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Reichen die Inflationsdaten für ein Umschwenken der Federal Reserve ...?

11.08.2022  |  Christian Buntrock
Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1,0288 (06:00 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1,0202 im US-Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 133,15. In der Folge notiert EUR-JPY bei 136,98. EUR-CHF oszilliert bei 0,9709.

Die europäischen und wie auch die US-Märkte stiegen gestern deutlich, insbesondere nach der Veröffentlichung der Verbraucherpreise. Während die europäischen Märkte dabei noch nicht die Widerstandzonen nachhaltig brechen konnten, sieht der S&P 500 mit dem Anstieg über 4.200 Punkte unter technischen Aspekten konstruktiv aus. Die nächsten relevanten Widerstände liegen aktuell bei 4.400 Punkten und 4.800 Punkten. Auf der Währungsseite konnte der Euro gegen den US-Dollar deutlich zulegen. Auch Gold verteuerte sich zunächst, gab dann seine Gewinne im Handelsverlauf aber wieder ab.


Die Inflationsdaten überraschen den Markt positiv

Die gestern veröffentlichten Inflationsdaten fielen schwächer als erwartet aus. So fiel die Inflation auf Basis der Konsumentenpreise im Juli im Jahresvergleich von 9,1% auf 8,5% (Prognose: 8,7%).

Auch mit Monatsvergleich lagen die Daten mit 0,3% unter den Erwartungen von 0,5% und dem Vorwert von 0,7%.

Dies macht den Marktteilnehmern Hoffnung, dass die Federal Reserve nicht so stark an der Zinsschraube drehen muss, wie bisher erwartet. In der Folge fiel die aus Handelsdaten abgeleitete Wahrscheinlichkeit einer 75 Basispunkte-Zinserhöhung von zuvor 77% auf 44%.

Ob diese Hoffnung berechtigt ist, wird den Markt in den nächsten Wochen immer wieder beschäftigen, eben bis es Gewissheit durch die Federal Reserve gibt. Die Argumentation der geldpolitischen Tauben setzt dabei auf die Energiepreiskomponente. Diese ist durch die zurückgegangenen Energiepreise stärker gefallen als erwartet und sorgt somit für Entlastung.

Die geldpolitischen Falken schauen auf die Kerninflation für den zugrunde liegenden Inflationstrend. Auch hier kam es zu einer Abschwächung, die vor allem auf den Kraftfahrzeugsektor und den Reisesektor zurückzuführen war. Der Kerninflationsindex stieg im Monatsvergleich um 0,3% (gegenüber 0,7% im Vormonat).

Im Jahresvergleich blieb der Kern-Verbraucherpreisindex im Juni bei 5,9%. Berücksichtigen wir aber steigende Löhne und Preise für Dienstleistungen, ist ein Anstieg der Kerninflation Richtung 6,5% - 7,0% realistisch.

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Quelle: Bloomberg, eigene Darstellung.


Entscheidend ist die Antwort auf die Frage, ob die Federal Reserve die Kerninflationsrate, deren Spitze uns noch bevorsteht, sich einfach ohne deutliche Verschärfung austoppen lässt. Da Powell der Inflationsbekämpfung volle Priorität einräumt und der Schaden von beharrlich hohen Inflationserwartungen größer ist als der Nutzen einer als weicher werdend wahrgenommenen Geldpolitik, halte ich einen Zinsschritt von 75 Basispunkten für das wahrscheinlichste Szenario.


Passt Biden die US-Zollpolitik an?

In den USA stehen am 08. November die Midterm Elections an. Die Demokraten fürchten, für die hohe Inflation und eine aufkommende Rezession abgestraft zu werden. Um die Inflation weiter abzumildern, prüft die US-Regierung die teilweise Aufhebung von Zöllen gegen chinesische Importe. Die Aufhebung der Zölle hat den Nachteil, dass dadurch US-Anbieter vermehrt chinesische Konkurrenz spüren würden, mit entsprechenden Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt.

Für einen Teil der Störung der Lieferketten und der Inflationsrate sind in der Tat die Republikaner verantwortlich, die jetzt die Probleme den Demokraten anlasten können. Sobald der US-Arbeiter von erhöhter Konkurrenz - die zudem noch aus China kommt - betroffen ist, können sich die Republikaner als Verteidiger des kleinen Mannes stilisieren. Damit wird die Senkung der Zölle ein Va Banque Spiel für die Regierung.

Volkswirtschaftlich schädlich, aber politisch optimal wäre die Aufhebung von bestimmten Zöllen bei simultaner Einführung von Subventionen für die vom erhöhten Wettbewerb betroffenen US-Unternehmen. Hierdurch würden diese keine Stellen abbauen, aber müssten die Preise aufgrund des erhöhten Wettbewerbs senken. Wir sind gespannt, welche Lösung die US-Administration wählt.


Rückblick: War Pelosis Reise erfolgreich?

Die Kapitalmärkte haben schnell die Eskalation um Taiwan als das angesehen, was es im Endeffekt war: Säbelrasseln und ein Beharren auf einer eigenen Position. Beachtenswert sind die politischen Nachwehen, nicht in Europa, das mehrheitlich an der Seite der USA steht, sondern in den asiatischen Ländern, vor deren Haustür sich das Geschehen abgespielt hat. Die Analyse dort liest sich anders, als der westliche Leser sie zu Augen bekommt.

So äußert sich ein Direktor des Institute of Strategic and International Studies in Malaysia wie folgt: “Most Southeast Asian countries will view the United States as having provoked China’s entirely predictable overreaction.” Diese Äußerung passt dazu, dass Süd Koreas Präsident Frau Pesoli für ihr Verhalten rügte, Indien sich zu dem gesamten Zwischenfall nicht äußert und die Association of Southeast Asian Nations betonte, dass sie nur die "Ein China-Politik" anerkennt. Ob Pelosis Reise die Bemühungen Joe Bidens eine Koalition gegen den Zugriff Chinas auf das Chinesische Meer und Taiwan zu bilden unterstützt hat, erscheint zweifelhaft.

In Taiwan selbst scheint sie hingegen Pluspunkte gewonnen zu haben. Selbst die taiwanesische Opposition, die als China-freundlich bekannt ist, begrüßte den Besuch. Auch die US-Kritik an der Reise ist nach dem Beginn weitgehend verstummt, stattdessen schlossen sich die Reihen gegenüber China.

Den Versuch Bidens, Bündnisse in Asien zu stärken und zu schmieden, hat Pelosi vermutlich aus Starrsinn hintertrieben. Die eigenen Ambitionen waren wichtiger. Die traditionellen Bündnispartner der USA haben wie erwartet Position bezogen, der Graben zu China wird tiefer, die asiatischen Länder spielen weiter nach Bedarf beide Seiten, aber sehen die USA auch als Teil des Problems und nur bedingt als Lösung, wie vom Westen erhofft.

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den USD gegenüber dem EUR favorisiert. Ein Überschreiten des Widerstandsniveaus bei 1.0450 - 1.0480 neutralisiert den positiven Bias des USD.

Viel Erfolg!


© Christian Buntrock
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