Bitcoin – Rekordjagd geht erstmal weiter
28.05.2025 | Florian Grummes

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6. Makro-Update - Japan als Warnsignal der globale AnleihekriseDie globale Staatsverschuldungskrise entfaltet sich schrittweise vor unseren Augen.

Japanische Großhandelspreise für Reis, vom 25. Mai 2025. Quelle: The Kobeissi Letter
In Japan steigen die Preise derzeit deutlich an: Besonders auffällig ist der starke Anstieg der Reispreise, die im April im Vergleich zum Vorjahr um 98,4% teurer wurden – der höchste Wert seit 1971. Auch die Energiepreise legten nach dem Wegfall staatlicher Subventionen im März um 9,3% zu. Dadurch erhöhte sich die Inflation (CPI ohne frische Lebensmittel) im April auf 3,5% und liegt damit den fünften Monat in Folge über 3%. Gleichzeitig schrumpfte die japanische Wirtschaft im ersten Quartal 2025 um 0,7%, was den ersten Rückgang seit einem Jahr bedeutet.
Dabei war Japan das erste entwickelte Land, das mit Quantitative Easing (QE) und Yield Curve Control (YCC) experimentierte, um nach dem Wirtschaftscrash der 1980er-Jahre die Zinsen niedrig zu halten. Mit einem Schulden-zu-BIP-Verhältnis von über 250% steckt Japan seit Jahrzehnten in einer wirtschaftlichen Stagnation, vergleichbar mit einem Patienten auf der Intensivstation, der durch Null- oder Negativzinspolitik (NIRP) am Leben gehalten wird.
Die globale Geldschwemme als Reaktion auf die COVID-Pandemie löste erstmals wieder Inflation aus, doch der Versuch, die Zinsen zu erhöhen, führte zum Zusammenbruch des Yen-Carry-Trades im August 2024 und erschütterte die globalen Märkte. Am 5. August 2024 erlebte der japanische Aktienmarkt den schlimmsten Verlust seit 1987. Neue Herausforderungen wie die Trump-Zölle und das negative BIP-Wachstum zeigen, dass Japan weiterhin in der Krise gefangen ist.
Japans Wirtschaftskrise: Verlust der Zinskontrolle und steigende Schuldenlast

Rendite auf 40-jährige japanische Staatsanleihen vom 26. Mai 2025. Quelle: Tradingview
Dabei verliert die Bank of Japan (BOJ) zunehmend die Kontrolle, da sie zwischen der Bekämpfung von Inflation und Rezession hin- und hergerissen ist. Die sogenannte Yield Curve Control (Zinskurvensteuerung), Japans letzte Trumpfkarte, bei der eigene Staatsanleihen aufgekauft werden, funktioniert nicht mehr, da die langfristigen Zinsen nicht mehr kontrollierbar sind.
Trotzdem plant die japanische Regierung, 30- und 40-jährige Staatsanleihen weiter vom Markt zurückzukaufen, da deren Preise in den letzten Wochen drastisch gefallen sind, was die Renditen (und damit die Kosten für die Schuldenbedienung) in die Höhe treibt. So ist die Rendite der 30-jährigen japanischen Staatsanleihe innerhalb von 45 Tagen um gewaltige 100 Basispunkte gestiegen. Staatsanleihen mit 40 Jahren Laufzeit im Wert von über 500 Mrd USD haben in nur sechs Wochen mehr als 20 % an Wert verloren. Niemand will diese langfristigen Anleihen aufgrund der exorbitant hoher Schuldenquote und der ungünstigen Demographie (erwerbsfähige Bevölkerung in Japan schrumpft) halten.
Japans Dilemma

Bank of Japan hält über 50% der japanischen Staatsanleihen, vom 26. Mai 2025. Quelle: The Kobeissi Letter
Diese Faktoren machen eine produktive Rückzahlung der Schulden unmöglich; die einzige Option wäre, Geld zu drucken, was den Yen aber erheblich entwerten würde. Aufgrund der Unsicherheit, des Inflationsrisikos und der systemischen Gefahren meiden Investoren diese langfristigen Anleihen. Die Bank of Japan (BoJ) hält bereits 52 % aller japanischen Staatsanleihen. Schon seit Jahrzehnten ist sie der Hauptkäufer der neu emittierten Schulden, da der Markt kaum Nachfrage zeigt.
Angesichts der aktuellen Krise will das japanische Finanzministerium daher die Ausgabe langfristiger Anleihen reduzieren und bestehende zurückkaufen, um einen weiteren Preisverfall zu verhindern. Dies blockiert jedoch die echte Preisfindung und verstößt gegen Prinzipien des freien Marktes. Das Geld für den Rückkauf wird durch zusätzliches Gelddrucken bereitgestellt, was die Abwertung des Yen weiter beschleunigt.