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2023: Unheilvolle Nuklearbedrohungen – militärisch & finanziell – könnten ausbrechen

23.01.2023  |  Egon von Greyerz
Die heutige Welt ist mit zwei nuklearen Bedrohungen konfrontiert, die es in diesem Ausmaß noch nie zuvor in der Geschichte gegeben hat. Beide Bedrohungen kommen zu einer Zeit, in der die Weltwirtschaft auf der Kippe steht und über Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, rasant schrumpfen wird.

Die naheliegende nukleare Bedrohung ist der Krieg zwischen den USA und Russland, der sich derzeit in der Ukraine abspielt. Die andere nukleare Bedrohung sind die finanziellen Massenvernichtungswaffen in Form von Schulden und Derivaten, die sich in der Gesamtsumme auf vielleicht 2,5 Billiarden US $ belaufen. Wenn wir Glück haben, kann das geopolitische Ereignis abgewendet werden. Ich bezweifle jedoch, dass sich die Explosion/ Implosion der westlichen Finanzzeitbombe noch stoppen lässt.

Im Verlauf des Artikels werden wir auf diese Risiken wieder aufgreifen. Gegen Ende des Artikels folgt zudem eine Zusammenfassung meiner Markteinschätzungen für das Jahr 2023 und darüber hinaus.


Neugier und Risiko

Mit Blick auf mein über 52-jähriges Berufsleben in den Bereichen Bankenwesen, Handel und Investment habe ich das Glück, nach wie vor jeden Tag etwas lernen zu können; und Lernen ist die eigentliche Lebensfreude. Doch je mehr man lernt, desto mehr erkennt man, wie wenig man wirklich weiß. Wer konstant und neugierig lernt, dem wird das Leben nie langweilig erscheinen. Einstein meinte: "Wichtig ist, dass man nicht aufhört zu fragen. Neugier hat ihren eigenen Seinsgrund."

In meinem Leben hat es aber eine weitere wichtige Kontinuität gegeben: Ich habe ein Verständnis für RISIKEN und für den Schutz vor diesen RISIKEN entwickelt. Schon früh im Geschäftsleben habe ich gelernt, wie entscheidend Risikobestimmung und Verlustbegrenzung sind. Wer das hinbekommt, kann in der Regel auf die kommende Gewinnentwicklung zählen. Manchmal ist das Risiko so klar, dass man auf die Barrikaden klettern und herunter schreien möchte. Doch leider sind die meisten Investoren von Gier getrieben und erkennen selten, wenn Märkte hochriskant werden.

Ende der 1980er war so eine Zeit, gerade im Immobilienbereich. 1987 brachen die Aktienmärkte ein; doch wer ohne Finanzhebel investiert, wird von Aktienmarktcrashs normalerweise nicht ausradiert. Bei Gewerbeimmobilien können Hebel (Fremdkapital) allerdings dafür sorgen, dass viele Investoren komplett vernichtet werden, so wie es dann Anfang der 1990er leider auch geschah.

Ende der 1990er war dann wieder eine Zeit der hohen Risiken, diesmal im Technologiesektor. Ich selbst war involviert als führender Mitarbeiter in einem britischen Technologieunternehmen; Ende 1999 sagte ich dem Unternehmensgründer, dass wir das Unternehmen für Barmittel verkaufen müssten. Zu dieser Zeit waren die Technologieunternehmen mit dem 10-fachen ihrer Umsätze bewertet.

Praktisch keines dieser Unternehmen erzielte einen Gewinn. Im Jahr 2000 gelang es uns schließlich, das Unternehmen zu verkaufen. Zwar erhielten wir beim Verkauf Unternehmensanteile, wir hatten aber das Recht, diese umgehend zu verkaufen, was wir auch taten. Anschließend brach der Nasdaq um 80 % ein und viele Unternehmen gingen Bankrott.

In genau diesen Momenten extremer Überbewertung muss man clever agieren, um auszusteigen und Gewinne mitzunehmen. Supergewinne sollten immer dann realisiert werden, wenn die Unternehmensbewertungen keinen Sinn mehr ergeben und auch die Aussichten nicht gut sind.


Risiko einer schweren Eskalation des Krieges

Kommen wir also zurück zu jenen massiven Risiken, die sich aktuell über der Welt zusammengeballt haben.

Meiner Einschätzung nach haben wir es nicht mit einem Krieg zwischen Russland und der Ukraine zu tun, sondern zwischen den USA und Russland. Für Russland war es inakzeptabel, dass das Minsker Abkommen von 2014 nicht eingehalten wurde. Der Beschuss im Gebiet Donbas wurde fortgesetzt, mutmaßlich bestärkt durch die USA. Als die Ukraine den Beschuss ausweitete, marschierte Russland im Februar 2022 ein.

Ich werde hier nicht ins Detail gehen, wessen Schuld etc. all das ist. Klar ist zumindest, dass die US-Neocons großes Interesse am einer Eskalation dieses Krieges haben. Für sie ist die Ukraine nur eine Randfigur, der wahre Feind ist Russland. Warum sonst hätten die USA die führende Rolle bei der Sanktionierung Russlands als auch bei den Waffen- und Geldlieferungen an die Ukraine übernehmen sollen, anstatt Friedenswächter nach Russland zu schicken?

Es sei an dieser Stelle daran erinnert, dass normale Menschen niemals Krieg möchten. Das amerikanische Volk möchte keinen Krieg und auch nicht die Russen oder Ukrainer. Es sind ausnahmslos immer die Führungen, die Krieg wollen. Und in den meisten Ländern, selbst in den sogenannten demokratischen USA, haben die Führer totale Macht, wenn es darum geht, einen Krieg anzufangen.

Europa ist größtenteils stark abhängig von russischem Öl und Gas. Dennoch schießt sich Europa weiterhin ins Knie, indem es die von den USA initiierten Sanktionen mitträgt. Die Konsequenzen für Europa und speziell für Deutschland als europäischer Wirtschaftsmotor sind desaströs. Deutschland ist als Wirtschaftsmacht Geschichte. Das wird die Zukunft zeigen.

Der globale Wirtschaftsabschwung begann lange vor dem Ukrainekrieg, doch inzwischen hat sich die Situation immens verschlechtert und die europäische Wirtschaft schwächt sich rapide ab. Dennoch hört Europa nicht auf, sein eigenes Grab weiter zu schaufeln, indem es mehr Waffen und mehr Geld in die Ukraine schickt, wovon, Berichten zufolge, große Teile in die falschen Hände geraten.

Der ukrainische Staatsführer Selenskyj verleitet den Westen geschickt zu einer Eskalation des Krieges, um eine komplette NATO-Einbindung zu erreichen. Das Risiko einer schweren Eskalation des Kriegs ist erheblich. Russlands Hauptziel ist die Einhaltung des Minsker Abkommens, während die US-Neocons Russland im direkten Konflikt schwächen wollen. Große Kriege werden häufig durch Kleinereignisse oder Operationen unter falscher Flagge ausgelöst.

Die Neocons wissen: Eine Niederlage in diesem Konflikt würde das Ende des US-Dollars, der US-Hegemonie und der US-Wirtschaft bedeuten. Gleichzeitig ist Russland fest entschlossen, diesen Krieg nicht zu verlieren, unter allen Umständen. Und dieses Klima birgt ein hohes Risiko eines schlimmen Endes.


Die Konsequenzen des Undenkbaren

Da es im Westen keinen einzigen Staatsmann gibt, ziehen dunkle Kräfte im Hintergrund die Fäden. Das macht die Situation ganz besonders gefährlich. In einer solchen Situation ist das Risiko eines Nuklearkriegs unkalkulierbar aber dennoch sehr real. Es gibt über 13.000 Nuklearsprengköpfe auf dieser Erde und schon eine handvoll von ihnen würde reichen, um den größten Teil des Westens und große Teile der Welt zu vernichten.

Hoffen wir, dass der Westen zu Sinnen kommt. Falls nicht, sind die Konsequenzen undenkbar.


Finanzielle Massenvernichtungswaffen

Die andere atomare Wolke - eine finanzielle - wird nach einer Detonation glücklicherweise nicht das Ende der Welt bedeuten, sondern einen großen globalen Rückschlag auslösen, der viele Jahre, vielleicht Jahrzehnte andauern könnte. Ich hatte in zahlreichen Artikeln und Interviews dargestellt, dass das globale Schuldenwachstum ein böses Ende nehmen wird. Das lässt sich gut anhand einiger Bilder darstellen. Schauen wir uns dazu also zwei selbsterklärende Diagramme an.


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