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Deflation und Hyperinflation gleichzeitig - Unheil für die Welt

30.06.2022  |  Egon von Greyerz
FLATION wird das Schlüsselwort der kommenden Jahre werden. Die Welt wird zeitgleich inFLATION, deFLATION, stagFLATION und letztlich hyperinFLATION erleben. Ich hatte diese -FLATIONÄREN Ereignisse schon in der Vergangenheit in verschiedenen Artikeln prognostiziert. Hier ist der Link zu einem Artikel aus dem Jahr 2016.

Im Umfeld rapider Kursverluste bei den meisten Anlageklassen bewegt sich die Welt jetzt auf katastrophale Verwerfungen zu, die es so in der Geschichte noch nicht gegeben hat. Seit Anfang 2022 ist es zu einer allgemeinen Vermögenspreisimplosion von rund 20% gekommen. Nur wenige Investoren begreifen, dass das erst der Anfang ist. Wenn dieser Bärenmarkt vorüber ist, werden wir Verluste von 75 -90% bei Aktien, Anleihen und anderen Vermögenswerten erlebt haben.

Verluste in diesen Größenordnungen hat es seit ganzen drei Generationen nicht mehr gegeben, und deswegen werden die Schockwellen eine verheerende Wirkung haben. Während die Vermögensblasen schrumpfen, starten die Güter- und Dienstleistungspreise zeitgleich in einen Inflationszyklus, den die gesamte Welt in diesem Ausmaß nie zuvor erlebt hat.

Auf einzelne Länder beschränkte Hyperinflationen hat es in der Vergangenheit schon gegeben, doch noch nie auf globaler Ebene!

Aktuell liegt die offizielle Inflationsquote in den USA und in Europa bei ca. 8%. Für den Durchschnittskonsumenten im Westen sind die Preise für Güter des täglichen Bedarfs - wie Treibstoff und Lebensmittel - im Durchschnitt aber um mindestens 25% gestiegen.


Eine unheilvolle Welt

In vielen Bereichen stehen der Welt also katastrophale Entwicklungen bevor. Wie immer in Krisenzeiten suchen alle die Schuld bei anderen. Im Westen geben die meisten Menschen Putin die Schuld. Ja, Putin ist der Schurke, und es ist seine Schuld, dass die Preise für Lebensmittel und Energie sprunghaft ansteigen. Niemand analysiert wirklich, was oder wer Russland zum Eingreifen bewogen hat; weder Politiker noch Leitmedien verstehen die Bedeutung von Geschichte, die für die aktuellen Entwicklungen aber von zentraler Bedeutung ist.

In schwierigen Zeiten braucht es Schuldige. Viele Amerikaner werden die Schuld bei Biden suchen, der den Bezug zu den meisten Entwicklungen in den USA verloren hat und zudem noch sein eigenes Gleichgewicht. In Großbritannien sucht man die Schuld bei Boris Johnson, der seit der Partygate-Affaire die Kontrolle über das Vereinigte Königreich verloren hat. In Frankreich ist Macron der Schuldige, der gerade seine Mehrheit im Parlament verloren hat. Und in Deutschland bekommt Scholz die Schuld, weil er der Ukraine Geld für Waffen gibt und Russland Geld für Gas.

Solche Schuldzuweisungen sind nur der Anfang. Politisches Chaos und Anarchie wird eher die Regel sein und nicht die Ausnahme, denn das Volk wird die Führungen verantwortlich machen für steigende Preise, steigende Steuern und sinkende Leistungen in allen Bereichen.

Kein Land wird in der Lage sein, die staatlichen Sozialleistungen an die galoppierende Inflation anzupassen. Dasselbe gilt für ungedeckte oder unterfinanzierte Rentenleistungen, die drastisch fallen oder sogar ganz verschwinden werden, weil die zugrundeliegende Vermögenswertbasis - bestehend aus Aktien und Anleihen - implodiert. In der Folge werden in vielen Ländern anarchische Zustände herrschen.


Deflationäre Implosion der Anlagemärkte

Aktien

Die "Everything-Bubble" ist zu Ende. Möglich war sie nur durch das wohlwollende Verhalten der Zentralbanken bei der perfekten Manipulation ihrer eigenen Kontrollinstrumente - Geldschöpfung und Zinssätze. Die Konsequenz von kostenfrei verfügbarem Geld war eine Verdreifachung der globalen Verschuldung (auf 300 Billionen $) im Verlauf dieses Jahrhunderts, und das praktisch zinskostenfrei.

Für Investoren, groß wie klein, war das ein Gottesgeschenk - Manna vom Himmel. Alles, was Anleger anfassten, stieg; und bei jeder Marktkorrektur wurde mehr Manna produziert. Für Investoren galt nur: "Ob Kopf oder Zahl, ich gewinne immer." Dieses Markt-Schlaraffenland sorgte dafür, dass jeder zum Investment-Guru wurde. Selbst die Dummen wurden reich.

Wenn ich heute mit befreundeten Investoren rede, zeigt man sich vielleicht ein wenig beunruhigt, man sieht aber keinen Grund, warum der langfristigen Hausse-Trend nicht anhalten sollte. Zumindest für Anleger sind Greenspan, Bernanke, Yellen und Powell die besten Freunde gewesen; und Hauptziel der US-Notenbank war ja auch, die Investoren glücklich und reich zu halten. Deswegen halten die meisten Investoren jetzt auch still, trotz 20%iger Verluste klassenübergreifend. Das werden sie bereuen.

Also: Die meisten Investoren vertrauen darauf, erneut gerettet zu werden, wobei sie nicht erkennen, dass es dieses Mal ganz anders laufen wird.

Wie man weiß, sind die Kursstürze an den Investmentmärkten NICHT nur Folge einer (180-Grad)-Kehrtwende bei der Zinspolitik der Zentralbanken sowie des Übergangs von quantitativen Lockerungen zu quantitativen Straffungen.

Nein, jene Genies, die an der Spitze der Zentralbanken stehen, sehen Entwicklungen überhaupt nie kommen - oder erst dann, wenn es zu spät ist. Dass die Welt mit aller Macht von Inflation erfasst wird, war für viele von uns schon seit längerem klar - doch offensichtlich nicht für die Menschen, die die Geldpolitik bestimmen. Sie werden jedenfalls nicht dafür bezahlt, irgendetwas kommen zu sehen, bevor es tatsächlich eintrifft.

Im Chart unten sehen wir den Dow seit 1970. 1982 begann der aktuelle, 40-jährige Bullenmarkt. Seit Beginn der Hausse haben Investoren eine drastische Versechsundvierzigfachung (46x) ihrer Aktienportfolios erleben können. Es gab insgesamt vier beängstigende Korrekturen zwischen 35% und 55%. An die erste - im Oktober 1987 - erinnere ich mich noch gut.

Es war der Schwarze Montag und ich war in Tokio wegen des Börsengangs von Dixons, ein in Großbritannien gelistetes (FTSE 100) Unternehmen, dessen Vizevorsitzender ich war. Am 19. Oktober stürzte der Markt um 23% ab und innerhalb von 12 Tagen machte der Dow Verluste von 40%. Nicht die beste Zeit, um sich an der Tokioter Börse listen zu lassen.

Schaut man im Chart unten auf das Jahr 1987, sieht man auch, dass der massive Einbruch von damals heute kaum auffällt.

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