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Aufschwung oder Bärenmarktrallyes? - Stand der Berichtssaison

20.05.2022  |  Christian Buntrock
Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1,0573 (06:30 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1,0465 im US-Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 127,69. In der Folge notiert EUR-JPY bei 135,01. EUR-CHF oszilliert bei 1,02638.

Bullen und Bären spielten an den Aktienmärkten in den letzten Wochen Ping Pong. Auf fallende Kurse folgten oft rasche Aufwärtsbewegungen, die aber wieder abverkauft wurden. Die Volatilität verbleibt dabei seit Februar auf einem deutlich erhöhten Niveau. Dieses Marktverhalten ist oft typisch für Bärenmärkte, in denen immer wieder auf eine entscheidende Aufwärtsbewegung gewartet, gehofft und gesetzt wird.

Der Angst, den nächsten Aufschwung zu verpassen, steht der Furcht vor weiteren Verlusten gegenüber.

Völlig irrational sind diese Hoffnungen nicht. Wer nicht in dem Moment investiert ist, in dem ernst gemeinte Deeskalationsbemühungen publik werden, verpasst den ersten Teil einer gewinnbringenden Aufwärtsbewegung. Es stellt sich nur die Frage nach der Wahrscheinlichkeit eines solchen Ereignisses und dem Gesamtbild von Konjunktur und Märkten. Schauen wir also auf die Gesamtlage:

Seitens der Notenbanken bleibt die Unterstützung gering. Die Märkte antizipieren zu Recht weitere Zinssteigerungen. Ob die Fed mit Leitzinserhöhungen auf 3% auskommt, um die Inflation zu bekämpfen, darf getrost bezweifelt werden. Die EZB macht sich erst in diesem Sommer auf den Weg, den Preissteigerungen Einhalt zu gebieten. Erst wenn der durch die Inflation verursachte Schaden zu offensichtlich ist, wird es - der Entscheidungsstruktur des EZB-Gremiums geschuldet - zu deutlichen Reaktionen kommen.

Für beide Seiten des Atlantiks gilt damit aber auch: die Angst, dass die Zentralbanken noch härtere Maßnahmen ergreifen müssen, bleibt bestehen. Jerome Powell war auf der letzten Pressekonferenz erfrischend deutlich: im Zweifel werde die Fed eine Rezession in Kauf nehmen.

Auch an der Konjunkturfront bleiben dunkle Wolken. So sind die Auswirkungen des Sanktionsregimes gegen Russland in ihrer Gänze noch nicht spürbar. Während insbesondere in Europa frohlockt wird, wie deutlich das russische Konjunkturschiff in den nächsten Monaten noch Schlagseite bekommen wird, nimmt man den steigenden Wasserpegel im eigenen Maschinenraum nicht wahr. Dass die USA z.B. versuchen, Europa von der aktuellen Form der Öl-Sanktionen abzubringen, hin zu einem Zollregime auf Ölimporte, spricht Bände. Die USA verstehen Anreizsysteme und wissen Wirtschaftskriege zu führen. Experten sollte man zuhören. Aus Eigeninteresse.

Die Rechnung, die auf den heimischen Verbraucher zukommt, lässt sich an den jüngsten Konjunkturerwartungen des AHK Word Business Outlook ablesen. Laut diesem ist die Eurozone die Region mit dem deutlichsten Einbruch der Erwartungen, von dem direkt betroffenem Osteuropa abgesehen. Rechneten im Herbst 2021 nur 15% der Unternehmen mit einer sich verschlechternden Konjunktur, sind es in diesem Frühjahr 41%. Investitions- und Beschäftigungsabsichten sind in der Eurozone stark rückläufig.

Der Ukrainekonflikt wird seitens Europas hart, aber nicht smart geführt. Russland wird erheblich härter durch unsere Exportsanktionen als durch unsere Importsanktionen getroffen. Zollregime und die Kunst der Geduld, bis die Maßnahmen in Gänze wirken, wären cleverer. Vergleichen wir mit den USA: hier rechneten im Herbst 2021 14% der Unternehmen mit einer sich verschlechternden Konjunktur, in diesem Frühjahr 22%.

Die Weltwirtschaft wird Zeit benötigen, um die Lieferketten neu auszurichten, Europa wird insbesondere im Energiesektor tragfähige Antworten geben müssen, wie wettbewerbsfähig Energie produziert werden soll. Die Kapitalmärkte werden diese Entwicklungen - meist mit einem halben Jahr Vorlauf - vorwegnehmen. Noch ist es nicht so weit.


Stand der Berichtssaison in Europa und den USA

In Europa und den USA haben ein Großteil der Unternehmen ihre Quartalsberichte vorgelegt. Wir nehmen dies zum Anlass, auf den aktuellen Stand der Lage zu schauen und haben die Daten in der untenstehenden Tabelle aggregiert.

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Quelle: Bloomberg, eigene Darstellung


Auffällig ist, dass die Unternehmen aus dem STOXX 600 zwar auf der Umsatzseite positiv überraschen konnten, auf der Ertragsseite das gleiche Ausmaß aber nicht erreicht werden konnte. In den USA verhält es sich genau umgekehrt. Die US-Unternehmen wurden auf der Ertragsseite unterschätzt.

Wie reagiert der Markt auf die Zahlen? Die Preisreaktion am Tag nach Bekanntgabe der Zahlen war in der der Durchschnittsbetrachtung bei vier europäischen Branchen positiv und acht negativ. In den USA liegt das Verhältnis positiv zu negativ bei 7 : 5. Der Marktreaktion - ob positiv oder negativ - wird grundsätzlich eine Indikatorwirkung unterstellt. Für Europa wäre der Indikator damit negativ, vergleicht man für die USA mit den Vorperioden, ist das schwach positive Verhältnis ein weiteres Argument für eine vorsichtige Grundhaltung an den Märkten.

Aus Sicht eines europäischen Anlegers wäre im Vergleich eine Investition in den STOXX 600 Stand gestern Abend leicht vorteilhaft gewesen. Dieser hat 10,39% im Verlauf des Jahres nachgegeben, während der S&P500 17,56% verlor, währungsbereinigt reduziert sich der Verlust immer noch auf -11,94%.


© Christian Buntrock
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