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Pelosi fliegt heute nach Taiwan - Die Konjunkturlage in Europa

02.08.2022  |  Christian Buntrock
Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1,0271 (06:30 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1,0213 im US-Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 130,79. In der Folge notiert EUR-JPY bei 134,33. EUR-CHF oszilliert bei 0,97561.

Die Finanzmärkte tendierten gestern nach den jüngsten Kursanstiegen seitlich. Der US-Dollar gab gegenüber dem G10-Währungskorb leicht nach. Gold und Silber gewannen etwas hinzu. Die großen Kryptowährungen tendierten in der Mehrheit etwas schwächer.

Nach aktuellen Pressemitteilungen wird Nancy Pelosi heute um 22:20 nach örtlicher Zeit in Taiwan ankommen. Damit geben die USA in ihrer Haltung nicht nach, beschwichtigen aber zugleich, dass die Reise Pelosis nichts an der grundsätzlichen Haltung der USA zur Taiwanfrage ändere. Die chinesische Seite lässt über ihre medialen Sprachrohe in ungewohnt deutlicher Weise durchblicken, dass China sein Vorgehen in der Taiwanfrage beschleunigen wird und spekuliert über Warnschüsse vorbei an Pelosis Flugzeug.

Die Spannung haben wir einer starrköpfigen alten Frau zu verdanken, die sich auf eine Reise begibt, von der Präsident der USA sie nicht abbringen konnte. Dies ist auch in Peking bekannt. Das Restrisiko einer Eskalationsspirale bleibt und ist nicht in den Märkten eingepreist.


Einzelhandelsumsätze im Rückwärtsgang

Uns erreichten gestern neue Daten des Statistischen Bundesamtes zu den Einzelhandelsumsätzen im Juni 2022. Diese sanken im Monatsvergleich kalender- und saisonbereinigt real um 1,6% und nominal, also nicht preisbereinigt um 0,5%. Im Vergleich zum Vorjahr liegt ein Umsatzminus von real 8,8% vor. Nominal beträgt das Minus lediglich 0,8%. Wir müssen daher feststellen, dass der Konsum spürbar rückläufig ist. Die Hauptgründe sind bekannt, die Inflation ist für den Konsumenten bereits deutlich spürbar, das Konsumklima wird durch die im Herbst anstehenden zahlungswirksamen Ausgaben zusätzlich beeinträchtigt.

Die bisherigen Maßnahmen der Politik helfen nicht weiter. Um die Energiekosten zu senken, wären bereits jetzt klare Beschlüsse notwendig, die die Terminpreise auf den Energiemärkten beeinflussen. Eine Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke zumindest über diesen Winter ist überfällig.


Konjunkturlage in Europa

Doch nicht nur in Deutschland, dem Land mit den höchsten Energiekosten in Europa, ist Kauflust rückläufig. Ein Blick auf die Frühindikatoren für das Verarbeitende Gewerbe zeigt das gleiche Bild für ganz Europa. Das Momentum in der Konjunkturentwicklung war zu Beginn des Jahres am Höchsten, spätestens mit Ausbruch des Ukrainekrieges besteht eine rückläufige Tendenz.

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Entwicklung der Frühindikatoren für das verarbeitende Gewerbe. Quelle Bloomberg, eigene Darstellung.


Es stellt sich somit nicht die Frage, ob die Konjunktur rückläufig ist, sondern wie ausgeprägt der Rückgang sein wird. An dieser Stelle gilt kommt es auf Berlin und Brüssel an. Dort befinden sich die Stellhebel, mit denen die Energiepreiskomponente neu justiert werden kann. Kurzfristig ist die Preishöhe von Energie von Bedeutung, langfristig ist es auch die Versorgungsicherheit und die Qualität der Stromnetze. Auch an dieser Stelle hat die Politik zu liefern.

Aktuell verlassen bereits Unternehmen Deutschland, da die aus Spannungsabfällen resultierenden Fehler die Produktion unrentabel machen. Damit bilden sich Konkurrenzcluster zu unserer Industrie insbesondere in Osteuropa, die durch geringere Lohn- und Energiekosten eine Sogwirkung für weitere Investitionen haben.


US-Chips and Science Act - Nadelstiche gegen China

Der US-Kongress bewilligt 52 Milliarden Dollar zur Unterstützung der Chip-Produktion in den USA. So soll das Land unabhängiger von Importen aus Drittländern, insbesondere China, werden. Neu aus dem Land der freien Märkte sind die mit der Förderung verbundenen Restriktionen: Unternehmen, die diese Zuschüsse annehmen, sind verpflichtet, keine weiteren Kapazitäten in China aufzubauen. Betroffen werden insbesondere die Unternehmehen Intel und TSCM sein. Das Gesetz bietet Anreizsysteme in zweierlei Hinsicht. Bisher sollten Investitionsanreize die Ansiedlung von Industrien in einem Land oder einer Region unterstützen. Diesmal sollen sie zugleich den Aufbau oder die Expansion von Industrien in anderen Ländern verhindern.

Über Jahrzehnte wurde seitens der USA offener Wettbewerb von Welt gefordert. Dies galt für Industrien, Standorte oder auch Humankapital. Die Begründung war, dass Wettbewerb letztlich den Wohlstand für alle - und natürlich auch für die USA - erhöht. Diese Begründung ist immer noch richtig. Im Umkehrschluss lautet die Folgerung, dass diese Art der US-Politik den Wohlstand der Welt in der Tendenz senkt. Die schon bestehenden Gräben werden vertieft. Wie soll die chinesische Seite ihren Respekt vor den USA behalten, wenn diese sich in ihrem kulturellen Kern, der Marktwirtschaft, nicht in den Wettbewerb traut?

Unsere gesellschaftliche Aufgabe ist es nicht im Wettbewerb zu gewinnen, weil wir der Gegenseite Stöcke zwischen die Beine geworfen haben, sondern weil unsere Strukturen in gesellschaftlicher, wirtschaftlicher, wissenschaftlicher und kultureller Hinsicht so attraktiv sind, dass sie entsprechend Geld und Menschen anziehen. Das ist der Punkt, wo es an Investitionen fehlt.

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den USD gegenüber dem EUR favorisiert. Ein Überschreiten des Widerstandsniveaus bei 1.0450 - 1.0480 neutralisiert den positiven Bias des USD.

Viel Erfolg!


© Christian Buntrock
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