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Vorsichtskasse in Schweizer Franken

26.06.2022  |  Prof. Dr. Thorsten Polleit
Der Schweizer Franken bleibt unter Aufwertungsdruck gegenüber dem Euro. Für Euro-Halter ist der Franken daher attraktiv - vor allem, wenn Schweizer Geschäftsbanken auch noch ihren Negativzins abschaffen.

Am 16. Juni 2022 hat die Schweizer Nationalbank (SNB) erstmals seit 15 Jahren den Zins erhöht: Um 0,50 Prozentpunkte wurde der 'negative Leitzins' auf nunmehr minus 0,25 Prozentpunkte "angehoben". Dadurch verringert sich die Zinsdifferenz gegenüber den Eurozinsen. Die Marktreaktion ließ nicht auf sich warten: Der Schweizer Franken setzte seine Aufwertung gegenüber dem Euro fort, handelt jetzt bei 1,015.

Seit der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 stemmt sich die SNB gegen eine allzu rasche Aufwertung des Franken gegenüber dem Euro. Dazu hat sie in großem Umfang Fremdwährungen erworben, gleichzeitig jedoch eine graduelle Verteuerung des Franken zugelassen (Abb. a). Die Leitzinserhöhung (die Verminderung des 'negativen Leitzinses') wird die Attraktivität des Schweizer Franken weiter stärken (Abb. b).

Die Zinsentscheidung der SNB kommt zu einer Zeit, in der die Schweizer Inflation der Konsumgüterpreise anzieht - im Mai 2022 betrug sie 2,9 Prozent. Sie ist aber noch deutlich niedriger als in anderen Währungsräumen, und die SNB signalisiert mit ihrer Zinsmaßnahme, dass sie am Ziel der niedrigen Inflation festhalten will. Das schafft zusätzliches Vertrauen bei den Anlegern, die in Zeiten der weltweit steigenden Inflation vermehrt nach "Sicherheit" Ausschau halten. Der Schweizer Franken empfiehlt sich so gesehen weiterhin als eine Art Stabilitätsanker.

Die Zinsdifferenz zwischen Euro- und Schweizer-Franken-Anlagen war in der Vergangenheit meist (sehr) bedeutsam für die Entwicklung von EURCHF. Die Europäische Zentralbank (EZB) wird sehr wahrscheinlich im Juli ihren Leitzins um 0,25 Prozentpunkte erhöhen. Der "große Zinsschritt" der Schweizer hat dem Franken so gesehen einen Vorteil gebracht.

Für Investoren dürfte daher die Schweizer Währung attraktiv bleiben, beziehungsweise der Franken dürfte unter Aufwertungsdruck bleiben. Das wiederum wird die SNB anhalten, weiter im Devisenmarkt zu intervenieren. Sie muss dabei natürlich verhindern, dass die dadurch geschaffene Liquidität nicht übermäßig inflationär wirkt. Inflation und Zinsertrag sind wichtige Kriterien, um die Attraktivität von Währungen aus der Sicht von Anlegern zu beurteilen.

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Quelle: Refinitiv; Graphik Degussa.


Der Schweizer Franken ist seit Jahrzehnen eine "aufwertende Währung". Er steigt im Grunde seit den frühen 1970er Jahren - wenn auch unter Schwankungen - vis-a-vis seinen Handelspartnerwährungen (Abb. c). Darin kommt natürlich zum Ausdruck, dass die Schweizer in den letzten Dekaden ihre Volkswirtschaft, ihr Gemeinwesen in produktiver und erfolgreicher Weise gestaltet haben.

Damit illustriert die Schweiz eindrücklich, dass steigender Wohlstand und eine starke Währung sich nicht etwa ausschließen, sondern - ganz im Gegenteil - Hand in Hand gehen. Geordnete Währungsverhältnisse, niedrige Inflation sind eine Grundlage für produktives Wirtschaften.

Wer also dem ungedeckten Geld treu bleiben will, für den ist der Schweizer Franken attraktiv - vor allem auch deshalb, weil Schweizer Banken vermutlich recht bald die Negativzinsen für Firmen- und Privatkunden abschaffen.


© Prof. Dr. Thorsten Polleit
Auszug aus dem Marktreport der Degussa Goldhandel GmbH


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