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Was der US-Notenbankchef Ihnen nicht sagt: Er will Inflation haben, nicht bekämpfen.

27.07.2022  |  Matt Piepenburg
In zahlreichen Artikeln und Interviews hatten wir wiederholt festgestellt: Die globalen Zentralbanken im Allgemeinen und die Federal Reserve unter Jerome Powell im Besonderen stecken in der Falle - und mit ihnen die globalen Märkte und die Weltwirtschaft. Aus dieser Falle führt kein Weg hinaus, außer die Fed reißt sich beide Beine aus, die in den letzten Jahren ziemlich kurz geworden sind.

Oder in den Worten von El-Erian, der es bestens auf den Punkt brachte: "Die Fed steht ohne gute Szenarien da."

Diesen Punkt kann man nicht oft genug wiederholen.


Aufrichtigkeit (und Schulden) zählen

Da die globale Verschuldung bei 300 Bill. $ liegt und die US-Gesamtverschuldung (Unternehmen, Privathaushalte und öffentliche Hand) bei deutlich über 90 Bill. $, kann man die "gesichtswahrenden" Zinserhöhungsbestrebungen der US-Notenbank (selbst wenn unhaltbare Stände von angenommen 4-5% angepeilt sind) nur als eine von Anfang an gescheiterte Strategie im Kampf gegen eine offizielle (d.h. unterschätzte) Verbraucherpreisinflation von 9% bezeichnen.

Im besten Fall ist das wahnhaft, im schlimmsten Fall aber, und das ist wahrscheinlicher, einfach unehrlich. Punkt.

Einfach formuliert: Historisch überschuldete Märkte, Wirtschaften und Staaten, die seit Jahren von künstlich günstig gehaltenem Gratisgeld abhängig sind, können sich nicht plötzlich bedeutende Zinserhöhungen (also teures Geld) leisten, ohne dass eine Kette von Kreditausfällen - von Investment Grade bis Staatsanleihe - die Folge wäre.


Fakten verweisen auf die Zukunft

Zu diesem Zweck haben wir Jahre auf Faktenchecks und Schwachsinnsaufdeckung verwendet und in aller Ruhe einen langen Schwall klarer Manipulationen, Lügen und Fehler offengelegt, die unter der Bezeichnung Politik firmieren und sich aus den Mündern und Strategien von Gestalten wie Greenspan, Bernanke, Yellen und Powell ergießen.

Trotz der hartnäckigen Ehrlichkeit solcher Fakten und der Unehrlichkeit unserer Banker, klammern sich viele Investoren aus zwanghafter Sorge, zu kurz zu kommen (Fear Of Missing Out, FOMO) an eine kognitive Dissonanz. Sie glauben an Zentralbanken, die die Märkte und Währungen mit ewig sicherer Hand führen und auch diesmal Rückdeckendeckung geben werden.

Mit der Lüge über die "vorübergehende Inflation" haben diese verlorenen Hirten die eigene Glaubwürdigkeit verspielt und das Vertrauen ihrer Schafe gebrochen, und genau jetzt ist die Finanzwelt mit der ersten Phase eines globalen „Auweia!-Moments“ konfrontiert (d.h. geopolitische Risiken, fallende Märkte, entwertende Währungen, versagende Führungen und wachsende soziale Unruhen), vor deren Unausweichlichkeit wir in zwei Buchveröffentlichungen und zahllosen Artikel gewarnt hatten.

Die meisten, die diesen Artikel lesen, gehören natürlich nicht zu den Schafen und auch nicht zu den Überraschten. Doch selbst Sie und Wir sind letztlich immer wieder erstaunt über diese andauernde Überheblichkeit, Ignoranz und unehrliche Verzweiflung unserer sogenannten Finanzführungsriege.

Schauen wir uns an, warum.

Allem Anschein nach hat Powell Angst davor, als nächster Arthur Burns in die Geschichte einzugehen.

Offenbar hat er eine pathologische Angst mit Blick auf sein persönliches Vermächtnis entwickelt, die wohl stärker wirkt als etwaige Befürchtungen bezüglich der eigenen fatalen Hinterlassenschaften und die seiner Vorgänger - sprich: eine inflationskranke Nation als Ergebnis aufgeblähter Notenbankbilanzen; 800 Milliarden $ vor 2008 vs. 9 Billionen $ heute.

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Allen unübersehbaren und direkt inflationären Konsequenzen solcher Bilanzausweitungen zum Trotz will man sich in den Washingtoner Amtssitzen (von Biden bis Powell) die eigenen renommierten Hintern retten und die Folgen jahrzehntelanger offen inflationärer Geldpolitik auf ein Virus oder einen bösen Mann aus Russland schieben. So viel zum Thema "Zivilcourage" (J.F. Kennedy).

Selbst jetzt denkt Powell noch, er könne als zweiter Paul Volcker glänzen, wenn er im Kampf gegen die selbst mitverschuldete Inflation die Zinsen erhöht.

Mann, oh Mann, oh Mann, haufenweise Ironie des Schicksals. Leute, Powell ist kein Volcker.


Eine Lektion für Powell: Schulden zählen!

Herr Powell, falls Du das liest, möchten wir Dich an Folgendes erinnern: Zum Zeitpunkt als Paul Volcker die Zinsen erhöhte, lag die US-Staatsverschuldung unter 900 Mrd. $ und nicht bei den heutigen 30 BILLIONEN $, die von der Greenspan-Generation (d.h. auch DU zählst dazu) direkt erzeugt wurden. Auch möchten wir Dich daran erinnern, dass die US-Staatsschuldenquote (Staatsschulden:BIP) der "Volcker-Ära" zwischen 1979 und 1981 bei 31% lag und die US-Defizitquote (öffentliche Defizite: BIP) bei nur 2%.


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