Suche
 
Folgen Sie uns auf:

Wie man das US-Amerikanische Imperium stürzt - oder: Der sanfte Todesstoß über den Silbermarkt

07.01.2023
Bis zur Abschaffung des Edelmetall- bzw. Goldstandards konnte man für eine Unze Gold (31,1 Gramm, heute ca. 1.650 Euro bzw. Dollar) einen sehr guten Herrenanzug kaufen. Das Gold-Silber-Verhältnis lag über Jahrhunderte zwischen etwa 1 zu 15. Das heißt, man konnte für 15 Kilogramm Silber ein Kilogramm Gold kaufen bzw. einen Umtausch vornehmen. Im Jahre 1913 wurde die US-Zentralbank als "Federal Reserve"-Privatbank gegründet. Die Wallstreet sicherte sich das Recht auf staatliche Lenkung der Geldpolitik (zum Beispiel die Bestimmung der Zinshöhe) über eine eigene Privatbank zu.

Der Goldstandard wurde danach schwächer. Das Papiergeld vermehrte sich überproportional. Besonders deutlich wurde dies durch die US-Aktienspekulationsblase, die zum "Schwarzen Freitag" 1929 führte. Auch das Deutsche Reich hätte ohne "Papier-Kriegsanleihen" nach spätestens anderthalb Jahren den Kampf im Ersten Weltkrieg einstellen müssen. Jedes Papiergeld kommt irgendwann auf seinen inneren Wert zurück: dieser Wert liegt dann stets bei genau Null. So endeten alle Papiergeldversuche in der Geschichte.

Die Amerikaner führten mit dem "Breton-Woods" Abkommen im Jahre 1944 noch einen teilweisen Goldstandard ein. Damals war Amerika der größte Goldbesitzer der Welt und wurde der Gewinner des Zweiten Weltkrieges. Die stärkste Währung ist immer auch die wichtigste Handelswährung der Welt. Im Vietnamkrieg wuchsen die Staatsschulden der Amerikaner so stark an, dass Gold aus den USA abfloss. Charles de Gaulle holte ab 1965, sehr zum Missfallen der Amerikaner, sein Gold nach Frankreich zurück. 1971 löste der amerikanische Präsident Nixon den Dollar von der Goldbindung.

Die Erklärung des amerikanischen Präsidenten erfolgte während einer kurzen Unterbrechung der sehr populären Western-Fernsehserie "Bonanza". Ein kluger Schachzug der Amerikaner danach war, dass der größte Ölproduzent Saudi-Arabien sich im Gegenzug zum militärischen Schutz durch die Amerikaner verpflichtete, das Öl ausschließlich in der Währung US-Dollar zu verkaufen.

Seitdem haben sich die Geldmengen exponentiell vermehrt. 1952 kostete die Bildzeitung 10 Pfennige (5 Cent). Heute bezahlt man dafür 1,10 Euro. Das Blatt ist seit damals 22-mal so teuer geworden.

Heute ist der US-Dollar als Weltreservewährung bei den Zentralbanken nur noch zu einem Anteil von ca. 59% vorhanden. In der Russlandkrise zeigt sich, dass die westlichen Zentralbanken etwa 630 Mrd. US-Dollar von der russischen Zentralbank konfiszierten. Stellen sie sich einmal vor, Ihre Bank sagt Ihnen, Ihr Geld gehöre nicht mehr Ihnen. Zukünftig werden Staaten, die sich vom US-Dollar freischwimmen wollen, dreimal überlegen, ob sie US-Dollar als Reservewährung in ihrer Zentralbank halten.

Das Papiergeld der heutigen Zentralbanken mit der wichtigen amerikanischen „FED“ im Hintergrund, muss expansiv vermehrt werden, bzw. setzt ein Wirtschaftswachstum voraus. Dieses Wirtschaftswachstum benötigt auch der westliche Sozialstaat. Die Staatsfinanzen könnten wie in den beiden letzten deutschen Weltkriegen kurzfristig ruiniert werden. Aber der Sozialstaat ruiniert die Staatsfinanzen genauso wie ein großer Krieg, nur braucht der Sozialstaat hierfür einen Zeitraum von bis zu drei Generationen.

Die Menschen nehmen den schleichenden Niedergang aber anders wahr. Seit der letzten großen Währungskrise im Jahr 1948 ist genau ein Zeitraum von drei Generationen vergangen. Das Sozialprodukt der Weltwirtschaft betrug im Jahr 2017 etwa 80 Billionen US-Dollar. Die Amerikaner hatten hiervon einen Anteil von 19,48 Billionen US-Dollar.

Der in Petersburg lebende Journalist Thomas Röper schrieb kürzlich, dass die Amerikaner einen Anteil am Sozialprodukt von 75% hätten, welcher nur auf Finanzdienstleistungen beruht. Das bedeutet, dass die Amerikaner fast nichts produzieren. Von den 19,48 Billionen Dollar des Sozialproduktes sind etwa 14 bis 15 Billionen nur Finanzdienstleistungen. Dieser künstlich aufgeblähte Finanzsektor dominiert die Finanzmärkte. Wenn Sie, lieber Leser, eine Hausratversicherung abgeschlossen haben, handelt es sich um eine seriöse Finanzdienstleistung. Bei einem kompletten Hausbrand wird der versicherte Hausrat ersetzt.

Aber nur hinter 2% der Finanztransaktionen stehen weltweit ein echtes Waren- oder Dienstleistungsgeschäft. Der Privatmann hat sich als Dienstleistung zum Beispiel die Haare schneiden lassen oder sich ein Brot gekauft. Die anderen 98% sind reine Spekulationsgeschäfte wie Wetten auf höhere oder tiefere Zinssätze, Wetten auf höhere oder tiefere Aktienpreise oder Wetten auf höhere oder tiefe Preise für Schweinebäuche, Apfelsinensaft, Gold- oder Silber.

Die Dimension dieses weltweiten Wettkasinos können nur Wenige einordnen. Wenn das Weltsozialprodukt 80 Billionen US-Dollar im Jahr 2017 betrug, dann ist die Größe des weltweiten Wettkasinos ca. 2.000 Billionen US-Dollar oder das 25-fache, bezogen auf das, was die gesamte Welt in einem Jahr erwirtschaftet. Würden sie persönlich das 25-fache Ihres Jahresgehaltes an einem Abend an unterschiedlichen Roulettetischen einsetzen? Diese Wetten werden von Banken, Hegdefonds usw. betrieben. Die Wetten finden außerhalb der Bankbilanz in "Schattenbanken" bzw. "Over the Counter" statt. Hier wird mit einem minimalen Eigenkapital mit einem riesigen Hebel gewettet.

Es sind ungeheure Gewinne möglich, die in der Realwirtschaft nicht auf diese Weise zu erzielen sind. Aber wenn die Gegenpartei der Wette (z.B.: Einer wettet auf höhere Silberpreise und die Gegenpartei auf fallende Silberpreise) an der Börse ausfällt, dann ist das eigene Geld auch weg, da niemand den Silberbarren mit zum Roulettetisch in der Handtasche mitbringt.

Ein Beispiel: Im Jahr 2021 hatte die Deutsche Bank ein Eigenkapital von 58 Mrd. Euro. Dem steht ein Derivatvolumen ("Wettvolumen") von mindestens 35 Billionen US-Dollar gegenüber. Das heißt, die riskanten Wetten sind mit 0,167% Eigenkapital hinterlegt.

Die Welt besitzt etwa 200.000 Tonnen Gold als Vorrat. Etwa 3.000 bis 3.500 Tonnen Gold werden pro Jahr gefördert, d.h. die Menge wächst pro Jahr um ca. 1,5%. Das Gold wird z.B. in der Schmuckindustrie verbraucht, kommt aber verzögert als Altgold wieder auf den Markt. Die Zentralbanken sind der größte Besitzer von Gold. In einer Finanzkrise verkaufen die Zentralbanken in der Regel Gold, damit der Preis fällt und die Menschen das Vertrauen in das Papiergeld der Zentralbanken behalten. Gold - und davon abgeleitet Silber - sind die Krisenbarometer für die Finanzmärkte. Wenn die Edelmetalle zu stark steigen, dann bedeutet das Stress im Finanzsystem.

Der Goldpreis wird nicht über die jährliche Produktion, sondern über die "Wetten", genannt auch Terminkontrakte, an den Börsen gemanagt. Es sind angelsächsische Großbanken, die hier den Goldpreis bestimmen. Kritiker sagen, dass diese Großbanken den Preis manipulieren. Eine Wette gegen diese Großbanken oder die Zentralbanken führt oft zu Verlusten. An einem Tag beläuft sich das Volumen der "Wetten" bzw. Terminkontrakte zwischen der 50- und 100-fachen der durchschnittlichen Tagesproduktion. Das Volumen des jährlichen Abbaus fällt nicht ins Gewicht, die Spekulation ist wichtig für die Preisbildung.

In Deutschland konnte man bis Juli 1914 beispielsweise 1.000 Mark gegen 50 Goldmünzen a 20 Mark eintauschen, die ein Feingewicht von 358 g Gold hatten.Heute können Sie bloß zwei 500 Euro-Scheine in 100 10 Euro-Scheine umtauschen. Der Unterschied ist markant. Früher gab es beim Umtausch von Papiergeld echtes Gold, heute bekommen man Papiergeld für Papiergeld.

Von der Kündigung des Breton-Woods-Abkommens bzw. dem Ende Goldbindung an den US-Dollar im Jahr 1971 bis zur zweiten Öl-Krise 1979/80 stieg der Goldpreis von 35 auf ca. 879 US-Dollar pro Unze. Der Silberpreis stieg im gleichen Zeitraum von 1 auf ca. 48 US-Dollar pro Unze. Damals betrug das Volumen an Gold, Silber, Gold- und Silberminen am liquiden Finanzvermögen etwa 13 bis 24%. Heute beträgt der Anteil des Goldes am Weltfinanzvermögen nur ca. 0,5% und das physische Silber spielt praktisch keine Rolle. Alle Finanzberater sagen, Gold und Silber bringe keine Zinsen, dafür brächten Aktien, Zertifikate Immobilien usw. viel mehr Erträge.

Wahrscheinlich stehen aber die Edelmetalle in Anbetracht der globalen geopolitischen Lage und höchsten prozentualen Verschuldung der Weltgeschichte vor einer enormen Aufwertung. Im Jahr 1980 wurde die Berechnung der Inflation ("Consumer-Price-Index" = CIP) verändert. Damals herrschte in der zweiten Ölkrise (Putsch im Iran und Einmarsch der Russen in Afghanistan) im Finanzsystem ein gewaltiger Aufruhr. Der amerikanische Notenbankpräsident Paul Volcker setzte die Zinsen für Staatsanleihen auf über 16% fest. Man verhinderte damals mit den hohen Zinsen den Kollaps des Dollars und bekämpfte die Inflation.

Gegenüber 1980 ist die Welt (Staaten, Unternehmen und Privathaushalte) dreimal so hoch verschuldet. Im Juni 2022 berichtete mir ein Bekannter, der die Inhaberfamilie der Firma Lidl berät, dass sich aktuell nach internen eigenen Berechnungen die Inflation auf über 26% pro Jahr beläuft. Die Welt kann keine 16% Zinsen vertragen, dann wären zu viele Staaten, Unternehmen und Privathaushalte pleite. Da die hohen Zinsen über die Zentralbanken politisch nicht gewollt sind, wird man die Inflation einfach laufenlassen. Silber war in Zeiten mit hoher Inflation schon immer eine spannende Anlage, da es das Gold des "kleinen Mannes" war.


Bewerten 
A A A
PDF Versenden Drucken

Für den Inhalt des Beitrages ist allein der Autor verantwortlich bzw. die aufgeführte Quelle. Bild- oder Filmrechte liegen beim Autor/Quelle bzw. bei der vom ihm benannten Quelle. Bei Übersetzungen können Fehler nicht ausgeschlossen werden. Der vertretene Standpunkt eines Autors spiegelt generell nicht die Meinung des Webseiten-Betreibers wieder. Mittels der Veröffentlichung will dieser lediglich ein pluralistisches Meinungsbild darstellen. Direkte oder indirekte Aussagen in einem Beitrag stellen keinerlei Aufforderung zum Kauf-/Verkauf von Wertpapieren dar. Wir wehren uns gegen jede Form von Hass, Diskriminierung und Verletzung der Menschenwürde. Beachten Sie bitte auch unsere AGB/Disclaimer!




Alle Angaben ohne Gewähr! Copyright © by GoldSeiten.de 1999-2023.
Die Reproduktion, Modifikation oder Verwendung der Inhalte ganz oder teilweise ohne schriftliche Genehmigung ist untersagt!

"Wir weisen Sie ausdrücklich auf unser virtuelles Hausrecht hin!"