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Türkische Zentralbank sendet Gold nach London. Bedarf an Devisen?

10.08.2022  |  Jan Nieuwenhuijs
Nachdem sie im Jahr 2018 etwa 104 Tonnen Gold von der Bank of England (BoE) zurück ins Land schaffte, schickte die Zentralbank der Türkei (CBRT) 2020 und 2021 Gold zurück nach London. Inmitten wirtschaftlicher Unruhen, die die türkische Lira schwächen, verwendet die CBRT ihr Gold bei der BoE wahrscheinlich als Sicherheit für Devisenkredite. Die Situation der Türkei erinnert an die von Venezuela vor einigen Jahren.

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Die Kalkulation der türkischen Nettogoldreserven ist kompliziert, da die CBRT und das türkische Finanzministerium seit 2011 mehrfach Goldleihtransaktionen durchführten, die alle in der Bilanz der Zentralbank gelistet werden. Vereinfacht gesagt: Ich habe die Tonnen, die "sich im Besitz der Zentralbank" befinden, aus dem Jahresbericht der CBRT entnommen - dies schließt Gold aus, das von Banken als Mindestreserve eingereicht wurde sowie das Gold des Finanzministerium - und ausstehende Lira für Goldswaps* abgezogen.

Der World Gold Council (WGC) berechnet die Nettogoldreserven der Türkei anders. Meine Schätzungen für die türkische Nettogoldreserven zum 31. Dezember 2021 liegen bei 354 Tonnen, etwa 300 Tonnen weniger als das, was der IWF berichtet, während der WGC von 394 Tonnen ausgeht.

*Ein Swap in diesem Artikel bezieht sich auf einen Kassaverkauf (z. B. Verkauf von Gold gegen Dollar), der durch ein Termingeschäft (Kauf von Gold mit Dollar) zu einem geringfügig höheren Preis, der einen Zinssatz widerspiegelt, rückgängig gemacht wird. Ein Swap kann ebenso als ein besicherter Kredit angesehen werden (Kreditaufnahme in Dollar mit Gold als Sicherheit).


Zurücksendung des zurückgeführten Goldes

Laut ihren Jahresberichten führte die CBRT in den Jahren 2017 und 2018 all ihr Gold von der Federal Reserve Bank von New York (FRBNY) und der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) sowie alles Gold aus der BoE, mit Ausnahme von 6 Tonnen, zurück ins Inland. All dieses zurückgeführte Gold wurde in die Tresore der Borsa Istanbul gebracht. Die CBRT wird stark vom türkischen Präsidenten Erdogan beeinflusst, der angespannte Beziehungen mit dem Westen hat. Die Zentralbank bevorzugt es, das Gold auf eigenem Boden einzulagern, um Rivalen daran zu hindern, es während Streitigkeiten als Druckmittel verwenden zu können.

Dennoch beförderte die CBRT 2020 ihr Gold zurück aus der Türkei nach London, was einer der liquidesten Goldmärkte weltweit ist. Ende 2021 hielt die CBRT 78 Tonnen Gold bei der BoE. Möglicherweise möchte sie das Gold in London für Notfallverkäufe halten. Wahrscheinlicher noch ist, dass das Gold gegen Devisen eingetauscht wird, um die Lira zu verteidigen oder internationale Zahlungen zu tätigen. Die türkische Wirtschaft ist in Schwierigkeiten. Die Verbraucherpreisinflation liegt bei 80% und die türkische Lira hat in weniger als 14 Jahren etwa 90% ihres Werts gegenüber dem USD verloren. Die Währungskrise zehrt an den Devisenreserven des Landes.


Parallelen zu Venezuela

Die Ähnlichkeiten zwischen der Türkei und Venezuela sind bemerkenswert, vor allem weil die Wirtschaftspolitik beider Länder irrational ist. In einem Akt des wirtschaftlichen Nationalismus ordnete der Sozialist Hugo Chavez, der damalige Präsident Venezuelas, im Jahr 2011 an, dass 85% der Zentralbankgoldreserven ins Land zurückgeführt werden sollten. Zwei Jahre später erreichte die Inflation aufgrund einer zerstörerischen Geldpolitik 40% und der venezolanische Bolivar begann seinen starken Fall.

Aufgrund eines Bedarfs an Devisen unterzeichnete die venezolanische Zentralbank (BCV) im Jahr 2015 eine Swap-Vereinbarung mit der Citibank, bei der das Gold verwendet wurde, das sich noch immer in London befand. "Der Wert des Goldes wird weiterhin in der Bilanz der Zentralbank auftauchen" wurde zum damaligen Zeitpunkt berichtet.

Im Jahr 2016 berichtete ich, dass die BCV aufgrund eines erneuten Bedarfs an Devisen ihr Gold in die Schweiz transferierte. Die finanziellen Bedingungen hatten sich im von Sozialisten geführten Venezuela nicht verbessert und 2017 ließ die BCV einen Swap auslaufen. Die Goldsicherheit ging verloren. Dann hatte Venezuela die Hyperinflation erreicht. In den folgenden Jahren verkaufte Venezuela weiterhin Währungsgold im Ausland, um den Import grundlegender Waren zu bezahlen. Zusätzlich verdiente der aktuelle Präsident Maduro Geld mit dem Schmuggel von Konfliktgold. Wie viel Währungsgold die BCV letztlich übrig hat, ist unbekannt.

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