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Der Westen - im Teufelskreis der Selbstzerstörung

10.05.2022  |  Egon von Greyerz
"Das erste Allheilmittel schlecht verwalteter Nationen ist Währungsinflation. Das zweite ist Krieg. Beide bringen vorläufig Wohlstand; beide bringen dauerhaft Ruin. Aber beide sind Zufluchtsort für politische wie ökonomische Opportunisten." - Ernest Hemingway

Der Westen steht am äußersten Rand der Klippe, von wo aus sich nur noch sehr unappetitliche Entwicklungen abzeichnen. Im besten Fall steht die Welt vor einer hyperinflationären Depression, auf die eine deflationäre Depression folgt. Doch leider steht heute deutlich mehr auf dem Spiel, da der Westen in Fragen der russischen Invasion der Ukraine frenetisch den Klang der Kriegstrommel anheizt.


Der Westen wünscht keinen Frieden

Während die Weltwirtschaft den Punkt ihres Zusammenbruchs erreicht, bekommen die einzelnen Länder jene Führer, die sie verdienen. Heutzutage gibt es im Westen keinen Führer oder Staatsmann mehr, der mit Putin auf Augenhöhe über Frieden verhandeln könnte. Biden hat traurigerweise weder die Vitalität noch die Fähigkeiten, um eine entscheidende Rolle bei der Lösung des Konflikts zu spielen. Zudem wird er von den Neocons zum Angriff und zur Niederschlagung Russlands gedrängt.

Zudem sind Bidens öffentliche Äußerungen zu Putin - mit Worten wie Kriegsverbrecher und Genozid - dem Frieden wenig förderlich. Biden darf nicht vergessen, dass allein im Vietnamkrieg geschätzt eine Million Soldaten und zwei Millionen Zivilisten auf der Seite Nordvietnams und der Vietcong ihre Leben verloren. Unprovozierte Kriege sind natürlich immer sinnlos, ganz gleich wer sie beginnt.

Technisch betrachtet, haben die USA keinen Krieg gegen Russland begonnen. Russland wird natürlich argumentieren, dass die von den USA unterstützte Maidan-Revolution von 2014, mit der Vertreibung des gewählten Präsidenten Janukowitsch, eine direkte Bedrohung Russlands gewesen ist. Die unten folgenden Karten zum NATO-Gebiet von 1988 bis möglicherweise heute, sollten Finnland und Schweden Mitglieder werden, zeigt deutlich eine sehr unangenehme Situation für Russland.

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Präsident Selenskyj tut alles in seiner Macht Stehende, um den Rest der Welt militärisch in den Konflikt zu involvieren; so fordert er Geld und mehr Waffen vom Westen, anstatt sich für Friedensverhandlungen stark zu machen. Natürlich kann die Ukraine für sich niemals einen Krieg gegen Russland gewinnen. Wenn die USA und die NATO ins Boot gezogen werden, so kann das nur zu unberechenbaren Folgen sowie zu einem potentiellen 3.Weltkrieg führen, der dann ein nuklearer sein könnte.

Und im Westen unternimmt keine einzige Führung einen ernsthaften Vorstoß in Richtung Frieden. Von Biden über Johnson bis hin zu Macron und Scholz hören wir nur von neuen Waffenlieferungen und mehr Geld für die Ukraine. Das ist fürchterlich tragisch und Zeichen einer vollständig inkompetenten Führerschaft im Westen.

Trump hatte viele Schwächen, er hätte allerdings nicht gezögert, Friedensgespräche mit Putin auf den Weg zu bringen.


Schwache Führungen in Europa

Die USA und der Westen haben also nicht die Kraft oder den Wunsch, Frieden zu erreichen. Und Boris Johnson kam der Krieg ganz gelegen, um vom innenpolitischen Druck im Rahmen seiner "Partygate"-Affaire ablenken zu können. Deswegen hat er eine aggressive Position gegenüber Russland gewählt und nicht die Suche nach einer friedlichen Lösung.

Macron ist ein Opportunist, der den Spagat zwischen beiden Lagern macht; er gibt sich kumpelhaft mit Putin und verurteilt ihn gleichzeitig.

Und Scholz, der deutsche Kanzler, steckt in einer unmöglichen Lage, welche durch Merkels schlechte Politik in Fragen der deutschen Energieversorgung verursacht wurde. Die drei verbleibenden Atomkraftwerke Deutschlands werden abgeschaltet und fossile Brennstoffe sind politisch inakzeptabel. Fast 60% der deutschen Gasimporte stammen aus Russland. Die deutsche Industrie könnte ohne russisches Gas nicht überleben. Scholz strebt also die Quadratur des Kreises an: einerseits Sanktionen gegen Russland, während das Land Milliarden Euro ausgibt für Energielieferungen und andere Rohstoffimporte (auch Nahrungsmittel) aus Russland.

Deutschland steckt also, mit seiner kompletten ökonomischen Abhängigkeit vom Kriegsfeind, in einer ziemlich prekären Situation. Andererseits ist das wieder gut für die Welt, da Scholz selbst Interesse am Frieden hat. Man darf nicht vergessen, dass nur eine Minderheit von Staaten die Maßnahmen der USA und Europas tatsächlich unterstützen. Afrika, Südamerika und die größten Teile Asiens ergreifen keine Partei und treiben weiter Handel mit Russland; und diese Regionen vereinen 85% der Weltbevölkerung auf sich.

Also: Die überwiegende Mehrheit der Welt strebt keinen Krieg gegen Russland an, doch ihre Stimmen finden kaum Gehör in den westlich dominierten Medien. Da die Führungen im Westen nicht von ihrer Kriegstreiberei ablassen, muss man sich wieder Winston Churchills Worte vergegenwärtigen:

"Glaube niemals, niemals, niemals, dass ein Krieg glatt und einfach verlaufen wird, oder dass jemand, der sich auf diese befremdliche Reise begibt, die Gezeiten und Hurrikane ermessen kann, denen er begegnen wird. Der Staatsmann, der dem Kriegsfieber nachgibt, muss erkennen, dass er, sobald das Signal gegeben ist, nicht mehr der Herr der Politik ist, sondern der Sklave unvorhersehbarer und unkontrollierbarer Ereignisse." - Winston Churchill

Die Herren Biden, Johnson, Scholz und Macron sollten also Notiz davon nehmen, dass sie in Kürze, und in den Worten Churchills, zu "Sklave[n] unvorhersehbarer und unkontrollierbarer Ereignisse" werden könnten.

Russland ist ganz klar entschlossen, das zurückzuholen, was sie aus historischer Sicht als zu ihnen gehörig betrachten, und das ist die Donbas-Region im Osten und die Südukraine, einschließlich Odessa, über die sie vollständigen Zugang zum Schwarzen Meer haben. Vollständig von NATO-Staaten umgeben zu sein, besonders dann, wenn Finnland und Schweden eintreten, ist natürlich eine weitere „Irritation“ für Russland; doch da diese Länder nie Teil des russischen Reiches waren, sind sie von geringerer Bedeutung.



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