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Starke Verbraucherausgaben vor dem Weihnachtsgeschäft

27.11.2022  |  Frank Holmes
Die Wirtschaft mag auf wackligen Beinen stehen, aber das sieht man den Konsumgewohnheiten der US-Verbraucher allein nicht an. Den Daten des Census Bureau zufolge stiegen die Einzelhandelsumsätze im Oktober um gesunde 1,3% gegenüber September. Einige Volkswirtschaftler relativieren diesen Anstieg, indem sie darauf hinweisen, dass Amazon im Oktober eine Prime-Early-Access-Verkaufsaktion durchführte, während Kalifornien über 5 Milliarden Dollar an Inflationsausgleichsschecks verteilte. Höhere Preise für alles, einschließlich neuer Fahrzeuge und Kraftstoffe, trugen ebenfalls zum Anstieg der Einzelhandelsumsätze bei.

Trotz der hartnäckig hohen Inflation und der Rezessionsängste werden sich die Ausgaben der Verbraucher im Vorfeld des großen Weihnachtsgeschäfts nicht verlangsamen. Die National Retail Federation (NRF) geht in ihrer jährlichen Prognose für das Weihnachtsgeschäft davon aus, dass die Umsätze im Vergleich zum Vorjahr um 6% bis 8% steigen werden. Damit könnte diese Saison das drittbeste Jahr in den letzten 20 Jahren werden, nach 2020 und 2021, als die amerikanischen Verbraucher zu Hause festsaßen und mit den Geldern aus dem Pandemieprogramm überhäuft wurden. Der Weihnachtsumsatz könnte 960,4 Milliarden Dollar erreichen, da "die Verbraucher widerstandsfähig bleiben und sich weiterhin im Handel engagieren", sagt NRF-Präsident und CEO Matthew Shay.

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Die große Ausnahme scheint Target zu sein. Letzte Woche warnte das Einzelhandelsunternehmen mit Sitz in Minneapolis seine Aktionäre vor einer Kaufzurückhaltung in der Weihnachtssaison aufgrund höherer Preise. Obwohl der Umsatz im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahresquartal leicht gestiegen ist, was vor allem auf höhere Verbraucherpreise zurückzuführen ist, ging das Betriebsergebnis aufgrund gestiegener Ausgaben um fast 50% zurück.


Luxusmarkt wird in diesem Jahr um 21% wachsen, im nächsten Jahr um 3% bis 8%

Abgesehen von Target bin ich der Meinung, dass die Prognosen für das Weihnachtsgeschäft für den Einzelhandel unglaublich konstruktiv sind. Das gilt auch für den Luxuseinzelhandel, von dem viele für das dritte Quartal starke Ergebnisse gemeldet haben. Der Branchenführer LVMH meldete einen Umsatzsprung von 19% im Vergleich zum Vorjahresquartal, während Kering (Muttergesellschaft von Gucci) und Hermes Zuwächse von 14% bzw. 24% verzeichneten.

Letzte Woche gab Bain & Company bekannt, dass der weltweite Luxusmarkt in diesem Jahr um 21% wachsen und 1,4 Billionen Dollar erreichen wird. Das Unternehmen geht davon aus, dass der Verkauf von Luxusgütern im nächsten Jahr um weitere 3% bis 8% steigen wird, selbst wenn die Weltwirtschaft schrumpfen sollte. Anders als während der Finanzkrise 2008-2009, als die Verbraucher ihre Ausgaben für Luxusgüter reduzierten, scheint der heutige Luxusmarkt bereit zu sein, mit einer größeren globalen Verbraucherbasis und einer stärkeren Konzentration unter den Käufern mit hohem Einkommen zu expandieren, so Bain.


1,7 Billionen Dollar an Pandemie-Ersparnissen bleiben übrig

Für die starken Einzelhandelsumsätze könnten vor allem zwei Faktoren verantwortlich sein: überschüssige Ersparnisse und der Rückgriff auf Kreditkarten. In einem im letzten Monat veröffentlichten Bericht stellte die Federal Reserve fest, dass die US-Haushalte immer noch einen beträchtlichen Teil ihrer Pandemie-Ersparnisse aufbewahren. Auf dem Höhepunkt sparten die Amerikaner bis zu 33% ihres verfügbaren Einkommens. Inzwischen ist die Quote auf knapp über 3% gesunken, aber die Amerikaner haben immer noch Zugriff auf 1,7 Billionen Dollar. Das entspricht etwa 75% der gesamten Barmittel, die die Haushalte während der Pandemie gesammelt und gespart haben. Die Reserven werden immer weiter abgebaut, aber es ist immer noch genug im Tank, um den Konsum kurz- bis mittelfristig zu stützen.

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Durchschnittlicher effektiver Jahreszins erreicht neues Allzeithoch

Und wie wollen die Amerikaner ihre Transaktionen tätigen? Offenbar mit Kreditkarten. Im dritten Quartal stiegen die Kreditkartensalden im Vergleich zum Vorjahr um 15% - der größte jährliche Anstieg, seit die New Yorker Fed diese Daten aufzeichnet. Mehr als 190 Millionen Amerikaner haben mindestens eine Kreditkarte, und die Hälfte aller amerikanischen Erwachsenen hat mindestens zwei. Etwa 13% haben fünf oder mehr, so die New Yorker Fed.

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Angesichts steigender Zinssätze könnte dies ein Problem sein, das man im Auge behalten sollte. Laut CreditCards.com hat der durchschnittliche effektive Jahreszins für Einzelhandelskreditkarten gerade einen neuen Höchststand von 26,72% erreicht, wobei einige sogar unglaubliche 30% überschreiten. Einzelhandelskreditkarten unterscheiden sich von Universal-Kreditkarten dadurch, dass sie von einem Geschäft oder in dessen Namen ausgegeben werden. Zu den höchsten effektiven Jahreszinsen gehörten Karten, die von Kroger, Macy's, Exxon Mobil, Speedway und Wayfair ausgegeben wurden.


Gesamtverschuldung der Haushalte bei 16,51 Billionen Dollar

Apropos: Die Gesamtverschuldung der privaten Haushalte in den USA ist im dritten Quartal auf ein neues Rekordhoch von 16,51 Billionen Dollar gestiegen, wie aus einem separaten Bericht der New Yorker Fed hervorgeht. Dies entspricht einem Anstieg von 351 Milliarden Dollar gegenüber dem Vorquartal, was ein Zeichen für eine starke Verbrauchernachfrage und steigende Preise ist.

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Hypotheken sind nach wie vor die wichtigste Kategorie und machen fast drei Viertel der Gesamtverschuldung aus. Die Bank weist jedoch darauf hin, dass die Zahl der neuen Hypotheken für Eigenheime im Laufe des Quartals auf einen Tiefstand vor der Pandemie gesunken ist, da die 30-jährigen Hypothekenzinsen auf über 6% gestiegen sind, den höchsten Stand seit 2002.


© Frank Holmes
U. S. Global Investors



Der Artikel wurde am 21. November 2022 auf www.usfunds.com veröffentlicht und exklusiv für GoldSeiten übersetzt.


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