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Der Westen - im Teufelskreis der Selbstzerstörung

10.05.2022  |  Egon von Greyerz
- Seite 2 -
Ende einer geldpolitischen Ära & eine neue zeichnet sich ab

Politik und Geld sind untrennbar miteinander verbunden, und die derzeit entstandene geopolitische Situation wird als idealer Impulsgeber funktionieren, mit dem eine geldpolitische Ära, die seit der Gründung der Fed 1913 besteht, zu Ende gebracht wird. Man darf dabei nicht vergessen, dass hier ein in erster Linie durch den Westen (Japan eingeschlossen) kontrolliertes Geldsystem zu Ende gehen wird.

Dieser finale und verzweifelte Versuch der USA und der EU zur Rettung des eigenen kaputten Systems durch Sanktionen im Welthandel wird letztendlich scheitern, da die westlichen Wirtschaften schrittweise im Umfeld ökonomischer wie sozialer Einbrüche verfallen werden. Dieser Einbruch lässt sich auf einen düsteren Mix aus Währungseinbrüchen, Defiziten, Verschuldung und historisch nie gekannten Vermögenswertblasen zurückführen.

Der aufsteigende Phönix wird jedenfalls der Osten sein, allen voran China, mit Russland als wichtigen Partner. China ist, mit Blick auf die Weltbevölkerung, das größte Land der Welt und wird bald auch das größte Land mit Blick auf die nationale Wirtschaftsleistung sein. Dank vollständiger US-Unterstützung in Form von Know-How und Technologie hat sich China zu einem strategischen und fortschrittlichen Produktionsstandort entwickelt, der in vielen Sektoren schon dominiert.

Als Beispiel: 18% aller US-Importe stammen aus China, darunter 35% aller Computer und Elektrogeräte. 40 % aller Top-Marken auf Amazon und 75% aller neuen Verkäufer kommen aus China.

Die USA und die restliche Welt kritisieren Deutschland für dessen Abhängigkeit von russischer Energie, doch der wahnsinnige Umstand, dass die USA Großteile ihrer Produktion nach China ausgelagerten, ist mit Sicherheit Anwärter für ersten Preis in der Kategorie "kommerzielle und strategische Idiotie". Da Gold das ultimative Geld ist und auch das einzige Geld, das im Verlauf der Geschichte überlebt hat, wird es in den kommenden Jahren beim Zusammenbruch des Fiat-Währungssystems eine sehr wichtige Rolle spielen.


Der westliche Teufelskreis der Selbstzerstörung

Weltreiche erleben in der Regel einen langwierigen und qualvollen Niedergang. Der Fall der USA und des Westens begann vor einem halben Jahrhundert und dauert nun schon länger an. Vom Scheinwohlstand profitierte jedoch nur eine kleine Elite, die Massen begrub er unter erdrückenden Schulden. 1971 waren die USA mit 1,7 Billionen $ verschuldet; 50 Jahre waren es 90 Billionen - lediglich 53-mal so viel.

Je näher der finale Schulden- und Währungskollaps rückt, desto stärker - und zwar exponentiell - wächst auch die Verzweiflung. Folglich wird die Geldmengenproduktion steigen müssen, und auch Kriege müssen initiiert werden, um jene Schuldenexplosion rechtfertigen zu können. All das geschieht in einer Art Teufelskreis der Selbstzerstörung. In mehr als einem halben Jahrhundert haben die USA ihre Währung zerstört und in zahlreichen Ländern unprovozierte Militäraktionen durchgeführt - von denen praktisch jede erfolglos war.

Ja, die USA haben vorübergehend im Scheinwohlstand gelebt. Doch das gelang nur mithilfe von Defiziten, Schulden und Scheingeldproduktion. Die massiven Kosten des gescheiterten Vietnamkriegs führten dazu, dass Nixon 1971 das Goldfenster schloss. Und Nixon sagte damals: "[D]ie Stärke der Währung hängt grundlegend von der Stärke der Wirtschaft ab."!

Hmmm, ein halbes Jahrhundert später hat die US-Währung effektiv (GOLD) 98% ihres Wertes verloren und die Staatsverschuldung wuchs um das 75-fache an - von 400 Milliarden auf 30 Billionen $. Es brauchte 22 Jahre (1971-1993), bis die Verschuldung auf 15 Billionen angewachsen war. Allein in den letzten 2 Jahren ist die gegenwärtige Verschuldung um genau diese Betrag angestiegen - um 15 Billionen $.

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Es ist schon verrückt, wie schnell "politische wie ökonomische Opportunisten" (Zitat Hemmingway) sowohl Wirtschaft als auch Währung zerstören können. Und so sieht es jetzt aus: Der US-Dollar ist eine vollkommen gescheiterte Währung und Spiegel des bankrotten Zustands der US-Wirtschaft. Wie ich häufig schon erwähnt habe, ist die Staatsverschuldung der USA seit 1930 jedes Jahr gestiegen, mit Ausnahme von vier Einzeljahren.

Da die meisten Währungen seit dem 2. Weltkrieg an den Dollar gekoppelt sind, entweder durch Bretton Woods oder den Petrodollar, wurden sie alle zusammen mit den Dollar in den Sumpf gezogen.

Da mein Arbeitsleben ein paar Jahre vor jenem ominösen Datum des 15. August 1971 (Schließung des Goldfensters) begann, hatte ich eine hervorragende Position, um den Zusammenbruch eines Währungssystems aber auch das traurige wie unvermeidliche Aufkommen von Krieg beobachten zu können. Aus intellektueller Sicht ist es eine faszinierende Erfahrung inkompetente und verzweifelte und getriebene Staatsführungen beobachten zu können, die bei der Verwaltung ihrer Wirtschaft und Währung auf ganze Linie versagt haben.

Doch selbst ohne einen neuen Weltkrieg werden die Folgen eines Zusammenbruchs des Westens verheerende und sehr langwierige Konsequenzen für die Menschheit haben.



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