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COMEX-Spaß und -Spiele

24.11.2022  |  Craig Hemke
Von Zeit zu Zeit möchten wir Sie über das Ausmaß und den Umfang von zwei obskuren COMEX-Systemen informieren, die von den Banken regelmäßig zu Gewinnzwecken missbraucht werden. Dies wollen wir auch heute wieder tun. Beginnen wir mit dem "Exchange for Physical"-Prozess (EFP), den die Banken seit Jahren missbrauchen, um die Differenz zwischen den Spot- und Futures-Preisen zu arbitrieren. Vor fünf Jahren, im November 2017, drängte mich Eric Sprott, mit der Verfolgung der täglichen EFP-Summen zu beginnen, damit wir ein Gefühl für die wahre Größe und den Umfang des Programms bekommen können. Seitdem habe ich mehrere Artikel über diesen Betrug geschrieben.

Wie in diesen Artikeln erwähnt, ging der Missbrauch des EFP-Verfahrens durch die Handelsabteilung der Bank nach dem Beinahe-Zusammenbruch des Preisfindungssystems im Anschluss an den COVID-Wahnsinn im März 2020 stark zurück. Da Eric mich vor fünf Jahren gebeten hat, die täglichen Zahlen zu verfolgen, kann ich Ihnen trotzdem die Gesamtzahl der von mir gezählten EFPs für COMEX-Gold nennen... 7,649,197. Ja, das ist korrekt. Ich habe die Gesamtzahl der EFP-Geschäfte in den letzten fünf Jahren überwacht, aufgezeichnet und nachverfolgt, und die Gesamtzahl beträgt 7.649.197 COMEX-Goldkontrakte.

Wie viel Gold ist das? Nun, bei 100 Unzen je Kontrakt ist die Rechnung ziemlich einfach. Die Gesamtmenge an Gold, die angeblich "in physisches Gold umgetauscht" wurde, beträgt 764.919.700 Unzen. Ist das viel? Nun, das entspricht etwa 23.800 metrischen Tonnen. Zum Vergleich: Die Gesamtlagerbestände der USA sollen 8.135 Tonnen betragen. Zählt man zusätzlich die gemeldeten Reserven der 10 größten staatlichen Lager zusammen, kommt man auf 23.879 metrische Tonnen.

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Oder sehen Sie es einmal so: Das gesamte weltweite Minenangebot beträgt etwa 3.000 Tonnen im Jahr. Und hier haben wir die Banken, die im Laufe von fünf Jahren fast das Achtfache dieser Menge an Kontrakten gegen physische Ware tauschen. Klingt dies nach einem legitimen Teil des Preisfindungsprozesses oder ist es stattdessen nur ein Instrument der Banken, die den Goldmarkt aus Profitgründen manipulieren? Wenden wir uns nun dem anderen geheimnisvollen System zu, das die Banken zu ihrem eigenen Vorteil nutzen, nämlich dem Trade-At-Settlement- oder TAS-System. Auch über diesen Missbrauch schreiben wir schon seit geraumer Zeit.

Was wir hier zweifelsohne entdeckt haben, ist ein System, mit dem die Handelsabteilungen der Banken ihre Spread-Geschäfte in den Monaten, in denen ein "Frontmonats"-Kontrakt ausläuft und zur Lieferung übergeht, auflösen, abdecken und wieder aufstocken. Wir haben diesen Missbrauch auch beim COMEX-Silber festgestellt.

So werden beispielsweise im laufenden Monat November die Kontrakte des Dezembers 22 auslaufen und zur Auslieferung gelangen. Das Handelsvolumen und das Open Interest verlagern sich derzeit auf den nächsten Frontmonat Februar 23 für COMEX-Gold und März 23 für COMEX-Silber. Im Zuge dieses Prozesses begannen die Banken am 7. November damit, ihre Positionen abzubauen, und diese Bewegungen setzten sich in den folgenden vier Handelstagen fort. Seltsamerweise beginnt dieser Prozess immer am 7. Tag des Kalendermonats oder, wenn der 7. Tag auf ein Wochenende fällt, am Freitag davor. Und er läuft immer nur fünf Tage lang.

Für den soeben abgeschlossenen Tausch im November sind hier die täglichen Gesamtzahlen der TAS-Geschäfte sowohl für COMEX-Gold als auch für COMEX-Silber aufgeführt. Beachten Sie, dass das durchschnittliche Tagesvolumen der TAS-Trades an allen anderen Tagen des Monats unter 2.000 bei COMEX-Gold und unter 1.000 bei COMEX-Silber liegt.

• 7. November: 29.041 COMEX-Gold und 10.290 COMEX-Silber
• 8. November: 28.533 COMEX-Gold und 10.208 COMEX-Silber
• 9. November: 28.414 COMEX-Gold und 10.197 COMEX-Silber
• 10. November: 29.364 COMEX-Gold und 8.956 COMEX-Silber
• 11. November: 29.628 COMEX-Gold und 6.961 COMEX-Silber

Somit belief sich der 5-Tages-Gesamtwert in diesem Monat vor den Verfallsterminen am 22. Dezember auf 144.980 Kontrakte für COMEX-Gold und 46.612 Kontrakte für COMEX-Silber. Da dieser Prozess nun abgeschlossen ist, hat sich das tägliche TAS-Volumen wieder auf ein durchschnittliches/normales Niveau eingependelt, wie Sie anhand der Berichte vom Montag, dem 21. Dezember, sehen können.

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Was bedeutet das alles und was ist der Sinn dieses Beitrags? Sie müssen verstehen, dass die Handelsabteilungen der Edelmetallbanken das Preissystem weiterhin zu ihrem Vorteil und Gewinn ausnutzen. Zwar ist der EFP-Missbrauch seit 2020 zurückgegangen, aber die Banken drücken die Preise im Rahmen des EFP-Prozesses immer noch, wenn sie einen Handelspartner finden können. Und das TAS-System gibt den Banken die Möglichkeit, Preise zu manipulieren, indem sie massive Spread-Geschäfte von einem Frontmonat auf den nächsten verschieben.

Das Jahr 2023 wird für alle Metalle, nicht nur für die Edelmetalle, sehr interessant werden. Die physischen Vorräte und Lagerbestände gehen weltweit zurück, was - zusammen mit einer Umkehrung des Aufwärtstrends des Dollar-Index im Jahr 2022 - die Voraussetzungen für höhere Preise schaffen dürfte. Die Handelsabteilungen der Edelmetallbanken sind jedoch nach wie vor sehr stark an der Verwaltung und Manipulation der Preise beteiligt, um Gewinne zu erzielen. Auch wenn im nächsten Jahr mit höheren Preisen zu rechnen ist, sollten parabolische Bewegungen erst dann erwartet werden, wenn das System der Mindestreserve und die digitale Derivatpreisintrige der Banken endgültig scheitert.


© Craig Hemke
TF Metals Report



Der Artikel wurde am 22. November 2022 auf www.sprottmoney.com veröffentlicht und exklusiv für GoldSeiten übersetzt.


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