigkeiten und Vorlieben) wie der andere.

Wenn man nun diese Ausgangsbedingungen akzeptiert: Was würde passieren, wenn die Menschen sich frei und ungehindert auf der ganzen Welt hin und her bewegen könnten?

Wir wissen aus der Logik des menschlichen Handelns, dass der handelnde Mensch eine höhere Güterversorgung gegenüber einer geringeren Güterversorgung bevorzugt; denn das erlaubt ihm, mehr seiner Ziele zu erreichen. Es ist ebenfalls handlungslogisch begründbar, dass der Handelnde danach strebt, seine Ziele mit dem geringsten Mittelaufwand, mit den geringsten Kosten zu realisieren.

Die Urproduktion (Land-, Forst- und Wasserwirtschaft) würde folglich dort stattfinden, wo sich unter sonst gleichen Umständen der höchste Ertrag erzielen lässt. Die verarbeitende Industrie würde ihren Standort dort wählen, wo zur Erzeugung einer Gütereinheit (bis zur vollen Fertigung, einschließlich des Transportes zum Konsumtionsort) die höchsten Gewinne anfallen.

Die Arbeiter werden sich nahe der Stätten der Urproduktion und nahe der Orte der Industriefertigung ansiedeln. Die Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital werden so lange in Bewegung sein, werden von einem Ort zu anderen wandern, bis sie in allen Verwendungen die gleiche Grenzproduktivität aufweisen. Nehmen wir an, auf der Nordhalbkugel der Welt sind die Grenzproduktivität und damit die Löhne für Arbeit höher als auf der Südhalbkugel. Daraufhin wird eine Wanderungsbewegung ausgelöst.

Die zuströmenden Arbeitskräfte senken die Grenzproduktivität der Arbeit auf der Nordhalbkugel, und entsprechend gehen hier die Löhne zurück. Auf der Südhalbkugel führt der Rückgang der Arbeitskräfte zu einem Anstieg der Grenzproduktivität und der Löhne.

Wanderungen des Kapitals führen zu ähnlichen Ergebnissen. Dort, wo das Kapital hinwandert, trägt es dazu bei, die Grenzproduktivität des Kapitals zu senken, und dort, von wo es abgezogen wird, steigt seine Grenzproduktivität - und die Kapitalwanderung dauert so lange an, bis die Grenzproduktivität des Kapitals überall auf der Welt gleich ist.

Die Konsequenz ist, (1) dass es dichtbesiedelte und weniger dicht besiedelte Regionen auf der Welt gibt; dass es Regionen gibt, die mit mehr Kapital ausgestattet sind als andere; (2) dass überall auf der Welt sich die Löhne für gleiche Arbeit einander angleichen; und (3) dass sich weltweit die Renditen auf das eingesetzte Kapital angleichen.

Wenn die Welt ein freier Markt ist, dann gibt es im wahrsten Sinne des Wortes fortwährend viel Bewegung: Arbeit und Kapital wandern nicht nur einmalig, sondern fortlaufend. Denn in einem freien Markt entstehen immer wieder neue Produktionstechniken und Konsumwünsche, und auch die Verfügbarkeit von Arbeitskraft und Kapital verändert sich im Zeitablauf. Erdteile, die bis dato nicht attraktiv zur Bewirtschaftung waren, können plötzlich attraktiv werden; und ebenso können Produktionsstandorte, die rentabel waren, mit einem Mal unprofitabel werden.

In der Realität ist die Mobilität von Arbeit und Kapital nicht frei, sondern beschränkt: durch Zuwanderungsgesetze, Arbeitsrecht, Zölle, Regulierung etc. Aber die Gesetzmäßigkeit der Wanderung von Arbeit und Kapital, wie ich sie soeben beschrieben habe, bleibt davon grundsätzlich unberührt.



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