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Angst und Inflation: Zeitlose Politikinstrumente diskreditierter Systeme

30.12.2021  |  Matt Piepenburg
Falls Sie sich wundern, warum Medien, Märkte und Mandate immer weniger Sinn ergeben, obschon eine Vielzahl harter Fakten deren Botschaften widerspricht, dann sollten Sie - mit Blick auf unseren "neuen Normalzustand" der Angst und Inflation - stärker auf das achten, was tatsächlich gemacht wird und nicht darauf, was politische Entscheidungsträger sagen.


Übersetzung der jüngsten "Fed-Sprech-Akte": Von "vorübergehender" zu "beständiger" Inflation

Sofern es überhaupt etwas Neues oder Aufregendes über den in die Ecke getriebenen Jerome Powell zu sagen gibt, dann wohl Folgendes: Beim seinem Treffen mit dem US-Kongress am 30. November durfte er es zumindest mal ein bisschen krachen lassen. So zum Beispiel mit seiner wahrlich topaktuellen Beobachtung und Befürchtung, dass die inflationären Kräfte nun doch "beständiger" seien und das Wort "vorübergehend" in diesem Kontext wohl ausgedient habe.

Nun, Jerome, das hätten wir dir schon vor langer, langer Zeit sagen können. Ein Schocker ist das natürlich nicht…


Mehr Taper-Talk (Ablenkung)

Vielleicht "aufregender" war da schon seine nicht ganz so subtile Ankündigung, dass die Fed schon beim nächsten Treffen darüber diskutieren möchte, inwieweit die geldpolitischen Straffungsmaßnahmen um einige Monate beschleunigt werden könnten.

Hmmm…

Eigentlich können die Tapering-Maßnahmen der Fed im Kern nur „nicht-straffend“ wirken, da im Hintergrund bei der Liquiditätszufuhr getrickst wird, mittels der ständigen Repo-Faszilität und den FIMA-Swaplines. Dennoch wird die anhaltende Straffungsthematik (auch wenn sie nur der "Optik" dient) negative Auswirkungen für alle Anlageklassen haben, mit Ausnahme des USD, des VIX-Handels, der US-Staatsanleihen (als sogenannter "sicherer Hafen") und möglicherweise Gold.


Bitcoin-Beschwerden

Klar, dass BTC nicht allzu gut darauf reagierte. Nach Powells Doppelsprechakt sackte der Kurs um 20% ab. Anschließend stieg er wieder, und zwar um 9% innerhalb von weniger als 24 Stunden (Stand Redaktionsschluss).

Solche drastischen Kursausschläge bestätigen erneut unsere Auffassung, dass Kryptoformate (aller "Konsoldierungs- und Anpassungsschwierigkeiten" zum Trotz) nie Wertaufbewahrungsmittel sein werden, sondern volatile (und ja, auch aufregende) Spekulationsanlagen. Wir wissen aber auch, dass die Krypto-Community [die wahrscheinlich auch die jüngsten Warnungen vor Quantum-Hacker-Risiken (vorgebracht von Jintao Ding) ignorieren wird] uns in diesem Punkt deutlichst widersprechen wird.

Glücklicherweise lässt sich Gold, z.B. per Quantum-Mausklick, nicht einfach wegklicken. Allerdings hatten wir schon anderer Stelle erörtert, warum die Bitcoin/Gold-Debatte im Grunde überhaupt keine ist.


Größere Beschwerden bei US-Staatsanleihen

Längerfristig besteht sehr wohl Grund zur Sorge um den 22 Bill.$ schweren US-Staatsanleihenmarkt, sollte die Federal Reserve ihre Stützungsmaßnahmen (von 80 Mrd. $ im Monat) für diesen Markt reduzieren - vor dem Hintergrund stetiger und inzwischen unstrittig "beständiger" Inflation. Angesichts reduzierter "Fed-Akkommodierung" ist der US Treasury-Markt, wie an anderer Stelle schon erwähnt, nicht ansatzweise so liquide, wie die Fed gerne glauben möchte.

Kurz: Sollten Aktien und Anleihen gemeinsam fallen, was als wahrscheinlich gelten kann, so ließe sich eine derartige Fehlfunktion in den ansonsten so gut manipulierten Märkten deutlich schwerer abfangen. Außer man würde sich schnell wieder verabschieden von der "vorsorglichen" Tapering-Strategie, die Powell angekündigt hat.

Selbst bestbewertete Unternehmensanleihen haben im anhaltenden Selloff in den letzten 60 Tagen 2% verloren; und das drückt die Renditen nach oben, weil es den Chefetagen immer schwerer fällt, an Liquidität kommen. Derzeit ist alles am stets gestützten (und folglich stets steigenden und manipulierten) Aktienmarkt himmelschreiender Ausdruck von rekordhoher Überbewertung - und zwar nach jedem erdenklichen Indikator.

Der Chart unten bestätigt, dass sich der S&P, alle historischen Rekorde brechend, in einer roten Zone des Überbewertungsrisikos bewegt und allein noch durch positiv wirkende Stützungsmaßnahmen der Fed (grüne Zone) am Leben gehalten wird - folglich durch Repression von Zinsen bzw. Schuldenkosten.

Erkennen Sie, wie wichtig der "akkommodierte" Anleihemarkt für die allgemeine Aktienmarktfarce ist? Erkennen Sie, wie Schulden - und wirklich nur Schulden - das gescheiterte System am Laufen halten?

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