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Wenn Handel vom Demokratisierungsgrad abhängig wäre

10.08.2022  |  Christian Buntrock
Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1,0214 (06:00 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1,0192 im US-Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 134,94. In der Folge notiert EUR-JPY bei 137,86. EUR-CHF oszilliert bei 0,97408.

Die europäischen und US-Märkte lagen an Widerstandslinien, an denen sich der Verkaufsdruck entsprechend erhöhte. Die Signallage an den Märkte bleibt widersprüchlich, nach den Stimmungsindikatoren bleiben insbesondere institutionelle Anleger vorsichtig und planen die Aktienquoten zu senken, auf der anderen Seite hat der Markt in der letzten Aufwärtsbewegung an Breite gewonnen. Letztlich werden in den nächsten Wochen die Fundamentaldaten zur Inflation, aus denen sich die Zentralbankpolitik ableitet, dem Markt eine Richtung vorgeben.

Sollte Deutschland seinen Außenhandel vom Demokratisierungsgrad abhängig machen?

In der deutschen Politik werden in jüngster Zeit Veränderungen über den Außenhandel diskutiert. Die Außenpolitik will feministisch sein und eine regelbasiere Ordnung an der Seite der USA fördern. Zugleich wird diskutiert, ob Deutschland weniger abhängig von autoritären Handelspartnern werden sollte, wobei China zur Disposition gestellt wird, aber mehr Öl in Katar gekauft werden soll.

Es stellt sich die Frage, wie sich der Außenhandel verändern würde, wenn wir Änderungen nicht mit Bauchgefühl, sondern regelbasiert - wie von Frau Baerbock gefordert - vornehmen würden.

Dazu bewerten wir im ersten Schritt unsere Handelspartner an Hand der Demokratiequalität, wie sie z.B. seitens der Demokratiequalität durch die Universität Würzburg gemessen wird. Einen Link zur Auflistung finden Sie hier: https://www.demokratiematrix.de/ranking

Beurteilt werden die Länder in einem Index-Ranking zwischen 0 ( vollkommen unfreier Staat) und 1 (sehr gut ausgeprägte Demokratie) an Hand verschiedener Merkmalsausprägungen, zusätzlich werden die Staatsformen in die folgenden fünf Kategorien:

1 .Funktionierende Demokratie
2. Defizitäre Demokratie
3. Hybrides Regime
4. Moderate Autokratie
5. Harte Autokratie

Dabei kann durch die Merkmalsausprägungen, die zur Benotung der Länder führen, im Einzelfall ein autokratischeres System besser Abschneiden als ein etwas demokratischeres System, da es den Menschen mehr Teilhabe, Freiheit und Rechtssicherheit bieten kann als ein formell demokratischeres System.

Im nächsten Schritt schauen wir, wer unsere größten Handelspartner sind und führen diese - gemessen am gesamten Außenhandel - mit den Daten zum Demokratieindex zusammen:

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Tabelle1: Auszug aus dem erstellten Datensatz; Quelle: https://www.demokratiematrix.de/ranking , Destasis, eigene Berechnung und Darstellung.


Wir stellen fest, dass unsere größten Handelspartner in der Regel funktionierende Demokratien oder defizitäre Demokratien (USA, Polen) sind, mit der Ausnahme von China, als harte Autokratie. Welche Auswirkungen hätte es jetzt, Handelspartner regelbasiert auszuschließen?

Würde man den Handel nur mit harten Autokratien einstellen, würden dies unter den größten Handelspartnern nur China mit 9,55% des deutschen Außenhandels betreffen, insgesamt macht der Handel mit harten Autokratien ca.10,4% des Außenhandels aus. Rein am diesem gemessen müsste Deutschland alleinig bei Chinasanktionen die vierfache Wirkung der Russlandsanktionen ertragen und Direktinvestitionen der deutschen Wirtschaft in Milliardenhöhe abschreiben. Würde Deutschland das überstehen?

Würde regelbasiert vorgegangen werden, wäre in der Folge auch die Vermittlung des Kaufs von Öl aus Katar sportlich, bei einem nur minimal höheren Demokratieindex als China und 6500 toten Gastarbeiten zum Aufbau der Stadien im Land. Spätestens die Unterzeichnung des Gasabkommen der EU durch von Ursula von der Leyen mit Ilham Aliyev, dem Präsidenten Aserbaidschans (Demokratie Index 0,136), wäre regelbasiert hinfällig.

Würden die Bedingungen weiter verschärft, käme es zum Verzicht der aufgelisteten Anteile am Außenhandel in der Spalte "Summe abwärts", die Sie in der Tabelle 2 finden.

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Quellen: https://www.demokratiematrix.de/ranking , Destasis, eigene Berechnung und Darstellung.


Dabei handelt sich nur um den direkten Handel, die Auswirkungen von weiteren Effekte stellen wir an dieser Stelle nicht dar. Zu diesen würde gehören, dass der Handel mit Vorprodukten entlang der Lieferketten mit z.B. Demokratien, die später eine Autokratie erreichen würden, auch unterbleiben müssten.

Auf der Bewertungsebene bleibt offen, ob wir die Werte der Demokratie mit wirtschaftspolitischem Feuer und Schwert verbreiten wollen, indem wir nach unserer Messung und Definition andere für demokratisch oder undemokratisch erklären. Hilft es den Meschen vor Ort, wenn sie aus dem Welthandel ausgeschlossen werden oder dient dies mehr dem eigenen Bedürfnis "etwas getan zu haben?" Fest steht, dass die Kosten für alle Beteiligten - auch für uns - enorm wären.

Aus Sicht des Autors haben wir dränierende Probleme, an die die überdurchschnittlich heißen Tage uns wieder erinnern werden. Ein grüne Transition wird Europa ohne China und autokratische Länder nicht gelingen. Mit dem erhofften Handel mit Katar und Aserbaidschan treiben aus Sicht demokratischer Standards Deutschland und die EU im Energieeinkauf den Teufel mit dem Beelzebub aus.


Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den USD gegenüber dem EUR favorisiert. Ein Überschreiten des Widerstandsniveaus bei 1.0450 - 1.0480 neutralisiert den positiven Bias des USD.

Viel Erfolg!


© Christian Buntrock
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