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Antony C. Sutton “The War On Gold” ist echter Klassiker, der begeistert

06.08.2022  |  Prof. Dr. Thorsten Polleit
Im Jahr 1977 veröffentlicht der US-amerikanische Ökonom und Historiker Antony Cyril Sutton sein Buch "The War On Gold". Der Titel verspricht nicht zu viel. Suttons Buch ist ein ökonomisches, geld- und zeitgeschichtliches und natürlich auch (geo-)politisches Dokument, das dem Leser die Augen öffnet, ihn an vielen Stellen geradezu aufrüttelt und unmissverständlich in Kenntnis setzt über die höchst problematische Wendung, die die weltweite Kredit- und Geldsystemarchitektur im 21. Jahrhundert, vor allem aber seit dem Ende des Systems von Bretton Woods am 15. August 1971 genommen hat.

Open in new windowAntony Cyril Sutton wurde am 14. Februar 1929 in Großbritannien geboren. Er studierte in London, Göttingen und Los Angeles. Als Professor für Wirtschaftswissenschaften unterrichtete er an der California State University in Los Angeles.

Er veröffentlichte eine Reihe von Büchern, die durchaus zur Gattung "revisionistische Geschichtsdeutung" zu zählen sind. Zu Suttons bekannteren Werken sind zu zählen "Wall Street and the Bolshevik Revolution" (1974); “Wall Street and FDR” (1975); “Wall Street and the Rise of Hitler” (1976); und vor allem “America's Secret Establishment: An Introduction to the Order of Skull & Bones” (1983). Sutton starb am 17. Juni 2002.

Was erwartet den Leser in Suttons "The War On Gold"? Ihn erwartet ein durchweg spannendes, sehr gut lesbares, verständliches und gut recherchiertes Buch, gegliedert in zwölf Kapitel, das nicht nur Goldexperten, sondern auch geldtheoretisch und währungshistorisch Interessierte von Beginn an begeistert. Es ist ein Buch über das Gold, seine Rolle in der Geldgeschichte der Menschheit, das zeitlose Erkenntnisse bereithält - und das vermutlich gerade auch deshalb fasziniert, weil es in einer Zeit verfasst wurde, in der man erst kurz zuvor den offiziellen Währungen die Golddeckung entzogen hatte.

Kapitel 1: Sutton erklärt, warum das Gold seit je her das bevorzugte Geld war. Dazu führt er Chinas gescheitertes Papiergeldexperiment 1000 Jahre v. Chr. an; und er weist auch auf die 700-jährige Erfolgsgeschichte des byzantinischen Gold Solidus hin.

Kapitel 2: An drei neuzeitliche Papiergeldfiaskos wird erinnert - die französischen Assignaten von 1989-1796; das britische "Papier-Pfund" von 1797-1821; und die US-amerikanische Continental Currency (1775-1779).

Kapitel 3: Hier wird erklärt, warum Gold eine Geldart ist, das alle - Geldverwender wie auch Geldproduzenten - diszipliniert. Sutton verdeutlicht das anhand der Lateinischen Münzunion (1865-1914/1926) und der US-amerikanischen Erfahrung mit Gold (von den Anfängen bis zum "Ende"). In diesem Zusammenhang kommt auch der neuzeitliche "totalitär motivierte Angriff auf das Gold" zu Sprache.

Kapitel 4: Hier geht es um den "Inflations-Ballon“, der sich ab den 1920er Jahren begann aufzublähen, um Gründung und Politik der Zentralbanken, den Zusammenhang zwischen Geldmenge und Inflation sowie Gold als "The Asset of Last Resort" (das übrigens auch immer wieder als Pfand für zwischenstaatliche "Notkredite" diente).

Kapitel 5: Überschrieben mit "The Paper Factory", wird die Entstehung der US-Zentralbank (Fed) geschildert und die kritische Rolle des Vertrauens für das ungedeckte Geld thematisiert; und ein Gerichtsurteil wird aufgeführt, das die von der US-Zentralbank ausgegebenen Banknoten für wertlos erklärt hatte, was aber folgenlos blieb.

Kapitel 6: Um den Goldpreis gegen die Marktkräfte bei den offiziellen 35 US-Dollar pro Feinunze zu halten, organisierten die großen Zentralbanken ab 1961 den "London Gold Pool", der aber spätestens am 14. März 1968 scheiterte.

Kapitel 7: Hier wird die Frage behandelt, wer all das Gold kaufte, das die USA und Großbritannien in den 1960er und 1970er verkauften. Antwort: vor allem die europäischen Zentralbanken haben es gekauft.

Kapitel 8: Die Probleme, die der mit ungedecktem Geld finanzierte Schuldenturm verursacht, und welche Verfallserscheinungen sich bereits in den 1970er Jahren zeigten, werden hier offengelegt. Hier kommt auch die bekannte "Exter Pyramid", benannt nach John Exter (1910-2006), zur Sprache (siehe nachstehende Abbildung): Entsprechend einer umgekehrte Pyramide befinden sich die risikoreichsten Finanzanlagen oben, das (Ausfall-)Risiko nimmt nach unten hin ab (der Liquiditätsgrad steigt), und die gesamte Pyramide fußt letztlich auf Gold und Silber, den "natürlichen" Geldarten.

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Kapitel 9: Es erinnert an den G6-Gipfel in Rambouillet, Frankreich, der am 15. bis 16. November 1975 stattfand, und der das System von Bretton Woods ganz offiziell zu Grabe trug. Dabei wurde klar, dass die USA die feste Absicht hatten, die Dollar-Dominanz zu bewahren. Während die anglosächsischen Zentralbanken ihren "Anti-Gold"-Kurs fortsetzen, hielten die europäischen "Pro-Gold"-Zentralbanken am gelben Metall fest.

Kapitel 10: Ab Mitte der 1970er Jahren entstand ein neuer Goldmarkt, und obgleich Sutton damit rechnete, dass das US-Schatzamt weiter als "Bear Operator" tätig bleiben würde (beispielsweise durch "irritierende" Gold-Verkaufsauktionen), hielt er einen stark steigenden Goldpreis in den kommenden Jahren für wahrscheinlich.

Kapitel 11: Noch in den 1970er war Südafrika der weltweit bedeutendste Goldproduzent. Wenig überraschend daher, dass die US-Administration Südafrika nicht wohl gesonnen war - sogar eine Invasion wurde geplant, zumindest auf dem Papier.

Kapital 12: Die Frage "Gold is dead, isn’t it?" beantwortet Sutton mit nein. Er stellt - im Jahr 1977 - den Zusammenbruch der Fiatgeld-Kreditpyramide in Aussicht, möglicherweise begleitet von Hyperinflation. Angesichts eines solchen Szenarios sieht Sutton im Gold das ultimative Zahlungsund Wertaufbewahrungsmittel; eine einzigartige Stellung des Goldes also, die aus Suttons Sicht auch ein "Krieg gegen das Gold" nicht überwinden wird.

Abschließend seien zwei Anmerkung gemacht. Erstens: Sutton, wie übrigens auch viele andere ausgewiesene Kenner des Goldes und der Probleme des Fiat-Geldsystems, hat die "Beharrungstendenz", die "Selbsterhaltungskräfte" des Fiatgeldsystems ganz offensichtlich unterschätzt.

Etwa 45 Jahre nach der Veröffentlichung seines Buches steht das weltweite Fiatgeldsystem, trotz aller Krisen und Erschütterungen, immer noch, und die Kreditpyramide ist zudem auch noch höher und erdrückender denn je. Das ist ein Hinweis, dass das "System Fiatgeld" ganz offensichtlich langlebiger zu sein scheint, als man es vielleicht angesichts der Schäden, die es verursacht, erwarten würde. An der inhaltlichen Problemdiagnose, die Sutton vorlegt, ändert das jedoch nichts.

Zweitens: Sutton identifiziert eine "Spaltung" im Lager der Zentralbanken in den frühen 1970er Jahren: auf der einen Seite die angelsächsischen Zentralbanken mit ihrer "Anti-Gold"-Haltung, auf der anderen Seite die europäischen "Pro-Gold"-Zentralbanken. Doch diese Spaltung, wenn sie denn jemals so existiert hat, dürfte mittlerweile aufgehoben sein. Blickt man auf die Geldpolitik der Zentralbanken in den letzten Jahrzehnten, so drängt sich vielmehr der Eindruck einer "Kartellierung" zwischen den Zentralbanken auf: Sie haben ihre Geldpolitik mehr oder weniger vereinheitlicht, koordiniert, aufeinander abgestimmt.

Gleichwohl haben die weltweiten Goldverkäufe der Zentralbanken spätestens Anfang 2009 aufgehört, seither nehmen sie sogar wieder zu. Daraus spricht ein Gesinnungswandel: Das Kartell der Zentralbanken sieht im Gold (wieder) eine verlässliche Währungsreserve, eine "Versicherung" gegen die Fiatgeld-Risiken, die in ihren Bilanzen stecken. Aus Suttons "The War On Gold" könnte daher so gesehen vielleicht so etwas wie "The War On Gold In Private Hands" werden.

Wir hoffen, die wenigen Anmerkungen in diesem Aufsatz haben Sie, verehrte Leserin, geehrter Leser, neugierig gemacht auf Antony C. Suttons Buch "The War On Gold" - das Sie übrigens kostenlos herunterladen können: Klicken Sie dazu hier.


© Prof. Dr. Thorsten Polleit
Auszug aus dem Marktreport der Degussa Goldhandel GmbH


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