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Aktien freundlicher, Renditen tiefer - Öl-Preisdeckel realistisch? - Habeck zu USA/China

25.11.2022  |  Folker Hellmeyer
Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1,0425 (05:36 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1,0383 im europäischen Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 138,43. In der Folge notiert EUR-JPY bei 144,34. EUR-CHF oszilliert bei 0,9830.


Finanzmärkte: Aktien freundlich, Renditen tiefer

An den Aktienmärkten dominierte in den letzten 24 Stunden moderate Risikobereitschaft. Die USA feierten ihr Thanksgiving. An den Kapitalmärkten kam es zu einer weiteren Reduktion des Renditeniveaus. 10 jährige Bundesanleihen rentieren mit 1,84% (Vortag 1,91%), 10 jährige US-Staatsanleihen mit 3,65% (Vortag 3,69%).

Der USD hat leicht gegenüber dem Euro an Boden verloren. Edle Metalle mäandern auf den aktuellen Niveaus ohne erkennbare Dynamik (Gold 1755 USD, Silber 21,45 USD).


Öl-Preisdeckel realistisch?

Bei dem Gaspreisdeckel kommt die EU derzeit trotz Anstrengungen nicht auf eine Linie. Aktuell steht das Thema Öl-Preisdeckel auf der Agenda der G-7 Länder. Die sich dort ergebende Debatte wirft Fragen auf. Antworten fehlen. Die Interessenlage ist offenbar sehr heterogen. Ist dieser Ölpreis-Deckel schlussendlich überhaupt realistisch (auch wegen Umgehung)? Nachfolgende Grafik verdeutlicht unterschiedliche Positionen und den Verlauf der Ölsorten Brent und Urals.

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Habeck zum Thema USA/China

Hintergrund: Es geht um den Inflation Reduction Act der USA. Das ist das 370 Mrd. USD schwere Programm, mit dem unter anderem der Sektor der erneuerbare Energien und der Sektor der Industrie in den USA subventioniert werden sollen. Mit der Mittelvergabe sind Klauseln verbunden, dass die Unternehmen in den USA investieren und produzieren müssen. Aus diesem Grund ist die EU alarmiert. Sie erkennt das Risiko, dass durch diese Subventionspraktik europäische Firmen ihre Produktion nach Übersee verlagern könnten.

Kommentar: Im übergeordneten Sinn geht es um die Frage, ob sich Europa der unilateralen "US regelbasierten Ordnung" unterwerfen will oder ob Europa sich für die gesetzesbasierte Ordnung (multilateral) einsetzt. Nach dem Ausschalten der WTO-Schiedsgerichtsbarkeit durch die USA sind unzulässigen Praktiken bei Subventionen Tor und Tür geöffnet. Die EU wäre gut beraten, auf dieses Thema abzustellen. Es geht darum, die WTO in der Schiedsgerichtsbarkeit wieder handlungsfähig zu machen. Das ist auch im Interesse der Welt ex USA.

Sollten die USA das weiter torpedieren, wäre der „Paria“ in der internationalen Handelspolitik klar identifiziert. Daraus ergäben sich Handlungsmaximen im ultimativen Szenario, nämlich eine internationale Handlungsordnung ex USA multilateral aufzusetzen, denn ohne eine derartige Instanz herrschte Rechtlosigkeit, anders ausgedrückt das Recht des Stärkeren. Die US-Politik, US-Recht extraterritorial anzuwenden, ist Ausdruck dieser Politik.


Die Spannungen in der Handelspolitik mit den USA müssen laut Bundeswirtschaftsminister Habeck zeitnah gelöst werden, ansonsten sei Europa genötigt, einen anderen Schritt zu gehen. Die EU müsste dann Maßnahmen ergreifen, dass es wieder gleiche Wettbewerbsbedingungen gebe. Das hieße unter anderem eine Antwort darauf zu finden, dass die USA für Subventionen einen bestimmten Anteil von Produkten vorschrieben, die in den USA gefertigt werden müssten.

Kommentar: Ich stimme Herrn Habeck zu. Dabei sollte der Diplomatie Raum gegeben werden, bevor Subventionswettbewerbe oder Sanktionsregime Raum greifen. Die Inkraftsetzung der WTO-Schiedsgerichtsbarkeit muss in dem Kontext erörtert werden. Es geht um Rechts- und Wirtschaftsstrukturen, die für die Zukunftsfähigkeit Deutschlands und Europas von höchster Bedeutung sind. Die EU (circa 14% Anteil am Welt-BIP, Basis KKP) ist wirtschaftlich immer nochnahezu so bedeutend wie die USA (circa 15% am Welt-BIP Basis KKP).

Habeck erkannte, dass Europa neue Handelsbeziehungen schließen müsse.

Kommentar: Ja, weil die Globalisierung die weltweite Armut massiv reduzierte und weil es zum Wirtschaftsmodell Deutschlands und der EU passt. Dieses Wirtschaftsmodell hat historische Wurzeln (u.a. Hanse) und basiert auf der Erkenntnis, dass Wandel durch Handel grundsätzlich der erfolgreichste Weg war und bleibt, Frieden zu wahren (Ausnahmen bestätigen die Regel).

Es würde weiter Wirtschaftsbeziehungen mit China geben. Das sei für die deutsche Wirtschaft völlig unmöglich, davon jetzt schnell Abschied zu nehmen.

Kommentar: Langsam, hier insinuiert Habeck langfristig Abschied von China (US-Interessen). Sinnvoller ist es, die Wirtschaftsbeziehungen so zu gestalten, dass es für alle Beteiligten zu einer "Win - Win" Situation kommt. Das ist bei smarter Politik möglich.

Deutschland dürfe aber nicht die Augen verschließen. China wolle strategischen Einfluss über Investitionen in wichtigen Sektoren aufbauen. Das müsse kritischer betrachtet und im Zweifel auch untersagt werden.

Kommentar: China hat einen Plan, die USA haben einen Plan und wir? Proaktive Politik oder reaktive Politik? Fakt ist, dass unsere Interessen sowohl gegenüber den USA als auch China und anderen Ländern verteidigt werden müssen. Energie, Industrie, IT-Airbus, Infrastruktur, Bildung und Militär sind Topthemen, die nicht weiter vernachlässigt werden dürfen (Plan!!).


Datenpotpourri der letzten 24 Handelsstunden

Eurozone: IFO-Geschäftsklima stärker als erwartet gestiegen

Deutschland: Der IFO-Geschäftsklimaindex stieg per November von zuvor 84,5 (revidiert von 84,3) auf 86,3 Zähler (Prognose 85,0). Der Lageindex sank von 94,2 (revidiert von 94,1) auf 93,1 Punkte (Prognose 93,8), während der Erwartungsindex von 75,9 (revidiert von 75,6) auf 80,0 Zähler zulegte (Prognose 77,0).

Frankreich: Der Geschäftsklimaindex für die Gesamtwirtschaft verharrte per November unverändert bei 102 Punkten. Der Index für das Verarbeitende Gewerbe sank von 103 auf 101 Zähler (Prognose 102).


UK: CBI Auftragsindex schwächer, aber besser als erwartet

Der von CBI ermittelte Auftragsindex sank per Berichtsmonat Oktober von zuvor -4 auf -5 Punkte (Prognose -8).


Schweden: Zinserhöhung auf 2,50% erwartungsgemäß

Die Notenbank Schwedens erhöhte den Leitzins gestern von zuvor 1,75% auf 2,50% (Prognose 2,50%).


Japan: CPI legt in Tokio zu

Die Verbraucherpreise legten per November in Tokio im Jahresvergleich um 3,8% nach zuvor 3,5% zu. Die Kernrate stellte sich auf 1,2% nach zuvor 1,2% (revidiert von 1,1%).


Russland: Devisenreserven auf höchstem Stand seit 19. August 2022

Die Devisenreserven legten in der Berichtswoche per 18. November 2022 von zuvor 552,1 auf 568,8 Mrd. USD zu.


Südafrika: Prime Rate jetzt bei 10,50%

Die Notenbank Südafrikas setzte die prime Rate von zuvor 9,75% auf 10,50% auf der gestrigen Sitzung (Repo-Rate von 6,25% auf 7,00%).

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, dass bei dem Währungspaar EUR/USD eine neutrale Haltung favorisiert.

Viel Erfolg


© Folker Hellmeyer
Chefvolkswirt der Netfonds Gruppe



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