Rio Tinto wieder in Gesprächen mit Glencore
09.01.2026 | Hannes Huster
Rio Tinto und Glencore haben die Gespräche über einen "Megadeal" wieder aufgenommen, der dazu führen könnte, dass die beiden globalen Konzerne ihre Kräfte bündeln und BHP als weltgrößtes Bergbauunternehmen überholen.
Glencore bestätigte gestern Abend, dass man sich in "vorläufigen Gesprächen" mit Rio Tinto über eine mögliche Fusion befinde, die zum jetzigen Zeitpunkt als Übernahme von Glencore durch den Rohstoffkonzern Rio Tinto strukturiert sein dürfte.
Die fusionierte "GlenTinto" hätte eine Marktkapitalisierung von über 310 Milliarden AUD.
Glencore und Rio Tinto betonten beide, dass es keine Gewissheit gebe, ob aus ihren Gesprächen überhaupt eine Einigung resultieren würde. Gemäß dem britischen M&A-Recht hat Rio Tinto nun jedoch bis zum Geschäftsschluss in London am 5. Februar Zeit, eine "feste Absicht" zur Abgabe eines Angebots zu erklären.
Dieser Zusammenschluss ist keine neue Idee. Glencore wandte sich Ende 2024 erstmals an Rio, um über einen Deal zu verhandeln, doch die Gespräche gerieten ins Stocken, da die Kohlevorkommen von Glencore für Rio Tinto offenbar ein zu großes Hindernis darstellten, nachdem RIO sich vor Jahren inmitten eines starken ESG-Drangs aus diesem Bereich zurückgezogen hatte.
Knackpunkt Kohle
Glencore ist dagegen weiterhin sehr stark im Kohlesektor aktiv. Es erscheint wahrscheinlich, dass bei einem "Deal" die Veräußerung der australischen Kohlevorkommen eine wichtige Grundlage wäre. Glencore produziert jährlich rund 120 Millionen Tonnen Kohle!
Für dieses Business ständen aus meiner Sicht zwei Unternehmen gerne als Käufer auf der Matte – nämlich unsere beiden Depotwerte Whitehaven Coal (A0MSK7, ASX: WHC) und YanCoal (A1JZHX, ASX: YAL). Die beiden zählen zu den erfahrensten Kohleproduzenten in Australien und beide hätten nicht nur die Expertise, sondern auch Cash auf der Bank.
Dies jedoch nur Gedankensprung nach vorne, sollten die Assets von Glencore tatsächlich auf den Markt kommen.
Kupfer im Fokus
Glencore produzierte im Jahr 2024 951.000 Tonnen Kupfer und wird voraussichtlich im Jahr 2025 eine Produktion von rund 850.000 Tonnen melden.
Rio Tinto rechnet für das Jahr 2026 mit einer Kupferproduktion von 800.000 bis 870.000 Tonnen.
Ein fusioniertes Unternehmen wäre der zweitgrößte Kupferproduzent nach BHP – und das zu einer Zeit, in der die Kupferpreise aufgrund massiver Nachfrageprognosen und der Sorge um ein weltweites Unterangebot stark steigen.
Sollte es zu einer Fusion von Rio und Glencore kommen, wäre dies ein weiterer bedeutender Zusammenschluss mit Schwerpunkt Kupfer, nachdem Anglo American und Teck im vergangenen September ihre 53 Milliarden Dollar schwere "Fusion unter Gleichen" angekündigt hätten.
BHP unternahm im vergangenen Jahr mehrere Versuche, Anglo zu übernehmen, doch seine Annäherungsversuche wurden zurückgewiesen.
Die Aktien von Rio Tinto gaben heute an der ASX (ASX: RIO) um 6,27% nach, und dies bei recht hohen Umsätzen. Jedoch ist die Aktie in den Tagen zuvor auch stark gestiegen.
Die Unternehmen haben jetzt zunächst einmal einen Monat Zeit und bis zum 05. Februar muss Rio Tinto entweder eine "feste Absicht" zur Abgabe eines Angebots erklären – oder die Gespräche laufen ins Leere. Diese Deadline erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass in den nächsten Wochen konkretere Aussagen in Sachen Struktur, Asset-Deals oder Auflagen folgen – oder eben ein offizielles "Nein".
Chart Rio Tinto in Sydney:
Chart Glencore in London:
© Hannes Huster
Quelle: Auszug aus dem Börsenbrief "Der Goldreport"
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