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Zentralbanken häufen Rekordmengen Gold an

22.01.2022  |  Claudio Grass
Laut kürzlich vom World Gold Council (WGC) veröffentlichten Daten überstieg die Gesamtmenge des von Zentralbanken weltweit gehaltenen Goldes per September 2021 zum ersten Mal seit 1990 die 36.000 Tonnen. Dieser 31-Jahres-Rekord wurde erzielt, da die Zentralbanken weltweit ihre Bestände in den letzten zehn Jahren um mehr als 4.500 Tonnen des Edelmetalls aufgestockt haben, und er liefert reichlich Argumente für das Investieren in Gold, sowohl im Hinblick auf die direkte Wertentwicklung als auch auf das Gesamtbild.

Über diesen neuen Rekord wurde in den Mainstream-Finanzmedien kaum berichtet, und in den offiziellen Erklärungen der Zentralbanken und deren Richtlinien oder politischen Kommentaren blieb er fast vollkommen unerwähnt. Im Gegenteil, die politischen Entscheidungsträger der USA, der Eurozone und der meisten anderen großen Volkswirtschaften wiederholen nun seit über zwei Jahren genau dieselben Punkte und Überzeugungen, die die Argumente für den Goldbesitz entkräften.

So wurde die Inflation bis vor kurzem weitgehend und entschieden als "vorübergehend" abgetan, wobei Führungskräfte der Fed und der EZB den Anlegern und der breiten Öffentlichkeit immer wieder versicherten, dass die Verbraucherpreise unter Kontrolle seien und die ersten Anstiege, die sich im letzten Jahr in den offiziellen Daten zeigten, nichts weiter als ein kleiner Defekt waren.

Als der Druck immer mehr zunahm und klar wurde, dass die VPI-Zahlen (die ohnehin ein sehr schlecht konstruierter und irreführender Maßstab für die Inflation sind) nicht mit der von den Zentralbankern öffentlich vertretenen Version der Realität übereinstimmten, waren sie natürlich dazu gezwungen, eine Kehrtwende zu machen, zumindest theoretisch, wenn auch nicht in der Praxis. Das wichtigste Element ist in diesem Zusammenhang jedoch, dass es keinen denkbaren Grund für eine Erhöhung der Goldbestände gäbe, wenn die öffentlichen Erklärungen der Zentralbanker tatsächlich mit ihrer Politik und ihren strategischen Prognosen übereinstimmen würden.

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Natürlich ist dies bei Weitem nicht das erste Mal, dass wir diese Art von Dissonanz zwischen den Worten und Taten von Beamten und institutionellen Figuren aller Art erleben, nicht nur Zentralbankern. Aus diesem Grund müssen die Investoren auf die praktischen Schritte achten, die tatsächlich unternommen werden, und die Rhetorik, die diese Schritte umgibt oder oft sogar verschleiert, größtenteils ignorieren. Wie es so schön heißt: "Tu, was ich tue, nicht was ich sage."

Und während die meisten konservativen Anleger zuerst die Inflationsrisiken im Blick haben, gibt es auch eine weitaus größere, langfristige Veränderung, die durch den Goldkaufrausch deutlich wird: Die Herrschaft des Dollar als Weltreservewährung neigt sich langsam aber sich dem Ende zu. Der Wert des Dollar hat in den letzten zehn Jahren gegenüber Gold einen bemerkenswerten Rückgang verzeichnet, und nicht nur Edelmetallinvestoren beobachten diesen Trend genau. Bestärkt durch handfeste geopolitische Gründe drängen die Zentralbanker in Russland, China und anderen verbündeten Nationen schon seit Jahren darauf, den USD zu entthronen.

Es war sicherlich ein harter Kampf, und die US-Währung dominiert zweifelsohne immer noch alle anderen im internationalen Handel und bei den Währungsreserven, doch dieser Feldzug gegen den USD scheint unerbittlich zu sein. Tatsächlich könnte vor einigen Wochen ein wichtiger Meilenstein erreicht worden sein: Laut einem Bericht der russischen Zentralbank, der von Bloomberg analysiert wurde, haben die Goldbestände der russischen Zentralbank im vergangenen Jahr zum ersten Mal in ihrer Geschichte die Dollarreserven übertroffen, wobei der Anteil des Goldes an den Gesamtreserven Ende Juni bei 23% lag und die Dollarreserven auf 22% zurückgingen.

Zeitgleich haben auch viele weitere Länder ihre Goldkäufe beschleunigt und ihre Dollarreserven abgebaut, und das gilt insbesondere für osteuropäische und asiatische Schwellenländer. Allein in den ersten neun Monaten des Jahres 2021 kaufte Thailand etwa 90 Tonnen, Indien 70 Tonnen und Brasilien 60 Tonnen. In einer aktuellen Analyse von Nikkei Asia heißt es: "Die Präsenz des Dollar in den Devisenreserven geht zurück, im Gegensatz zum Zuwachs bei Gold. Im Jahr 2020 ist der Anteil des Dollar an den Währungsreserven auf den niedrigsten Stand seit einem Vierteljahrhundert gefallen."

Alles in allem ist es für Anleger wichtig, diesen Wandeln genau zu beobachten. Wie auch die Zentralbanker offensichtlich selbst wissen, wird physisches Gold bei weiterer und sogar beschleunigter Abwertung der Fiatwährungen in den kommenden Monaten und Jahren der einzige zuverlässige und erprobte Schutz vor dem bevorstehenden Sturm sein.


© Claudio Grass
www.claudiograss.ch


Dieser Artikel wurde am 20.01.2022 auf www.goldandliberty.com veröffentlicht und exklusiv für GoldSeiten übersetzt.


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