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Silberpreis springt um 9,3% an einem Tag - Knickt die FED nach der BOE ein?

04.10.2022  |  Markus Blaschzok
Der Silberpreis sprang zum Wochenstart an nur einem Handelstag um 9,3% auf 20,76 $ nach oben, als Spekulanten ihre historisch starke Shortposition am Terminmarkt eindecken mussten. Dies war der stärkste Tagesgewinn seit 2008, dem Jahr des Bankrotts der US-Investmentbank Lehman Brothers, was den Beginn der großen Kredit- und Währungskrise markierte, auf die die ersten QE-Programme folgten.

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Der Silberpreis stieg an einem Tag um über 9% an


Auch diesmal war der Hintergrund der panikartigen Silberkäufe ähnlich. Nachdem in den letzten Wochen die Ausfallversicherungen (CDS) auf Anleihen der Banken Credit Suisse und Deutsche Bank auf die Niveaus von 2008 angestiegen waren, während die Aktie der Credit Suisse auf ein Rekordtief fiel, machten am Wochenende Gerüchte über einen bevorstehenden Bankrott der Credit Suisse die Runde.

Die US-Notenbank würde vermeintlich eine Sondersitzung planen, um die Märkte zu stützen und eine ähnliche Währungs- und Kreditkrise wie in 2008 zu verhindern. Der starke Anstieg der Zinsen in diesem Jahr von 0,5% auf 4% für zehnjährige US-Staatsanleihen hatte die nach billigem Geld süchtige Weltwirtschaft auf kalten Entzug gesetzt, worauf nun ein Herzstillstand des Finanzsystems droht.

Genau aus diesem Grund hatte die Bank of England (BOE) in der letzten Woche eine plötzliche Kehrtwende ihrer Geldpolitik eingeleitet und wieder mit Käufen langfristiger Staatsanleihen begonnen. Die hoch gehebelten Pensionsfonds standen vor dem Zusammenbruch, was einen Kollaps des Anleihenmarktes, explodierende Zinsen und folgend einen Einbruch der britischen Wirtschaft nach sich gezogen hätte. Das Ende der neuen Regierung, die auf mehr Schulden und Ausgaben setzt, wäre dann sehr schnell gekommen. Daher hat man anstatt des unmittelbar bevorstehenden Starts eines QT-Programms mit Verkäufen von Staatsanleihen, mit dem Kauf von Staatsanleihen begonnen.

Dieses neue QE (Quantitative Easing) erhöht die Geldmenge erhöht und wird die grassierende Inflation von 10% im Vereinigten Königreich nur noch weiter anheizen.

Damit flog der Bluff der Notenbanker auf, wonach sie angeblich in der Lage wären die Inflation unter Kontrolle zu bringen auf, worüber ich in diesem Jahr viele Male schrieb. Die BOE wird nie die Geldmenge nennenswert reduzieren können, geschweige denn kurzfristig die Zinsen weiter anheben, um dem Wertverfall des britischen Pfunds Einhalt zu gebieten, wenn sie nicht einmal in der Lage ist mit QT zu beginnen, ohne dabei einen Zusammenbruch des sozialistischen ungedeckten Fiat-Money-Geldsystems auszulösen. Die Inflation wird also bleiben und sie wird zunehmen, was Investoren langsam klar wird, weshalb diese zunehmen in Edelmetalle investieren werden.

Andrew Bailey, der Gouverneur der Bank of England, war noch unmittelbar vor seinem Einknicken ultra hawkish, ebenso wie es FED-Chef Powell noch ist. Nach dem historischen Einbruch des Pfunds Sterling auf nahe der Parität zum US-Dollar, schrieb ich vergangenen Montag bereits, dass ein Eingreifen der Notenbanken unmittelbar bevorstünde. Auch der Goldpreis reagierte mit einer prompten Trendumkehr und stieg von 1.616 $ auf 1.664 $ in einem Short-Squeeze an, nachdem BOE-Governor Andrew Bailey eingeknickt war.

Es ist daher logisch, dass die Märkte, angesichts des möglichen Bankrotts einer für das ungedeckte Kreditgeldsystem relevanten Großbank, nun auch das Einknicken der US-Notenbank eskomptieren und die Preise der Edelmetalle nach oben schießen in Erwartung weiterer Inflation, während der USD-Index einbricht. Der Anstieg des Cable (GBP/USD) auf 1,14 $ und des Euro (EUR/USD) auf 0,99 $ seit letzter Woche ist daher keine Stärke dieser Fiat-Währungen, sondern der neuen Schwäche des US-Dollars geschuldet.

Wir sehen hier wahrscheinlich die große Trendwende für den USD-Index, sowie vorerst das Ende der Leitzinsanhebungen und somit wahrscheinlich auch die große Trendwende am Edelmetallmarkt. Ich habe mit meinen Lesern lange darauf gewartet und konnte daher meinen Premium-Abonnenten in der letzten Woche ein Kaufsignal für die Edelmetalle geben.

Auch wenn mittlerweile selbst die Vereinten Nationen ein Ende der Leizinsanhebungen von den Notenbanken fordern, wie das Wall Street Journal berichtete, gibt es kurzfristig noch die Gefahr, dass die FED nicht sofort einknicken wird, was die Rallye am Edelmetallmarkt mit einem wieder stärkeren US-Dollar noch einmal ausbremsen könnte, worauf sich Daytrader vorbereiten müssen.

Insbesondere die Arbeitsmarktdaten am Freitag könnten die Stimmung noch einmal verderben, wenn diese gut ausfallen sollten und mit einem nochmaligen Zinsschritt gerechnet wird. Aktuell erwartet 60% des Marktes einen weiteren Zinsschritt um 50 Basispunkte zum nächsten Zinsentscheid am 2. November, wobei 40% immer noch mit einem weiteren Zinsschritt um 75 Basispunkte rechnen, wie die Fed Funds Futures zeigen.

Ein nochmaliger Rücksetzer würde all jenen, die diesen Anstieg verpasst haben, womöglich noch einmal eine finale Chance für einen guten Einstieg liefern. Im großen Bild dürfte das Einknicken der BOE jedoch die große Trendwende am Edelmetallmarkt darstellen, auch die US-Notenbank bald einknicken und ein neuer zyklischer Anstieg bei Gold, Silber und den Minenaktien beginnen.


Gold- und Silberminenaktien vollziehen Trendwende

Auch der Goldpreis konnte gestern einen wichtigen technischen Widerstand bei 1.680$ überwinden, was ein weiteres prozyklisches Kaufsignal lieferte und Spekulanten sukzessive aufsprangen. Der Goldpreis erlebte in der letzten Handelswoche bereits einen Short-Squeeze, sodass der Preisanstieg hier zum Wochenstart nicht so spektakulär war, wie jener am Silbermarkt. Die Gold- und insbesondere die Silberminen verbuchten ebenso extreme Kursgewinne. Der HUI-Goldminenindex stieg allein gestern um 5% an, nachdem der langfristige Aufwärtstrend bei 180 Punkten in der Vorwoche erfolgreich getestet und verteidigt wurde.

Nachdem nun die erste Notenbank eine Trendwende ihrer Geldpolitik vollzogen hat und der Bluff der Inflationsbekämpfung aufflog, ist es sehr unwahrscheinlich geworden, dass das Verlaufstief am Aufwärtstrend bei 180 Punkten beim HUI-Goldminenindex noch einmal getestet wird. Viel wahrscheinlicher ist, dass sukzessive Kaufdruck aufkommt und die Notierungen weiter ansteigen werden. Mit einem Einknicken der US-Notenbank dürfte es dann kein Halten mehr geben und die Minenaktien überproportional zu Gold und Silber davon profitieren im nächsten Jahr.


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