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Warum sich der Währungsgoldtransfer in die Schweiz verzögert (Teil 3)

31.07.2022  |  Jan Nieuwenhuijs
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Die OeNB kann Gold physisch in vier Tresoren (OeNB, Münze Österreich, BoE, SNB) und der BIZ halten, weil die BIZ keine eigenen Tresore hat, sondern die Verwaltungsdienstleistungen der BoE, SNB und der Federal Reserve Bank von New York nutzt. Aufmerksame Leser werden erkannt haben, dass die OeNB 2015 angab, etwa 6 Tonnen in der Schweiz zu lagern, was weniger ist als die 14,3 Tonnen der BIZ bei der SNB plus die etwa 7 Tonnen, die bei der SNB direkt gehalten werden. Die Erklärung dafür ist ein Ortswechsel durch die BIZ (von SNB zur BoE) am selben Tag, an dem das Metall zugewiesen wurde.

Auszug aus RH1 (Seite 53): "Zum 30. Januar 2014 transferierte die OeNB die Lieferansprüche des Kontos bei der Institution in der Schweiz [BIZ] zu einem Barrenlagerkonto der Institution bei der Lagerstelle in England [BoE]..."

Nach diesem Ortswechsel hielt die OeNB "etwa 7 Tonnen Gold" bei der SNB. Das stimmt in etwa mit den ~6 Tonnen überein. Die Gegenpartei dieses Ortswechsels, die das Metall von der BoE zur SNB bewegte, ist mir unbekannt.

Der RH ist hauptsächlich darüber besorgt, das Gold geographisch aufzuteilen und Prüfungen für die OeNB vorzunehmen. Andere Punkte, denen man Aufmerksamkeit schenken sollte, sind die Sorgfalts- und Haftungspflicht des Verwahrers, Eigentümerrechte, Versicherung sowie die Übertragung von Bestandslisten und Vereinbarungen in Bezug auf Lieferungen. In RH1 (Seite 74) heißt es: "der umfassendste Vertrag war der mit Lagerstelle C innerhalb der Schweiz [SNB]." Auch wenn Prüfungszugang seit Anfang 2013 nur eingeschränkt möglich war.

Auszug aus RH2 (Seite 19): "In diesem Brief vom 8. Mai 2013 informierte die Lagerstelle in der Schweiz [SNB] die OeNB, dass sie allgemein in der Lage sein würde, Zugang zum gelagerten Gold der OeNB zu haben, es in dieser Hinsicht jedoch bis 2018 Einschränkungen gäbe. … In Reaktion auf eine Frage der OeNB in einer nachfolgenden Überprüfung durch den Rechnungshof im Februar 2017 bestätigte die Lagerstelle in der Schweiz … dass die OeNB 2019 normalen Zugang zur Lagerstelle erhalten würde."

Offensichtlich verlagerte die SNB das Gold 2013 von Bundesplatz 1 in Bern zu einem staatlichen Bunker nahe Kandersteg, wobei der Zugang zum Tresor eingeschränkt wurde. Die Daten, zu denen die Einschränkungen aufgehoben werden sollen, passen in etwa zu den Prognosen der SNB, die in deren Jahresberichten erwähnt werden. Im Jahr 2018 gab die SNB erstmals an, dass sich die Renovierungsarbeiten bis 2021 verzögern würden. Im Jahr 2019 gab man ein Ende für 2022 bekannt, und 2021 erwartete man einen Abschluss im Jahr 2024.

Neben der Verzögerung der Prüfungen vor Ort, musste die OeNB aufgrund Renovierungsarbeiten zudem warten, 50 Tonnen von London in den Tresor der SNB in Bern zu verlagern, schlussfolgert der RH im Jahr 2015.

Hier ein Auszug aus RH1 (Seite 19): "Durch Abschließen einer Vereinbarung mit Lagerstelle C in der Schweiz [SNB], über 50 Tonnen Gold, wurden die Lagerstellen ausgeweitet, was beabsichtigt war, um das Konzentrationsrisiko bei der Lagerstelle in England [BoE] zu reduzieren. Doch diese Reduzierung wurde aufgrund externer Umstände, die die OeNB nicht beeinflussen konnte, stark eingeschränkt. Bis Anfang 2019 konnten aufgrund von Renovierungsarbeiten anfänglich maximal etwa 7 Tonnen Gold in dieser Lageranstalt in der Schweiz gelagert werden."

Andere Stellen in RH1 erwähnen ebenfalls die Renovierungsarbeiten bei Lagerstelle C in der Schweiz (SNB) als Grund dafür, dass die zusätzlichen 50 Tonnen nicht sofort transferiert werden können.


Schlussfolgerung

In den meisten Fällen hat die Spekulation innerhalb der Gold-Szene die Oberhand. Im Jahr 2013 waren viele Kommentatoren (einschließlich mir selbst) über die Geschwindigkeit, mit der die deutsche Zentralbank (BuBa) ankündigte, ihre Goldreserven von New York zurück ins Land zu führen, verstimmt: 300 Tonnen über 7 Jahre. Letztlich wurde klar, dass die BuBa die Barren anpassen wollte, die nicht den Good-Delivery-Standards der LBMA entsprachen.

Als es die Rückführung im Jahr 2017 dem Zeitplan voraus abschloss, schrieb die Financial Times, dass man 55 Tonnen in die Schweiz gebracht habe, "wo die Barren von zwei Schmelzereien umgeformt wurden", bevor sie nach Frankfurt reisten.

Es gibt ebenfalls eine Erklärung für die Verzögerung der OeNB-Lieferung von London in die Schweiz. Wahrscheinlich brauchte die OeNB Zeit, um die 90 Tonnen, die von London zurück in die Heimat kamen, zu überprüfen und zu wiegen. In jedem Fall wusste sie, dass die Lieferung in die Schweiz einige Jahre warten musste, und so wurde die Entscheidung gefällt, bis 2020 ein neues Lagerkonzept einzuführen. Doch dann dauerten die Renovierungsarbeiten länger als erwartet und die OeNB musste sich anpassen.

Einen letzten Artikel zu dieser Thematik werde ich schreiben, sobald das Gold der OeNB endlich in Bern angekommen ist.

Lesen Sie weiter: Teil 1 und Teil 2...


© Jan Nieuwenhuijs
Gainesvillecoins.com



Dieser Artikel wurde am 20. Juli 2022 auf www.gainesvillecoins.com veröffentlicht und exklusiv für GoldSeiten übersetzt.


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