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Interview mit dem ehemaligem Augusta-Bank-Vorstand Joachim Schluchter

07.01.2012  |  Ralph Bärligea

Ralph Bärligea: Im Jahr 2009 sind Sie aus dem Vorstand der Augusta-Bank eG, der Volks- und Raiffeisenbank in Augsburg, ausgetreten. Nun haben Sie eine eigene Vermögensverwaltung gegründet. Welche Erkenntnisse haben Sie als Entscheidungs- und Verantwortungsträger in der Finanzbranche aus der Finanz-, Wirtschafts- und Schuldenkrise gezogen und was bewog Sie zu Ihrem beruflichen Wechsel?

Joachim Schluchter: Nun, ich habe die Augusta-Bank verlassen, weil wir im Vorstand sehr unterschiedliche Auffassungen über die weitere strategische Ausrichtung der Bank vertraten. Dazu kamen noch sehr persönliche und private Gründe. Mit Gründung der eigenen Vermögensverwaltungsgesellschaft konnte ich die 2009 gewonnenen Erkenntnisse zur Problematik der weltweiten Staatsschuldenkrise bankenunabhängig aufgreifen und für meine Kunden umsetzen.

Kapitalanleger mussten in den zurückliegenden Jahren neue und vielfach schmerzliche Erfahrungen machen. Länder kämpfen gegen den Staatsbankrott. Viele Banken sind im Verhältnis zu den eingegangenen Risiken massiv unterkapitalisiert und stehen vor schier unlösbaren Problemen (alleine die 90 größten europäischen Banken halten derzeit Staatsanleihen der überschuldeten Länder im Wert von ca. 760 Mrd. Euro in ihren Büchern). Scheinbar stabile Währungen kollabieren. Notenbanken werden zu "Käufern der letzten Instanz" und die Politik hat jede vernünftige Orientierung verloren. Bestehende EU-Verträge werden einfach negiert. Diese Entwicklungen stellen viele Werte in Frage und erzeugen ein hohes Maß an Verunsicherung. Nicht nur bei Kapitalanlegern, sondern auf allen Ebenen der Gesellschaft.

Letztendlich hängen alle diese Entwicklungen eng zusammen. Sie resultieren unmittelbar aus den globalen Finanz-Exzessen der letzten elf Jahre, die sich in der großen Krise seit 2008 schockartig manifestiert haben. Europa ist auf dem Weg zur Transferunion. Deutschland hat mit der Rettung von Portugal, Irland und Griechenland großen Risiken übernommen. Hinzu kommen Risiken in Höhe von rund einer halben Billion Euro, die die Deutsche Bundesbank an Krediten an andere europäische Zentralbanken vergeben hat. Weitere Risikoübernahmen durch den deutschen Steuerzahler sind deshalb sehr wahrscheinlich. Ebenfalls vor gewaltigen Problemen stehen die USA, GB und Japan mit den dort aufgetürmten Staatsschulden. Daraus formt sich eine neue Realität, die Kapitalanleger heute mit ernsten und schwerwiegenden Herausforderungen konfrontiert.


Ralph Bärligea: Die Zentralbanken vergeben Kraft ihres Monopols alles Geld im Ursprung als Kredit und sind so Kreditgeber letzter Instanz. Investitionen können nur mit diesem staatlichen Kreditgeld durchgeführt werden, wodurch die Zentralbank auch zum Investor letzter Instanz wird und so eine allumfassende Planwirtschaft schafft. Finanzkrise und Wirtschaftszusammenbruch waren und sind die Folgen. Hinzu kommt die inflationsbedingte Besteuerung von Scheingewinnen. Welche konkreten Chancen gibt es für den privaten Investor aus diesem Geflecht von Verlustinvestitionen und Substanzbesteuerung auszubrechen?

Joachim Schluchter: Mit der Neuregelung der Kapitalbesteuerung (Abgeltungssteuer) zum 01.01.2009 wurden steuerliche Gestaltungsmöglichkeiten für Anleger deutlich reduziert. Die Spekulationsfrist für private Veräußerungsgeschäfte für Finanzprodukte gilt heute für Neuabschlüsse nicht mehr. Für Immobilien und bewegliche Wirtschaftsgüter gilt sie jedoch weiterhin. Diese Vorteile kann man beispielsweise dafür nutzen, um physische Edelmetalle (z. B. Gold und Silber) zu erwerben. Dies ist ein sehr einfacher und wirksamer Weg um dieser Besteuerung legal zu entgehen. Nach Ablauf der Spekulationsfrist von einem Jahr bleiben die hier erzielten Gewinne steuerfrei. Seit 2001 lag die durchschnittliche Goldperformance in Euro gerechnet bei ca. 29%.


Ralph Bärligea: Bei dem seit Euro-Einführung durchschnittlichen Wachstum der Geldmenge M3 von knapp 7% pro Jahr müssten Sie nominal fast 10% Rendite im Jahr erwirtschaften, damit das Vermögen Ihrer Kunden nach der Abgeltungssteuer von 25% überhaupt mit der Geldmengeninflation mitwächst und so relativ zum Gesamtvermögen real erhalten bleibt. Hinzu kommt Ihre Verwaltungsgebühr, die Sie durch zusätzliche Rendite kompensieren müssten. Welche Strategien verfolgen Sie, um diese Rendite erzielen zu können?

Joachim Schluchter: Es ist heute schon klar, dass Geldvermögen jeglicher Art nicht als Gewinner aus dieser inflationären Krise hervorgehen werden. Dazu ist die aktuelle Verzinsung viel zu gering und die mit einer solchen Anlage einhergehenden Risiken sind nicht adäquat abgegolten. Bei der Ausrichtung der Kundenvermögen ist gerade jetzt höchste Flexibilität und Unabhängigkeit von Banken ein wichtiger Erfolgsfaktor für mich. Die Sicherung der Kundenvermögen und die damit verbundene Erhaltung der Kaufkraft genießt mit dieser Einschätzung höchste Priorität.

In erster Linie gilt es auch für mich Verluste in den Kundendepots zu vermeiden bzw. zu begrenzen. Dazu arbeite ich mit Stopp-Marken. Ansonsten halte ich derzeit für meine Kunden rund 25% in physischen Edelmetallen, rund 50% in ausgewählten Aktien und das restliche Vermögen in Cash und Immobilien. Unter den Immobilien subsumiere ich auch landwirtschaftliche Flächen. Mit dieser Aufteilung konnte man historisch betrachtet in vergleichbaren Marktphasen den höchsten Vermögensschutz erzielen.


Ralph Bärligea: Eine Vermögensanlagestrategie ohne steuer- und versicherungstechnische Betrachtung ist unvollständig. Dennoch bietet so gut wie keine Vermögensverwaltung dies an. Oft wird auf externe Berater hingewiesen, jedoch ohne einen konzeptionellen Zusammenhang glaubhaft darstellen zu können. Schaffen Sie diesbezüglich ein geschlossenes kundenindividuelles Konzept im Sinne des Financial Planning Ansatzes?

Joachim Schluchter: Ja, ich habe dies gelernt und kann bei den Kunden, die eine solche Dienstleistung schätzen und wünschen, diese auch anbieten. Von 1990 bis 1992 habe ich sogar bei der Programmierung eines solchen Tools für den genossenschaftlichen Finanzverbund mitgewirkt. Bei komplexen Strukturen greife ich heute auf Kooperationspartner sowie auf einen externen Versicherungsspezialisten zurück. Dadurch kann ich höchste Qualität garantieren.





Ralph Bärligea: Sie sind einer aus dem "exklusiven Kreis von 500 Vermögensverwaltern in Deutschland", wie Sie auf Ihrer Internetseite schreiben. Es heißt, es gebe immer noch zu wenige bankenunabhängige Vermögensverwaltungen. In welcher Relation stehen die 500 Vermögensverwalter zum realökonomischen Bedarf und wohin führt die Zukunft dieses Marktes? Wie unterscheiden Sie sich von Ihren Wettbewerbern?

Joachim Schluchter: Gerade in schwierigen Zeiten sind viele Anleger nicht zufrieden mit der Beratung durch ihre Banken. Zu oft landen hauseigene Produkte oder solche mit hohen Vertriebsprovisionen in den Depots der Kunden. Nicht selten orientieren sich die Anlageempfehlungen mehr an den Vertriebsvorgaben für den Berater als am Bedarf der Anleger. Erhebliche Renditeeinbußen können die Folge sein. Oder noch schlimmer: Die Kapitalaufteilung wird den individuellen Bedürfnissen der Betroffenen nicht gerecht. Eine Studie des Marktforschungsinstituts GfK vom März 2010 zeigt, dass nur noch 17 Prozent der befragten Bankkunden volles Vertrauen in ihr Kreditinstitut haben. Immer mehr Anleger suchen deshalb nach einem Ausweg und vertrauen ihr Vermögen einem Unabhängigen Vermögensverwalter an.

Ich habe mein Geschäftsmodell gezielt so gestaltet, dass meine Kunden und ich als Berater/Verwalter gleich laufende Interessen haben. Je erfolgreicher ich das Vermögen meiner Kunden manage, desto mehr profitieren alle. Ich arbeite auf Honorarbasis, d. h., die Kosten sind für meine Mandanten absolut transparent und kalkulierbar, Bestandsprovisionen und Vergütungen von Produktgebern werden an die Kunden vollständig ausgekehrt.

In Deutschland "spielen" Unabhängige Vermögensverwalter derzeit gemessen an ihrem Marktanteil noch eine untergeordnete Rolle. Im Nachbarland Schweiz sind sie bereits mit einem Marktanteil von nahezu 25% eine feste Größe, in den USA seit Jahrzehnten mit einem Marktanteil von mehr als 30% etabliert. Hierzulande verwalten Unabhängige Vermögensverwalter derzeit rund fünf Prozent des gesamten privaten Vermögens. Rein statistisch zeigt sich hier gegenüber der Schweiz und den USA erheblicher Nachholbedarf.


Ralph Bärligea: Die Berufsbezeichnung Vermögensverwalter ist gesetzlich geschützt. Halten Sie einen solchen Schutz für notwendig? Auch für die Bezeichnung als Honorarberater in Sachen Vermögen soll es schließlich laut Verbraucherschutzministerium ab 2012 einen solchen Schutz geben. Wo liegen die Unterschiede des Verwalters gegenüber dem Berater?

Joachim Schluchter: Nein, ich halte einen solchen Schutz nicht zwingend für notwendig. Qualität wird sich in meinen Augen am Markt immer durchsetzen. Ich investiere heute in eine neue Kundenbeziehung drei bis fünf Gespräche. In denen kann der Kunde meine Qualität erleben und ein Gefühl für das gebotene Preis-/Leistungsverhältnis entwickeln. Am Ende des Tages ist wie so oft im Leben ein gegenseitiges Vertrauensverhältnis entscheidend und natürlich ob die "Chemie" stimmt.

Die Abgrenzung zwischen Berater und Verwalter lässt sich am Leichtesten an der vorhandenen Erlaubnis durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) festzurren. Verwalter können im Rahmen eines klar definierten Mandates das Kundenvermögen selbständig verwalten. Das Kundenvermögen liegt dabei bei einer vom Kunden zu bestimmenden Depotbank. Die Vermögensverwaltungsvollmacht ist auf das Verwalten des Kundenvermögens limitiert. Geldtransfers können somit vom Verwalter nicht veranlasst werden. Durch regelmäßige Reports und Gespräche ist der Kunde laufend über die Entwicklung seines Kapitals informiert. Berater schlagen im Gegensatz zum Verwalter ihren Kunden Transaktionen vor, die sie dann nur nach vorheriger Zustimmung des Kunden im Depot umsetzen dürfen.


Zur Person:

Joachim Schluchter ist Vorstand der Dr. Willburger & Schluchter Vermögensmanagement AG, die er im Jahr 2010 zusammen mit Dr. Wolfram G. Willburger gründete, um seine Kunden bankenunabhängig und selbständig zu betreuen. Zuvor war er zehn Jahre als Bankvorstand, Generalbevollmächtigter und Bereichsleiter bei der Augusta Bank eG in Augsburg tätig. Herr Schluchter absolvierte eine klassische Bankenausbildung und ist diplomierter Bankbetriebswirt. Später war er selbst Prüfer und Dozent an der Akademie Deutscher Genossenschaften. Auch war er im genossenschaftlichen Zentralbankwesen als Strategieberater im Wertpapiergeschäft tätig und wirkte darüber hinaus als Leiter im Private Banking einer Luxemburger Bank. Der Schutz und der Erhalt von Vermögen stehen für ihn im Fordergrund. Privat liegen seine Prioritäten bei seiner Familie und seinen drei Kindern. 



© Ralph Bärligea