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Tschechische Republik schließt sich Visegrád-Gruppe im mitteleuropäischen Goldrausch an

04.06.2022  |  Ronan Manly
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[Im Jahr 2021 kaufte die ungarische Zentralbank dann weitere 63 Tonnen Goldbarren und verdreifachte damit ihren Goldbestand von 31,5 Tonnen auf 94,5 Tonnen. Auch Polen, ein weiteres Mitglied der Visegrád-Gruppe, schickte Schockwellen durch den Goldmarkt, als die polnische Zentralbank im Juli 2019 bekannt gab, dass sie 125,7 Tonnen Gold in London gekauft hatte (100 Tonnen im Jahr 2019 und 25,7 Tonnen im Jahr 2018), wodurch sich ihre Goldreserven zu diesem Zeitpunkt auf 228,6 Tonnen erhöhten.

Die Polen haben dann in der zweiten Jahreshälfte 2019 prompt 100 Tonnen dieses Goldes von London zurück nach Warschau geflogen, und zwar mit acht speziellen Frachtflügen, die jeweils 1.000 Good-Delivery-Goldbarren (insgesamt 100 Tonnen) transportierten. Die Käufe im Jahr 2019 waren nicht das Ende der polnischen Goldkäufe, da der Präsident der polnischen Zentralbank, Adam Glapiński, im Oktober 2021 erklärte, dass weitere 100 Tonnen Gold im Jahr 2022 gekauft werden sollen.


Austausch von Informationen

Auf der Website der Visegrád-Gruppe heißt es: "Die Tschechische Republik, Ungarn, Polen und die Slowakei waren schon immer Teil einer einzigen Zivilisation, die kulturelle und intellektuelle Werte und gemeinsame Wurzeln in verschiedenen religiösen Traditionen teilt, die sie bewahren und weiter stärken wollen. Um den kulturellen Zusammenhalt zu bewahren und zu fördern, wird die Zusammenarbeit innerhalb der Visegrád-Gruppe die Vermittlung von Werten in den Bereichen Kultur, Bildung, Wissenschaft und Informationsaustausch verbessern."

Zu diesem "Austausch kultureller und intellektueller Werte" und "Informationsaustausch" scheint es nun zu gehören, dass die Länder der Visegrád-Gruppe untereinander beschließen, große Mengen an Goldbarren zu kaufen. Ungarn hat Gold gekauft. Polen hat Gold gekauft. Und nun plant die Tschechische Republik, Gold zu kaufen. Und zwar jede Menge davon.

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Könnte die Slowakei die nächste sein? Die Slowakei behauptet, 31,7 Tonnen Goldreserven zu besitzen, die alle in den Tresoren der Bank of England in London gelagert sind. Als Polen 2019 100 Tonnen Gold aus London zurückführte, forderte der ehemalige slowakische Ministerpräsident Robert Fico, dass die Slowakei dies ebenfalls tun sollte. Doch aus dieser Forderung wurde nichts.

Dennoch wird es interessant sein zu beobachten, ob die Slowakei in Zukunft verkündet, dass sie ebenfalls mehr Gold gekauft hat oder dies plant, da alle anderen Mitglieder der Visegrád-Gruppe - Ungarn, Polen und die Tschechische Republik - jetzt große und aktive Akteure im Spiel der Zentralbankgoldkäufe sind. Ein wichtiger Punkt, der die Slowakei daran hindern könnte, Gold zu kaufen, ist die Tatsache, dass das Land im Gegensatz zu Ungarn, Polen und der Tschechischen Republik den Euro verwendet und somit weniger unabhängig von der Europäischen Zentralbank (EZB) ist. Ungarn, Polen und die Tschechische Republik hingegen haben noch ihre eigenen Fiatwährungen, den Forint, den Zloty bzw. die Krone.

Ungeachtet dessen, was die Slowakei tun mag oder nicht, wissen wir jetzt, dass es in der Mitte Europas eine Gruppe von drei unabhängig denkenden und starken Verbündeten gibt, deren drei Zentralbanken, nämlich die Tschechische Nationalbank, die Magyar Nemzeti Bank (Ungarn) und die Magyar Nemzeti Bank (Polen), den Weg für den Kauf von physischem Gold bereiten.


Schlussfolgerung

Als Ungarn im Jahr 2021 seinen umfangreichen Goldankauf tätigte, begründete es dies in einer Pressemitteilung damit, dass Gold "keine Kredit- oder Gegenparteirisiken birgt, [es] das Vertrauen in ein Land in allen wirtschaftlichen Umfeldern stärkt, was es nach wie vor zu einem der wichtigsten Reserveaktiva weltweit macht". Auch dass "das Auftreten globaler Spitzen bei den Staatsschulden oder Inflationssorgen die Bedeutung von Gold in der nationalen Strategie als sicherer Hafen und als Wertaufbewahrungsmittel weiter erhöht".

Als der Präsident der polnischen Zentralbank, Adam Glapiński, im Jahr 2021 in einem Interview ankündigte, dass die Bank im Jahr 2022 weitere 100 Tonnen Gold kaufen werde, erläuterte er die Gründe für den Kauf mit den Worten: "Gold ist frei von Kreditrisiken und kann durch die Wirtschaftspolitik eines Landes nicht abgewertet werden. Außerdem ist es extrem langlebig, praktisch unzerstörbar."

Er erklärte auch, dass Gold ein "sicherer Hafen ist, was bedeutet, dass sein Preis in der Regel bei erhöhtem Risiko, Finanz- und politischen Krisen oder anderen Turbulenzen auf den globalen Märkten steigt" und dass "Gold durch eine relativ geringe Korrelation mit den wichtigsten Anlageklassen - insbesondere dem US-Dollar - gekennzeichnet ist, was bedeutet, dass die Aufnahme von Gold in die Reserven das finanzielle Risiko im Anlageprozess verringert".

Hinzu kommt die Begründung des neuen Gouverneurs der tschechischen Zentralbank, Aleš Michl, für den Kauf von Gold: "Gold ist gut für die Diversifizierung, es hat eine keinerlei Korrelation mit Aktien." Dies ist zwar nur ein kurzer Kommentar, aber Michl hat seinen Posten als Gouverneur noch nicht angetreten. Erwarten Sie aber später in diesem Jahr, wenn er sein Amt tatsächlich antritt, ausführlichere Kommentare von ihm zu Gold.


© Ronan Manly
BullionStar



Dieser Artikel wurde am 28. Mai 2022 auf www.bullionstar.com und zuvor auf RT.com veröffentlicht und exklusiv für GoldSeiten übersetzt.


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