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Gold - Geplante Zinsanhebung ein Nachteil?

19.01.2022
Die Inflation zieht immer weiter an und scheint länger zu bleiben als den meisten Notenbankern lieb ist. Die Teuerungsrate hat in den USA die 7-Prozent-Marke erreicht, welche den Höchststand seit 1982 markiert. Die Notenbanken, allen voran die amerikanische FED, sitzen ergo in der Zwickmühle. Laut Lehrbuch müssten sie die Zinsen anheben. Dies wurde jüngst bereits von FED Chef Powell angekündigt. Im Jahr 2022 sollen drei, eventuell sogar vier Zinsanhebungen durchgeführt werden. Höhere US-Zinsen kommen dem US-Dollar zugute und machen das zinslose Gold unattraktiver - sollte man zumindest annehmen. Doch sind Zinsanhebungen wirklich negativ für den Goldpreis?


Gold bleibt 2021 hinter den Erwartungen zurück

Das Jahr 2021 war für Edelmetalle ähnlich ernüchternd wie das frühe Aus der deutschen Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft. Mit großen Ambitionen gestartet, um dann zu enttäuschen. Besonders überraschend war die deutliche Underperformance von Gold und Silber im Vergleich zu anderen Rohstoffen wie Öl, Kupfer oder Zink.

Dabei bieten die makroökonomischen Faktoren derzeit ein ideales Spielfeld für Gold und Silber. Negative Realzinsen, eine über den Erwartungen liegende Inflation sowie die rasche Ausweitung der US-Geldmenge und -Schulden haben die Edelmetallpreise in der Vergangenheit in die Höhe getrieben, doch Gold und Goldaktien verbrachten einen Großteil des Jahres im Abseits.

Die schwache Performance von Gold im Jahr 2021 hat mehrere Gründe. Zum einen sind die klassischen Aktienmärkte gut gelaufen. Somit sahen Investoren wenig Notwendigkeit den sicheren Hafen Gold anzusteuern. Zum anderen darf nicht vergessen werden, dass die Edelmetalle mächtige Gegenspieler in Form der Notenbanken und der klassischen Banken haben, welche kein Interesse an einem stark steigenden Goldpreis haben, da dies Angst und Unsicherheit signalisieren würde.

Ebenfalls sollte man nicht außer Acht lassen, dass Gold die ansteigende Inflation bereits im Jahr 2020 antizipiert hat und in den letzten Jahren gut gelaufen ist, wie folgende Daten zeigen. So kann dem Edelmetall auch mal ein schwächeres Jahr zugestanden werden

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Quelle: VWD


Wie verhält sich Gold bei Zinsanhebungen?

Steigende Zinsen sind nicht unbedingt schlecht für Gold wie die Vergangenheit zeigt. Die Notenbanken stehen massiv unter Druck. Laut Lehrbuch müssten die Notenbanken bei einer steigenden Inflation auch die Zinsen anheben. Sie stecken aber in einer Zwickmühle, da das Finanzsystem massiv verschuldet ist. Steigende Zinsen bedeuten höhere Raten, was das Schuldenkartenhaus zum Einsturz bringen kann.

Bei der letzten Zinssitzung des Jahres 2021 kündigte FED Chef Powell bis Ende 2023 sechs Zinsanhebungen an. Im Januar 2022 hat Powell dieses Vorhaben nochmals bekräftigt, Wir gehen jedoch davon aus, dass im Jahr 2022 maximal ein bis zwei Zinsanhebungen durchgeführt werden können, bevor der Aktienmarkt abgegrätscht wird.

Anleger könnten davon ausgehen, dass Zinsanstiege negativ für den Goldpreis sind, da die Realzinsen steigen und Anleger auf der Zinsseite wieder höhere Erträge erzielen können. Dies ist aber nicht so, wie die Vergangenheit zeigt.

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Quelle: World Gold Charts


2003 und 2015 hat die FED die Zinsen über einen längeren Zeitraum kontinuierlich angehoben. Der Goldpreis konnte in diesen Phasen deutlich zulegen. Ich erinnere mich noch an das monatelange Gerede rund um eine Zinserhöhung in den Jahren 2014 und 2015. Diese Unsicherheit hat den Goldpreis lange Zeit fallen lassen, bis die FED dann endlich den Mut hatte, die Zinsen anzuheben. Das war dann das Mehrjahrestief für Gold im Dezember 2015.

Beim physischen Gold in Form von Barren und Münzen erkennt man somit den inneren Wert des Goldes. Der Absatz von Barren und Münzen in Deutschland boomt indes gewaltig. Laut Angaben des World Gold Council kauften die Deutschen im ersten Halbjahr 2021 90,5 Tonnen Gold in Form von Barren und Münzen. So viel physisches Gold wurde in Deutschland in einem Halbjahr seit 2009 nicht verkauft.


Gold ist Geld - alles andere ist Kredit

Wir sind aber davon überzeugt, dass sich das Ungleichgewicht zwischen der immensen Geldmenge in Kombination mit einer hohen Inflation und negativen Realzinsen auf der einen Seite und dem aktuell zu niedrigen Goldpreis auf der anderen Seite ausgleichen wird. Unter den aktuellen Rahmenbedingungen sehen wir mittelfristig einen fairen Goldpreis bei 2.400 US-Dollar pro Unze.

2021 mag für den Goldsektor ein Jahr der Konsolidierung gewesen sein, aber wie wir in früheren Zyklen gesehen haben, können sich Stimmung und Dynamik schnell ändern. Die Haupttreiber für Gold bleiben bestehen. Der berühmte Banker J.P. Morgan sagte im Jahr 1912 in einer Anhörung vor dem US-Kongress bereits: "Gold is money, everything else is credit".


© Manuel Peiffer
www.gvs-fs.de


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