Suche
 
Folgen Sie uns auf:

Je t’accuse: Anleihe-Killer & andere bösartige Weltzerstörer

01.04.2023  |  Matt Piepenburg
Ob Anleihemärkte oder Grenzkriege, die Welt kippt konsequent und objektiv in Richtung Katastrophe. Viele von uns wissen das. Doch was kann man tun?


Das jüngste Fiasko

Wenn ich allein zurückschaue auf die jüngsten, restlos vorhersagbaren und verschwendeten Stunden, Tage und Wochen an den globalen Schuldenmärkten im Allgemeinen und den US-Treasury-Märkten sowie Bankensystemen im Besonderen, dann sprengen jene Milliarden und Billionen, die durch Ernstfall-Swap-Lines, Diskontfenster und defekten Finanzsysteme spritzen und schwappen, jegliches Vorstellungsvermögen.

Seit zwei Jahren verbreiten wir konsequent Alarmstimmung wegen des Anleihemarkts. Denn "der Bondmarkt ist DAS Ding"; ein defekter Bondmarkt würde die Aktienmärkte in die Implosion treiben und bei den Entscheidungsträgern, die diese Krise verursachten, sofort mehr Zentralsteuerung auf den Plan rufen.


Anleihemarktdesaster: Schuld so klar ersichtlich, Zuständigkeit gewissenhaft verdrängt

Und jetzt erleben wir, wie auf Zuruf, eine erneute Krise am Anleihemarkt – aber auch wieder die hektische Geschäftigkeit der Schuldigen beim Zurechtrücken der Liegestühle, die an Deck ihrer buchstäblich selbstkonstruierten Finanz-Titanic ins Schlittern geraten sind.

Mein Kollege Egon von Greyerz mahnt seit Jahren Folgendes an (zuletzt im Januar – siehe Minute 12:18 unter diesem Link): Wenn bestimmte Dominosteine fallen (klare Signale dafür sind die Repo-Märkte 2019, die Staatsanleihemarkteinbrüche 2020 und die Implosion des britischen Gilt-Markts), dann sind im nächsten Schritt die Banken dran.

Diese totalen Anleiheimplosionen waren in keinster Weise Zufälle, Schwarze Schwäne oder Markt-Verirrungen. Jedes dieser Kredit-Domino-Ereignisse ist direkte und klar ersichtliche Folge des Wirkens geschichtsblinder, machtbefriedrigter, ökonomisch unbedarfter und mathematik-trotzender Finanzentscheidungsträger (links wie rechts, blau, rot, lila oder pink), die uns mit Erfolg seit Jahren erzählen, eine Schuldenkatastrophe (ca. 2008) ließe sich mit Neuschulden lösen, welche schließlich im Fed-Hauptquartier durch verdammtes Mausklickgeld gegenfinanziert wurden.

Natürlich war diese Lösung/ Politik eindeutig absurd und zudem ein völlig verlogener Trick, um Zeit zu schinden, Macht zu konsolidieren und um den Weg zu ebnen für sinkenden (nicht wachsenden) Wohlstand, Freiheit und Transparenz. Doch wie einst Goebbels im kurz vor der Implosion stehenden Berlin sagte: "[J]e größer die Lüge, desto leichter wird sie geglaubt."

Falls Zweifel daran bestehen, dann denken Sie nur an Janet Yellens stümperhafte Unkenntnis, die sie beim letzten Auftritt vor dem US-Senat an den Tag legte. Sie hat buchstäblich keinen blassen Schimmer von den Zahlen ihres eigenen Finanzministeriums oder den Gefahren der tickenden US-Defizit-Zeitbombe. Doch Yellen ist nicht die einzige.

Wie hatten Muster aufgezeigt, die von Greenspan bis Biden, Draghi bis Johnson, Lagarde bis Kuroda und von Neuman bis SBF reichen und deutlich machen, dass die Finanzwelt voller mentaler Zwerge steckt, die sich als Finanzgiganten ausgeben.


Eine neue Banalität, ein Neues Böse

In unserem "Neuen Normalzustand" nach 2008 leben wir mit Finanzdaten und Zahlen, die in der Tat so hoch und so schlimm sind, dass "Billionensummen" inzwischen fast "banal" geworden sind, so wie einst die zerstörten Leben im 2. Weltkrieg zur "Banalität" wurden – ein Wort übrigens, das Hannah Arendt in ihrer Beschreibung des Holocaust verwendet, der zweifelsohne ein Nieselregen des Wahnsinns war, in dem sich große Teile der Bevölkerung an die "Banalität des Bösen" gewöhnten.

Die Banalität ist hier jedoch eine andere. Eine andere Form des Wahnsinns in einem ansonsten so langweiligen und scheinbar gutartigen (aber enorm folgenschweren) Bereich wie dem US-Staatsanleihemarkt.

Wie unten gezeigt wird, sind wir heute in der Tat andauernd einer Banalisierung des ökonomisch Bösen ausgesetzt – einer Verschwendung, die derartig groß ist, dass wir unweigerlich in eine Finanzkrise driften, die unausweichliche Konsequenzen für das menschliche Leben hat und politische Auflösungserscheinungen/ Rückentwicklungen mit sich bringt. Nun gut, werfen wir einen Blick auf jene "langweiligen" Anleihemärkte, analysieren wir den Wald und auch die Bäume jener epischen Katastrophe, die ganz "banal" vor unseren müden Augen abläuft.


Außerordentliche Anleiherisiken versteckt auf freiem Feld

Wie ich kürzlich festgestellt hatte, ist es in der Tat höchst verunsichernd, wenn die wichtigste Anleihe im globalen Finanzsystem – die 1.) als Maßstab für Bankensicherheit und Liquiditätssituation fungiert 2.) als Sicherheit für die Derivatemärkte dient und 3.) von den Nationalstaaten dieser Welt als Reserveanlage (> 7 Billionen $) gehalten wird – plötzlich an Glanz, Autorität und Glaubwürdigkeit verliert.

Kurzum: Die US-Staatsanleihe ist fundamental.

Doch leider vertraut dieser fundamentalen Staatsanleihe niemand mehr, nachdem sie jahrelang untragbare Schuldenstände deckte und US-Inflation in die ganze Welt exportierte. Tatsächlich gilt Uncle Sams berühmt-berüchtigter Schuldtitel heute kaum mehr als "risikofreies Renditeversprechen" und ist, objektiv betrachtet, zu einem Symbol für "renditefreies Risiko" verkommen.

Kaum zu glauben?


Volatil wie nie zuvor

Schauen wir uns einfach an, was es mit dieser beispiellosen Volatilität an den UST-Märkten (so oft vorhergesagt/ angemahnt) in den letzten Tagen auf sich hatte. So versank letzte Woche die Liquidität am US-Staatsanleihemarkt (übrigens auch bei deutschen Bundesanleihen) wie ein Felsbrocken im Meer, mit Welleneffekten, die auf der ganzen Welt zu spüren waren. Am Montag fiel die Rendite für 2-jährige UST innerhalb eines Handelstags dann auf Stände, die es seit 1987 nicht mehr gegeben hatte. Am Dienstag und Mittwoch überstieg die Volatilität im Tageshandel schließlich die während der Großen Finanzkrise von 2008 erreichten Stände.


Bewerten 
A A A
PDF Versenden Drucken

Für den Inhalt des Beitrages ist allein der Autor verantwortlich bzw. die aufgeführte Quelle. Bild- oder Filmrechte liegen beim Autor/Quelle bzw. bei der vom ihm benannten Quelle. Bei Übersetzungen können Fehler nicht ausgeschlossen werden. Der vertretene Standpunkt eines Autors spiegelt generell nicht die Meinung des Webseiten-Betreibers wieder. Mittels der Veröffentlichung will dieser lediglich ein pluralistisches Meinungsbild darstellen. Direkte oder indirekte Aussagen in einem Beitrag stellen keinerlei Aufforderung zum Kauf-/Verkauf von Wertpapieren dar. Wir wehren uns gegen jede Form von Hass, Diskriminierung und Verletzung der Menschenwürde. Beachten Sie bitte auch unsere AGB/Disclaimer!




Alle Angaben ohne Gewähr! Copyright © by GoldSeiten.de 1999-2024.
Die Reproduktion, Modifikation oder Verwendung der Inhalte ganz oder teilweise ohne schriftliche Genehmigung ist untersagt!

"Wir weisen Sie ausdrücklich auf unser virtuelles Hausrecht hin!"