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Clint Siegner: G-7-Sanktionen gegen russisches Gold könnten nach hinten losgehen

28.06.2022
Russland ist der zweitgrößte Goldproduzent der Welt. Als die London Bullion Market Association im März russische Goldscheideanstalten von der Liste nahm, erwarteten viele, dass dieser Schritt den Goldpreis in die Höhe treiben würde. Stattdessen ist der Goldpreis um etwa 100 Dollar je Unze gefallen. Am Wochenende kündigten die Staats- und Regierungschefs der G-7-Staaten formelle Sanktionen gegen den Import von Gold aus Russland an. Es wird erwartet, dass dieser Schritt weitgehend symbolisch ist, da die LBMA und westliche Scheideanstalten, von denen viele in der Schweiz ansässig sind, kurz nach Kriegsbeginn freiwillig einen Importstopp verhängt hatten.

Es ist fraglich, wie wirksam die selbst auferlegten Beschränkungen waren. Berichten zufolge lieferte Russland im Mai drei Tonnen Gold in die Schweiz. Die dortigen Scheideanstalten streiten alle ab, daran beteiligt zu sein. Jetzt, da offizielle Sanktionen in Kraft sind, gibt es theoretische Konsequenzen für weitere Importe. Vielleicht wird sich der Schritt der G-7 zumindest vorübergehend auf die Goldmärkte auswirken. Die Auswirkungen werden mit ziemlicher Sicherheit nicht groß und von Dauer sein.

Die Märkte passen sich an. Die Preise von Rohstoffen, bei denen Russland ein wichtiger Exporteur ist, sind unmittelbar nach dem Einmarsch in die Ukraine in die Höhe geschnellt. Viele dieser Rohstoffe, darunter Öl und Weizen, haben seitdem nach unten korrigiert und einen großen Teil dieser Gewinne wieder abgegeben. Die Wahrheit ist, dass es sehr schwierig ist, sinnvolle Sanktionen gegen ein weltweit gehandeltes, fungibles Gut wie Gold oder Öl durchzusetzen. Es ist unmöglich, wenn die Sanktionen nicht universell angenommen werden. China, Indien und viele andere Länder haben kein Interesse daran, sich dem Sanktionsregime anzuschließen.

Nichts hält geschäftstüchtige Scheideanstalten in Ländern wie Indien davon ab, russisches Gold einzuschmelzen und neue Barren mit einer akzeptablen Punzierung für den erneuten Export in den Westen herzustellen. Es ist nicht schwer, die Herkunft des Metalls zu verschleiern. Zumindest bisher verkaufen die russischen Produzenten das Metall gerne an Handelspartner im Osten (oder an westliche Kunden, die bereit sind, die Vorschriften zu umgehen). Die Nachfrage bleibt nicht unbefriedigt.

Wladimir Putin steht der Federal Reserve Note als Weltreservewährung offen ablehnend gegenüber. Er hat für Alternativen geworben, darunter eine zumindest teilweise durch Gold gedeckte Währung. Er weiß, dass die westlichen Zentralbanken und Regierungen nicht wollen, dass die steigenden Goldpreise mit der bereits stattfindenden dramatischen Preisinflation einhergehen.

Anstelle von Theatralik könnte Putin echte Exportbeschränkungen verhängen und den Markt zwingen, sich auf das fehlende Angebot des zweitgrößten Produzenten der Welt einzustellen. Er könnte sich damit zufrieden geben, dass die russische Zentralbank die inländischen Goldvorräte aufkauft und zusieht, wie die internationalen Spotpreise zusammen mit dem Wert des Rubels in die Höhe schießen. Es wäre nicht untypisch für Putin, den Bluff der G-7 zu durchschauen.


© Clint Siegner



Der Artikel wurde am 27. Juni 2022 auf www.moneymetals.com veröffentlicht und exklusiv für GoldSeiten übersetzt.


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