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Dollar korrigiert - Gold und Inflation steigen - düstere Aussichten für den Euro

30.05.2022  |  Markus Blaschzok
Am Mittwochabend wurde das Protokoll der letzten US-Notenbanksitzung veröffentlicht, was die schlimmsten Befürchtungen der Marktteilnehmer zerstreute und den Grundstein einer Erleichterungsrallye am Aktienmarkt legte. Dem S&P500, Dow Jones sowie dem DAX gelang es daraufhin am Donnerstag die Abwärtstrends zu überwinden, was kurzfristige technische Kaufsignale erzeugte und nun den Anfang einer mehrwöchigen technischen Gegenbewegung sein könnte.

Das Protokoll der letzten FED-Sitzung war unspektakulär, doch wurde die Inflationsprognose geändert. Man erwartet nun, dass die Teuerung nach dem PCE-Index im Jahr 2022 mit 4,3 Prozent höher ausfallen wird, als bisher erwartet. Für das Folgejahr erwartet man nun hingegen einen deutlicheren Rückgang der Preissteigerungsrate auf 2,5 Prozent in 2023 und auf 2,1 Prozent in 2024. Die Ungleichgewichte zwischen Angebot und Nachfrage in der Wirtschaft sollen sich durch die Verlangsamung der Gesamtnachfrage und die erwartete Lockerung der Angebotsbeschränkungen wieder verringern.

Da die Märkte diese drei kommenden Zinsschritte bereits eingepreist haben, fokussiert man sich nun bereits auf einen Rückgang der Teuerungsrate und eine Stabilisierung der Zinsen im Bereich von 2,5%, was jetzt bereits eine Erholung am Aktienmarkt befeuert. Könnte es daher sein, dass nach drei weiteren Zinsschritten um jeweils 50 Basispunkte bereits das vorläufige Ende des Zinsanhebungszyklus im September gekommen ist?

Angesichts der aktuell hohen Teuerung in den USA von 8,3% ist ein Leitzins bei einem Prozent oder 2,5% im vierten Quartal keine restriktive Geldpolitik, sondern eine ultralockere Geldpolitik. In einer freien Marktwirtschaft sollten und würden die Zinsen mindestens 4% über der Inflationsrate liegen, doch niemals darunter. Aufgrund der zentralistisch planwirtschaftlichen Geldmengensteuerung durch die staatlichen Notenbanken wurden die Zinsen in den letzten 40 Jahren künstlich gedrückt.

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Der US-Leitzins sollte mindestens 4% über der Inflationsrate liegen und nicht 7,3% darunter


Gigantische Fehlallokationen und die Umverteilung von Kapital an den Staat, sowie an begünstigte Unternehmen führten zu einem Nettowohlfahrtsverlust, der nicht hoch genug beziffert werden kann. Ohne die destruktiven wohlstands- und fortschrittsfeindlichen Eingriffe der Notenbanken in den Markt, wäre die Welt heute viel wohlhabender und technologisch Jahrzehnte weiter fortgeschritten. Dass das Drucken von Geld einen positiven Nutzen haben und Wohlstand schaffen würde, ist eines der dümmsten und gleichzeitig am weitesten verbreiteten Irrtümer, das durch ständige Wiederholung in der staatlichen Presse gezielt am Leben erhalten wird.

Solange die Zinsen nicht mindestens vier Prozent über der staatlich ausgewiesenen Teuerung liegen, geschweige denn über der wahren Teuerung, die weitaus höher liegt, ist die Geldpolitik weiterhin ultralocker. Dies ist grundsätzlich bullisch für den Goldpreis.

Die Zinsen können nur unter dem Marktniveau gehalten werden, wenn die Notenbank die Teuerung weiterhin zu niedrig ausweist, durch falsche Prognosen die Forward Guidance beeinflusst und letztlich wieder als Käufer am Anleihenmarkt auftritt. Alles andere führt zu einem weiteren Anstieg der Zinsen und zu einer weiteren Bereinigung der Fehlallokationen, was auch Rezession genannt wird.

Kurzfristig scheint es den Notenbankern jedoch zu gelingen, die Marktteilnehmer an der Nase herumführen, da diese den offiziellen Statistiken und den Inflationsprognosen der Notenbanken noch immer glauben schenken, bzw. sich danach ausrichten.

Dies erklärt die Bärenmarktrallye am Aktienmarkt und die andauernde Korrektur im Goldbullenmarkt. Es ist charakteristisch für den Beginn eines realen Bärenmarktes, dass Investoren immer wieder die Rücksetzer kaufen, in der Hoffnung die Kurse würden ebenso wie in der Blase zuvor wieder steigen und sich die Rallye fortsetzen.

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Ein schwächerer Dollar sorgt aktuell für eine Erholung des Goldpreises


Der Dollar setzte seine Korrektur nach dem Sitzungsprotokoll fort, wobei der USD-Index auf 101,50 Punkte fiel, nachdem er zuvor mit 105 Punkten den höchsten Stand seit 2002 erreicht hatte. Die erwartete Zwischenerholung des Euros, die wir bis in den Bereich bei 1,09 $ erwartet haben, läuft seither und der Euro konnte sich kurzzeitig auf 1,077 $ erholen.

Aufgrund des schwächeren Dollars konnte der Goldpreis die erste erwartete Zwischenerholung bis zum Widerstand 1.870 $ vollziehen, nachdem ich meinen Abonnenten an der Unterstützung bei 1.800 $ ein kurzfristiges antizyklisches Kaufsignal, für eine Zwischenerholung bis 1.870 $ oder gar 1.900 $ im Umfeld eines kurzzeitig schwächeren Dollars, gab.

Leider gründet der aktuelle Preisanstieg primär auf den schwächeren US-Dollar, denn der Goldpreis in Euro klebt immer noch an dem Korrekturtief bei 1.720 Euro je Feinunze. Das bedeutet, dass die Schnäppchenjäger, trotz des Preisrückgangs um 270 $, an der Unterstützung bei 1.800 $ nicht genügend Nachfrage mitbringen, um ein nachhaltiges Defizit am physischen Markt zu erzeugen. Die Forward Guidance der FED und eine nun mögliche Bärenmarktrallye am Aktienmarkt lenken den Fokus der Investoren aktuell weg vom Edelmetallmarkt.



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