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Welche Art von Exploration und Bergbau brauchen wir zukünftig?

Die vorausgegangenen Ausführungen haben deutlich gemacht, dass selbst unter Annahme der optimistischsten Szenarien (d.h. maximale Recyclingraten und sinnvoll minimierter Verbrauch) die Exploration und bergmännische Gewinnung mineralischer Rohstoffe notwendig sind, um unsere heutigen Bedürfnisse und die zukünftiger Generationen abzudecken. In einer ökonomisch und technisch vernetzten (d.h. globalisierten) Welt, die wir zudem zunehmend auch geologisch und ökologisch als ein komplexes Ganzes begreifen ("Das System Erde"), geht uns das Ausmaß und die Art der Rohstoffsuche und -gewinnung alle an, unabhängig davon, wo dies geschieht. Im schlechtesten Fall müsste man davon ausgehen, dass sich der Bergbau als Folge der ökologisch sensibilisierten Bevölkerung der 1. und 2. Welt zunehmend in die 3. Welt verlagert, wo mögliche Schäden zur Zeit noch weniger stark wahrgenommen werden. In der Vergangenheit ist eine solche Verlagerung auf Kosten der Entwicklungsländer relativ häufig der Fall gewesen. Insbesondere im Verlauf der letzten zehn Jahre haben sich jedoch globale Veränderungen in der Art der Exploration und des Bergbaus abgezeichnet, die durchaus optimistisch stimmen können. Hierbei ist nun insbesondere die Globalisierung der Rohstoff- und Finanzmärkte eine Haupttriebkraft für den bewussteren Umgang mit unseren geogenen Ressourcen.

Die zehn produktionsstärksten Rohstoffkonzerne der Welt Abbildung 25:
Die zehn produktionsstärksten Rohstoffkonzerne der Welt. Umfangreiche Programme zur Arbeitssicherheit, Gesundheitsfürsorge und Umweltschutz stellen bei diesen Konzernen heute einen integralen Bestandteil der Firmenkonzepte dar.

Die internationale Klassifizierung von Schadstoffen, die sowohl in Primärerzen aber auch in den fertigen Metall-Legierungen enthalten sind, hat bereits deutliche Auswirkungen auf moderne Explorationskonzepte gehabt. So wird bereits im Frühstadium von Kupferexplorationsprogrammen ein besonderes Augenmerk darauf gerichtet, ob der zu explorierende Lagerstättentyp oder die ausgewählte Region die heute erwünschten, Arsen-armen Lagerstätten beinhalten.

Die vermutlich bedeutendsten Kontrolleure von umweltbewusstem Explorations- und Bergbauverhalten sind jedoch die internationalen Aktienmärkte, da das "ethisch korrekte" Verhalten multinationaler Konzerne heute vielfach durch das Investorenverhalten maßgeblich beeinflusst wird. Umweltverträglichkeitsstudien und umfangreiche Rückstellungen für Rehabilitationsmaßnahmen sind heute fester Bestandteil aller Explorations- und Bergbauprogramme großer multinationaler Konzerne. Die bergbaubedingten Umweltskandale der letzten Jahre wurden meist von finanzschwachen, kleinen ("fly-by-night") Firmen verursacht, von denen einige einen derartigen Kodex (noch) nicht in gleichem Umfang verinnerlicht haben wie die meisten Großkonzerne. Die inzwischen in fast allen international agierenden Firmen verankerten Programme für (Arbeits-)Sicherheit, Gesundheitsfürsorge und Umweltschutz sind international unter dem Begriff "SHE-policy" (safety, health and environment) ein fester Begriff geworden, der in der Explorationspraxis zunehmend beachtet wird und in der Finanzwelt aufmerksam registriert und kontrolliert wird.

Ein weiterer Grund für deutlich verbesserte ("schonendere") Explorations- und Abbauverfahren liegt in der inzwischen in vielen Ländern verbesserten Gesetzgebung, z.B. einem neuen Bergrecht und dessen Einhaltung. Sowohl auf juristischer als auch auf technischer Ebene ist hier aber in den nächsten Jahren noch ein verstärkter Wissens- und Technologietransfer nötig, um in den nun noch stärker zu Lieferanten mineralischer Rohstoffe werdenden Entwicklungsländern eine nachhaltige Entwicklung und optimierten Rohstoffabbau zu erreichen. Im Rahmen dieses Technologie- und Know-how-Transfers ist in großem Umfang auch bzw. insbesondere mineralogisch-geologisches Wissen gefragt, sodass hier auf lange Sicht berufliche Betätigungsfelder im In- und Ausland zu erwarten sind.

"In Bergesadern, Mauersgründen, ist Gold
gemünzt und ungemünzt zu finden
und fragt Ihr mich, wer es zu Tage schafft,
begabten Mann's Natur und Geisteskraft."

Goethe, Faust

 

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© Prof. Dr. Gregor Borg

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Petrologie & Lagerstättenkunde
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Literaturverweise:

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BGR (Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe) (1998) Bundesrepublik Deutschland - Rohstoffsituation 1998. In: BGR (Hrsg.) Rohstoffwirtschaftliche Länderstudien XXI, Schweizerbart Verlag, Stuttgart, 206 S.
Borg, G. (1998) The nineties as a decade of change in African and global exploration patterns. Society of Geology Applied to Mineral Deposits (SGA), Newsletter, 6, 1-10.
Evans, A.E. (1993) Ore Geology and Industrial Minerals - an Introduction. (3. Auflage), Blackwell Scientific Publications, Oxford, 390 S.
Juhas, A.P. & Snow, G.G. (2000) Economic Geologists and the Biological Imperative. Society of Economic Geology (SEG), Newsletter, 42, S. 21-27.
Meadows, D. (1998) Die Grenzen des Wachstums. (15. Auflage) Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart, 235 S.
Metallgesellschaft (1993) Die Welt der Metalle - Kupfer. Geographie, Bergbau, Verhüttung, Handel. Metallgesellschaft, Frankfurt/M., 143 S.
Mining Journal (diverse Jahrgänge) The Mining Journal, London web-site: www.mining-journal.com
Wellmer, F.-W. (1999) Mit der Erde leben. Springer-Verlag, Heidelberg, 273 S.
Wellmer, F.-W. & Dalheimer, M.  (2000) Rohstoffe und Energie - Auswirkungen der Globalisierung auf die Versorgungssicherheit Deutschlands. Erzmetall, 53, 6, S. 385-397.
Grafikgestaltung: J. Reichert & G. Borg

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