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Russlands "Goldkopplung": Lektionen für westliche Anleger

18.04.2022  |  Claudio Grass
Es ist unbestreitbar, dass die anhaltende Krise in der Ukraine die westlichen Gesellschaften in einem Ausmaß polarisiert hat, wie man es seit Jahrzehnten in keinem anderen ausländischen Konflikt beobachten konnte. Seit mehr als einem Monat werden wir unaufhaltsam von allen Mainstream-Medienquellen mit Berichten und Geschichten über die russische Invasion bombardiert und dieser Konflikt hat bereits tiefgreifende, gesellschaftliche Klüfte in vielen Nationen erschaffen, insbesondere in den EU-Mitgliedsstaaten.

Egal wie man dieser Thematik gegenüber steht und egal wie leidenschaftlich man in dieser Sache ist, so sind wir uns wohl alle einig, wenn ich sage, dass die westlichen Medien alles andere als unvoreingenommen bei der Berichterstattung relevanter Entwicklungen von der Front waren. Natürlich gilt das auch für die russischen Staatsmedien, wie nicht anders zu erwarten, vor allem im Kontext eines anhaltenden Konflikts.

Diese deutliche "Kluft" zwischen den zwei Versionen der Wirklichkeit, die von den gegnerischen Seiten präsentiert und propagiert werden, schafft in den Köpfen der meisten Bürger und Wähler ein stark verzerrtes und verdrehtes Verständnis der Ereignisse. Und das ist an sich schon extrem gefährlich und kann sehr schnell die Hoffnungen auf eine schnelle und friedliche Lösung trüben. Es ist jedoch auch für Anleger gefährlich, vor allem für diejenigen von uns, die die Wichtigkeit geopolitischer Dynamiken und Veränderungen verstehen.

Es gibt essentielle Informationen und folgenschwere Entwicklungen, über die die meisten westlichen Anleger und gewöhnlichen Sparer nicht vollständig und akkurat benachrichtigt werden.

Eine solche Geschichte, die ich für sehr interessant halte und über die schockierend wenig berichtet wurde, war die Bekanntmachung der russischen Zentralbank am 25. März, bis zum 30. Juni Gold zu einem festen Preis von 5.000 Rubel je Gramm zu erwerben. Vor dieser Bekanntgabe war der russische Rubel aufgrund der Sorgen um die heftigen von den NATO-Verbündeten verhängten Sanktionen auf Rekordtiefs gegenüber dem US-Dollar gefallen.

Doch mit der Entscheidung, die Währung an Gold zu koppeln, erlebte der Rubel eine erstaunliche Erholung und kehrte schnell auf Niveaus von vor der Invasion zurück. Bald darauf, am 8. April, kündigte die russische Zentralbank an, dass man den vorherigen Plan, Gold zu einem festen Preis von lokalen Banken zu erwerben, einstampfen würde und es stattdessen weiterhin zu einem "verhandelten Preis" kaufen würde. Als Grund wurde eine "deutliche Veränderung der Marktbedingungen" genannt.

Wenn wir nun politische Einstellungen, Ansichten und Zugehörigkeiten einen Moment beiseite lassen und diese Geschichte objektiv betrachten, dann findet sich eine Menge wichtiger Hinweise, die wir aus dem Ganzen herausfiltern können. Zum einen zeigt die anfängliche Ankündigung, den Rubel im Prinzip an Gold zu koppeln, in Reaktion auf den freien Fall, den die Währung als Ergebnis der Sanktionen erlitt, klar, dass jeder, selbst Zentralbanker, das Vertrauen, das der Markt in das gelbe Edelmetall setzt, noch immer sehr genau verstehen.

Der Plan funktionierte offensichtlich, wie erwartet, und der Schub, den die Währung erfuhr, bestätigte einmal mehr, was langjährige Goldanleger schon immer wussten. Angesicht der Tatsache, dass Fiatgeld durch nichts gedeckt wird als durch das Vertrauen in die Regierung, zerfällt auch der wahrgenommene Wert der Papierscheine, die sie druckt, wenn das Vertrauen in die Regierung bröckelt. Steht man einer derartigen Krise gegenüber, die sich als existentiell erweisen kann und dies in der Vergangenheit auch getan hat, so wendet sich der Staat, jeder Staat - wie jeder andere Anleger auch - schnell demselben sicheren Hafen und dem ihm innewohnenden Vertrauen zu.

Des weiteren spricht die zweite Ankündigung der russischen Zentralbank, ihre anfängliche Entscheidung rückgängig zu machen, ebenfalls Bände für Anleger, die sowohl die geldpolitische Geschichte als auch die Dynamik des aktuellen Systems verstehen. Auch wenn Russland einer der weltweit größten Goldproduzenten ist, so kann sich in diesem System kein Staat erlauben, oder würde es politisch riskieren, seiner Zentralbank "die Hände zu binden."

Eine beliebige Fiatwährung an Gold zu koppeln, würde all den hemmungslosen Gelddruckoperationen und der populistischen Fiskalpolitik, an die wir uns gewöhnt haben, sofort ein Ende bereiten. Vor allem in Zeiten eines tatsächlichen Konflikts wäre dies politisch äußerst gefährlich, nicht nur für die russische Regierung, sondern praktisch für jedes andere politische Establishment auf diesem Planeten.

Für Edelmetallanleger dient diese ganze Angelegenheit klar als eine weitere Bestätigung für die essentielle Rolle, die Gold insbesondere in Krisenzeiten spielt. Und vor allem für westliche Bürger, denen ihre Zentralbanker und Politiker seit Jahrzehnten erzählen, Gold sei ein nutzloser Stein und ein "barbarisches Relikt", ist die Lektion hier von besonderer Bedeutung: "Tun Sie das, was sie tun, nicht was sie sagen."


© Claudio Grass
www.claudiograss.ch


Dieser Artikel wurde am 12.04.2022 auf claudiograss.ch veröffentlicht und exklusiv für GoldSeiten übersetzt.


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