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Interview mit Fernando del Pino - "Wir erleben die Mutter aller Blasen"

29.12.2021  |  Claudio Grass
Nun, da sich das Jahr 2021 dem Ende zuneigt, ist für uns alle ein guter Zeitpunkt, einen Moment innezuhalten, zurückzublicken und eine Bilanz des Jahres zu ziehen, das nun fast schon hinter uns liegt. Es ist insbesondere interessant, sich daran zu erinnern, welche Erwartungen wir zu Beginn des Jahres hatten, und zu sehen, inwieweit sie sich mit den tatsächlich eingetretenen Ereignissen decken.

Es scheint eine Ewigkeit her zu sein, doch tatsächlich war es erst im Januar dieses Jahres, als Politiker in den meisten Industrieländern Impfstoffe noch als die Antwort auf all unsere Probleme feierten. Diese würden uns dabei helfen, die Pandemie in nur wenigen Monaten endgültig zu überwinden, Beschränkungen überflüssig machen, und dafür sorgen, dass Lockdowns der Vergangenheit angehören.

Etwa zur gleichen Zeit wurde den Steuerzahlern, Unternehmern, Investoren und gewöhnlichen Sparern gesagt, dass ein großartiger wirtschaftlicher Aufschwung kurz bevor stehe. Was wir stattdessen bekamen, war eine weitere Runde kompletter Lockdowns in vielen Teilen Europas, neue Beschränkungen auf der ganzen Welt, "Gesundheitspässe" und eine tägliche Realität, die nicht im Entferntesten "normal" wirkt. Und was den versprochenen wirtschaftlichen Wohlstand angeht, so bekamen wir stattdessen explodierende Preise, eine Energiekrise und einen beispiellosen, weltweit lähmenden Zusammenbruch der Lieferketten.

Um die Diskrepanz zwischen dem, was versprochen wurde, und dem, was eingetreten ist, zu erörtern, und um zu diskutieren, was wir in den kommenden Monaten und Jahren in wirtschaftlicher, sozialer und politischer Hinsicht erwarten können, habe ich mich erneut an Fernando del Pino gewandt. Ich halte seine Einschätzungen seit langem für verlässlich und seine Analysen für durchweg scharfsinnig, was auch unser letztes Interview im vergangenen Sommer, welches sich als bemerkenswert vorausschauend erwies, eindeutig bestätigt.

Fernando del Pino Calvo-Sotelo ist Privatinvestor und ehemaliges Vorstandsmitglied von Ferrovial, das 1952 von seinem Vater, Rafael del Pino y Moreno, gegründet wurde. Neben seiner umfangreichen Erfahrung in der Privatwirtschaft und seinen Erkenntnissen als erfolgreicher Investor verfügt Fernando auch über ein tiefes Verständnis der Wirtschafts- und Währungsgeschichte. Er ist seit langem ein entschiedener Verfechter der individuellen Freiheit, der Eigenverantwortung und des unabhängigen und rationalen Denkens, was sich in seinen Schriften zur aktuellen Krise und zu anderen Themen deutlich widerspiegelt.


Claudio Grass: Bald jährt sich das berühmte Versprechen der politisch Verantwortlichen, es benötige lediglich "zwei Wochen, um die Kurve abzuflachen", und der Beginn der COVID-Krise zum zweiten Mal. Wenn Sie zurückblicken, was seitdem alles passiert ist und wie sich die Welt und unser Leben verändert haben, glauben Sie, dass es eine realistische Möglichkeit gibt, dass wir jemals wieder zu einem Leben zurückkehren werden, wie es vorher war?

Fernando del Pino: Es ist immer interessant, die Menschen an die gebrochenen Versprechen der Politiker zu erinnern, daher bin ich froh, dass Sie die fast vergessenen "zwei Wochen zur Abflachung der Kurve" ansprechen. Offensichtlich würde ich den Versprechungen von Politikern nicht gerade ein "AAA"-Rating zuordnen. Als ich über Ihre Frage nachdachte, kamen mir ein paar Beispiele in den Sinn: Nixon, der vor 51 Jahren US-Finanzminister Connally anwies, die Konvertierbarkeit des Dollars in Gold "vorübergehend" auszusetzen, oder die "vorübergehende" spanische Vermögenssteuer, die in den meisten Teilen Spaniens auch 44 Jahre später noch besteht.

Es ist wichtig, dass künftige Generationen schon in der Schule lernen, dass Regierungen drei Dinge tun: lügen, betrügen und stehlen. In den meisten Ländern werden die Kinder jedoch mit der Vorstellung von menschenfreundlichen Regierungen und blindem Vertrauen in die Beamten erzogen, mit den bekannten Folgen.

Es ist mir noch immer ein Rätsel, warum erwachsene, intelligente Menschen nicht alles, was die Machtjunkies sagen und tun, mit einer gesunden Portion Skepsis betrachten. Nach fast zwei Jahren der Täuschung, des irrationalen Denkens, der unwissenschaftlichen Politik, der korrupten Institutionen und des diktatorischen Missbrauchs drängt sich der Verdacht auf, dass sie nie eine Herdenimmunität erreichen wollten, sondern die Herde selbst, und das ist ihnen weitgehend auch gelungen. Das Prinzip des blinden Gehorsams den Autoritäten gegenüber wurde erfolgreich getestet.

Die gute Nachricht ist: Ja, ich denke, wir werden wieder zur Normalität zurückkehren, denn man kann nicht alle Menschen für immer täuschen, und die Menschen können einen solchen emotionalen Stress nicht ewig ertragen. Jedoch sollte dieses erfolgreiche globale totalitäre Experiment als das verstanden werden, was es wirklich ist: ein beunruhigender Präzedenzfall. Die zusammenarbeitenden Regierungen, Medien und Pharmaindustrie sind noch immer dabei, sich mit der Realität auseinanderzusetzen und einen Weg aus diesem riesigen Täuschungsmanöver zu finden.

Es ist offensichtlich schwierig, der Öffentlichkeit gegenüber zuzugeben, dass weder die Impfstoffe funktioniert haben wie versprochen, sowohl in Bezug auf Wirksamkeit als auch auf Sicherheit, noch die Lockdowns, und dass alle Opfer, zu denen sie gezwungen waren, weitgehend sinnlos waren - ein unnötiger Akt der Macht. Sie brauchen einen Sündenbock, während sie darüber nachdenken, wie sie einen Ausweg finden können. Für den Moment wurden die neuen "Terminator"-Varianten wie "Omicron" (wie vorhergesagt, gehen uns die griechischen Buchstaben aus) und die Ungeimpften zu perfekten Sündenböcken gemacht. Doch die bittere Wahrheit wird sich schließlich und unweigerlich durchsetzen.


Claudio Grass: Ein weiteres Versprechen, das wir immer wieder gehört haben, war das einer baldigen, "rasanten" wirtschaftlichen Erholung. Politiker und Zentralbanker verweisen oft auf den Aktienmarkt und die Unternehmensgewinne, um die Öffentlichkeit davon zu überzeugen, dass dieses Versprechen eingehalten wurde. Glauben Sie, dass diese Kennzahlen den Zustand der Wirtschaft korrekt abbilden?

Fernando del Pino: Der in Paris ansässige Investor ungarischer Herkunft André Kostolany verglich die Beziehung zwischen Börse und Wirtschaft einmal mit einem Hund ohne Leine und seinem Besitzer, die zusammen um den Block spazieren. Am Ende kommen beide am selben Ort an, aber der Hund hat eine viel größere Strecke zurückgelegt, er rennt vor seinem Besitzer her, um etwas zu erschnüffeln, kommt zurück, bleibt einen Moment sitzen, um mit der Labradorhündin des Nachbarn zu flirten, und holt dann wieder auf... Der Aktienmarkt ist wie der Hund, er bewegt sich kurzfristig willkürlich und ungestüm, längerfristig ist er vernünftiger. Längerfristig kann allerdings sehr lange dauern!

Derzeit erleben wir die Mutter aller Blasen – oder vielleicht die Tante oder die Oma, denn wir haben so viele Blasen durchlaufen, seit die Zentralbanken beschlossen haben, an der Wirtschaft herumzupfuschen, dass es schwierig ist, sie einzustufen. Eines ist jedoch sicher: Wenn es nicht "dieses Mal anders" ist (und das ist es nie), stehen uns finanzielle Leiden bevor. Nein, der Börsenwahnsinn ist nicht Ausdruck einer "florierenden" Wirtschaft. Ich bin der Ansicht, dass die westlichen Volkswirtschaften seit Jahrzehnten in einer Art "Off-the-Radar"-Manier dahinvegetieren und mit immer mehr Mitteln künstlich am Leben gehalten werden.

Die Fundamentaldaten wurden geschwächt. Erstens ist Produktivität keine Selbstverständlichkeit, und ihre Steigerungen erfolgen in Sprüngen, nicht linear, und große Produktivitätssteigerungen waren kaum zu verzeichnen. Zweitens ist der Treibstoff des Wirtschaftswachstums die Freiheit und die Rechtsstaatlichkeit, und beide wurden uns langsam und Stück für Stück genommen, parallel zum metastatischen Wachstum der Leviathan-Staaten in Europa (und in geringerem Maße auch in den USA) und der Schaffung perverser Anreizsysteme.



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