China "frisst" Europas Industrie – und niemand wehrt sich
15.09.2025 | Vertrauliche Mitteilungen
Chinesische Staatskonzerne zerlegen Europas Industrie derzeit Stück für Stück. Doch statt über wirksame Abwehrmaßnahmen zu diskutieren, spricht man in Berlin, Brüssel und Paris immer nur von der Notwendigkeit "fairer Spielregeln".
Die chinesischen Konzernlenker interessiert dies aber nicht. Sie schaffen einfach neue und für sie vorteilhafte Fakten. Es brauche "hart gegen hart", fordert deshalb die deutsche China-Expertin Janka Oertel. Sie bezeichnet Chinas Staatsindustrie als ein Raubtier, das an den schon zunehmend fleischlosen Knochen Europas nage – und das weitgehend unbehelligt.
Als Direktorin einer europäischen Denkfabrik mit Zuständigkeit für China und Asien weiß Oertel ganz genau, wovon sie spricht. Und ihre Botschaft ist klar und eindeutig: China ist dabei, das Herz der europäischen Industrie zu untergraben derweil man in Europa noch weitgehend in der Vergangenheit lebe und es nicht schaffe, sich auf die "neue Welt" einzustellen.
Und es würde zurzeit noch immer schlimmer, weil Chinas gewaltige Finanzmittel zunehmend für die Übernahme europäischer Produktionskapazitäten eingesetzt würden. Peking versuche damit unter anderem, für die zurzeit eher stockende Inlandskonjunktur neue Akzente zu setzen.
Oertel macht es fassungslos, daß diese offensichtlichen Gefahren für Europas Zukunft und Wohlstand in den europäischen Regierungszentralen noch weitgehend ignoriert würden. Zwar seien inzwischen die meisten europäischen Staatschef mit hochrangigen Wirtschaftsdelegationen nach Peking gereist. Und praktisch alle betonten dabei, daß sie auf einem fairen Handel bestünden und nicht akzeptieren würden, daß chinesische Unternehmen ihre Überproduktion zu Dumpingpreisen nach Europa schiffen lassen.
Doch von Konsequenzen habe bisher niemand gesprochen (außer Trump für die USA, die Red.). Deshalb machen die Chinesen einfach weiter wie bisher. Und die Investitionen europäischer Unternehmen in China (meist nur für die Belieferung des chinesischen Marktes) waren und bleiben streng reglementiert. Arbeitsplätze und Steuern bleiben in China, dafür sorgt im Zweifel schon der im Regelfall von Peking mit bestimmte Teil der örtlichen Unternehmensleitung.
Ein besonders trauriges Beispiel liefert die deutsche Autoindustrie, deren Marktanteil in China seit dem Jahr 2022 massiv zurückgegangen ist. Umgekehrt haben die neuen chinesischen Konkurrenten längst mit dem Aufbau neuer Produktionsstätten innerhalb Europas begonnen, um möglichen Einfuhrhindernissen zu entgehen.
"Große Teile von Europas industrieller Basis drohen sich in eine Ansammlung chinesischer Fließbänder zu verwandeln", warnt Oertel. Europa drohe laut Oertel nun eine Entwicklung, wie sie die USA nach Chinas Beitritt zur Welthandelsorganisation WTO erlebten, als das Reich der Mitte die USA mit Billigprodukten überschüttete und auf diese Weise indirekt viele "Einfach-Arbeitsplätze" aus den USA heraus nach China verlagerte.
Nun droht Europa laut Oertel eine ähnliche Entwicklung, allerdings jetzt auch auf die Hochtechnologie – von der Chipproduktion bis zur Raumfahrt – bezogen. Laut einer australischen Studie führt China jedenfalls schon jetzt in 57 von 64 betrachteten Schlüsseltechnologien.
Vor diesem Hintergrund fordert Oertel die europäischen Regierungen und die EU selbst auf, diese gar nicht mehr so neue chinesische Bedrohung als eine "Frage der nationalen Sicherheit“ zu begreifen – ähnlich wie US-Präsident Donald Trump, der manchen chinesischen Export in die USA wegen Sicherheitsbedenken stoppen ließ oder hohe Zölle verhängt bzw. zuerst androht.
Für Oertel wäre es in einem ersten Schritt wichtig, die europäischen Politiker von der Illusion zu befreien, man lebe in einer Welt "gleicher Spielregeln". Und als mögliche Gegenreaktion schlägt sie die Bildung grenzüberschreitender Industriesonderzonen nach chinesischem Vorbild vor – mit Staatsförderung, koordinierter Forschung und Entwicklung und Sondergesetzen für mehr Flexibilität.
Und das alles nur für Europäer, ohne Zugang für chinesische Firmen. Wenn aber nichts geschieht (und das dürfte laut Oertel dann aber auch schnell eintreten), bleiben nach Auffassung der China-Expertin nur noch zwei denkbare Szenarien.
Im einen wird Europas Industrie unter einer zunehmenden und lebensbedrohenden Schwäche zu leiden haben (wie derzeit etwa die Solarindustrie) und im anderen übernehmen chinesische Konzerne bestenfalls ganze europäische Konzernstrukturen, wenn sie nicht gleich weitere eigene Fabriken – und dann mit chinesischem Personal – errichten. So oder so würden Deutschlands Wachstum und Wohlstand untergraben.
© Vertrauliche Mitteilungen
Auszug aus den "Vertrauliche Mitteilungen", Nr. 4663