Goldkurs: Ansturm des Bullen oder Bärenfalle?
26.01.2015 | James West
Seit mehreren Handelstagen befindet sich Gold auf dem Weg nach oben, der Eindruck liegt nah, dass es mit Blick auf bestimmte makroökonomische Faktoren durchaus möglich wäre, dass eine neue Bullenmarktphase angebrochen ist. Aber zeichnet die aktuelle Bewegung tatsächlich einen Trend vor? Oder haben wir es nur mit einer weiteren Sprengfalle zu tun, für die die Puppenspieler am Goldmarkt so berühmt geworden sind?
Wird Gold noch knapp unter die 1.400 $-Marke steigen, bevor Jeffrey Currie schließlich wieder verkündet: "Gold shorten!" - quasi als Prophezeiung eines völlig rücksichtslosen Übernacht-Selloffs bei Gold-Terminkontrakten an der Tokioter Börse?
Am 10. April 2013 wurde einer der führenden Analysten von Goldman Sachs im Wall Street Journal mit der höchst manipulativen Schlagzeile: “Goldman Sachs: Short Gold!“ zitiert.
Oder wird der Goldkurs seinen stetigen Anstieg, wie wir ihn zwischen 2002 bis 2011 mit zweitstelligen Gewinnquoten Jahr für Jahr hatten, wieder aufnehmen? Wird Gold endlich auf 2.000 $ pro Unze steigen?
Aus fundamentaler Sicht haben wir allen Grund anzunehmen, dass Gold die Papierwährungen hinter sich lassen wird - man denke nur an die schieren Mengen Dollar, Yen, Yuan und jetzt auch Euro, die in den globalen Waschautomaten fluten. Allerdings haben wir diese Grundsituation nun schon seit 2008, als die Fed mit ihrer Geld- und Kreditproduktion per Computertastendruck begann. Die im Verhältnis zu Gold steil steigende Währungsproduktion müsste die Goldpreise eigentlich fundamental in die Höhe treiben. Das ist aber bislang nicht geschehen.
Ich nehme an, wir sollten zu der Ansicht gelangen, dass die Verfolgung der Manipulatoren, die für den täglichen Goldkurs-Fix in London verantwortlich waren, als hinreichender Beweis gelten kann, dass Eingriffe in die Goldkursentwicklung seit letztem Jahr nicht mehr möglich sind. Es ist ja nicht so wichtig, dass das Goldäquivalent dieser zukünftigen Verkaufs- und Kaufpositionen die tatsächlich verkaufs- und kauffähigen Goldmengen um ein Vielfaches!!! übersteigen, oder dass die verfügbare physische Metallmenge jedes Jahr komplett von Metallinvestoren auf- und wieder angekauft wird.
Nach wie vor sinken die durchschnittlichen Metallgehalte der Bergbaulagerstätten; heute - nach einem fünfjährigen Bärenmarkt bei den Explorationsunternehmen - sieht die zukünftige Versorgungslage angespannter als je zuvor aus. Die positiven Fundamentaldaten beim Gold werden zudem noch durch die Tatsache untermauert, dass China jetzt über zwei Goldbörsen verfügt und seinen Bürgern zudem das Horten von Gold erlaubt hat, was auch eine Erklärung dafür sein dürfte, dass China seine gesamte Goldproduktion und noch ein Drittel der restlichen Weltproduktion selbst aufnimmt.
Die Top-5 der Goldfinanzierungen für diese Woche
Als der Goldpreis zum ersten Mal seit sieben Monaten wieder die Marke von 1.300 $ durchbrach, erwachte auch der kanadische Bergbaufinanzmarkt aus seiner Starre.
Eine Auswahl der jüngst gemeldeten Finanzierungsgeschäfte:
- 1. Osisko Gold Royalties Ltd. informierte über eine Bought-Deal-Privatplazierung eines Finanzkonsortiums im Umfang von 200 Millionen $.
- 2. Detour Gold Corp. informierte über einen 141 Millionen $ schweren Bought-Deal mit einer Gruppe unter dem Vorsitz von BMO Capital Markets.
- 3. Richmont Mines Inc. kündigte an, dass die Bought-Deal-Summe eines zuvor vereinbarten Emissionsaufkaufs auf 34 Million $ erhöht wurde.
- 4. Asanko Gold Inc. kündigte eine Bought-Deal-Finanzierung durch ein Syndikat unter Führung von Cormark Securities und BMO Capital Markets an.
- 5. Lydian International Ltd. informierte am 15.Januar 2015 ebenfalls über einen Bought-Deal-Emissionsaufkauf in Höhe von 16,5 Millionen $.
Wo bleibt die Reaktion des Terminmarktes auf die steil steigenden Goldpreise?
Falls der physische Spotmarkt, und das ist die Position der meisten Goldbugs, problemlos vom Papier-Terminmarkt überwältigt wird, dann stellt sich die Frage: Wo bleibt jetzt die Antwort des Papiermarktes auf den plötzlichen Anstieg der physischen Nachfrage? Falls der Goldkurs, wie Verschwörungstheoretiker behaupten, künstlich niedrig gehalten werden muss, um die Machbarkeit einer Nullzinspolitik sowie laufender und kommender QE-Programme (Asien bzw. EU) sicherzustellen, warum haben diese manipulativen Kräfte das aktuelle Aufflammen der Kurse nicht gedeckelt?
Wahrscheinlich wird gerade daran gearbeitet - die Stolperfalle wird zu gegebener Zeit an Ort und Stelle liegen. Dann wird ein ganzer Chor aus Verkaufsempfehlungen und tieferen Goldpreisprognosen den Beginn einer Bärenmarktattacke in Form massenhafter Short-Futures-Positionierung ankündigen.
Jeffrey Currie von Goldman Sachs bleibt auffällig still
Wenn Gold sein hässliches Haupt in der Bullenarena zeigt, dann bekommen wir normalerweise von Jeffrey Currie zu hören, also jenem Goldman-Sachs-Analyst, dessen Zitat im Wall Street Journal an prominentester Stelle sowie beispiellos ausrufend und höchst manipulativ zur Schlagzeile gemacht wurde “Goldman Sachs: Short Gold!“ (Richtig, ein Ausrufezeichen haben sie auch gesetzt.) Die Schlagzeile erschien einen Tag bevor Gold am 10. April 2013 innerhalb eines Tages um 15% absackte. Hatte Jeffrey Currie einfach die Voraussicht oder wusste er etwas, dass der Rest von uns nicht wusste?
Damals heiß es im Artikel: “Goldman Sachs sieht Goldpreis bis Ende 2014 auf 1.270 $ sinken“. Nicht weit gefehlt. Im September dieses Jahres sagte Currie dann, er "geht davon aus, dass der Metallpreis bis Ende 2014 auf 1.050 $ fallen wird." Da lag er daneben. Und zwar nicht zu knapp.
Seit September 2014 hat Currie sich jeder Bemerkung zum Goldpreis enthalten, er konzentriert sich jetzt auf Öl und prognostizierte kürzlich einen Kursverfall auf bis auf 40 $/ Barrel. Keinen Mucks mehr zum Gold.
Angesichts derartiger Ankündigungen seitens Bloomberg und dem Wall Street Journal schockiert es nicht, dass Investoren kein Interesse mehr am Gold zeigten, nachdem das Metall fast das gesamte Jahr 2014 über in einer Seitwärtsspanne zwischen 1.100 $ und 1.300 $ verharrte.
Täuscht Curries Schweigen nun über einen Richtungswechsel bei Goldman hinweg? Setzt die Bank jetzt auf steigende Goldkurse? Könnte Gold vielleicht der Geheim-Trade des Jahres 2015 sein?
Schwache Q4-Ergebnisse der Banken sind problematisch
Die Tatsache, dass der “Long-Seite“ des Goldmarktes ab Ende 2014 und im neuen Jahr so viel Interesse zuteilwurde, hängt mit einem Zusammenspiel verschiedener Umstände zusammen, die mehr oder weniger einen “perfekten Sturm“ - zugunsten steigender Goldpreise - erzeugen.
Die Nettoerträge von Goldman Sachs waren im letzten Quartal um 7,1% auf 2,17 Milliarden $ gesunken, da der Handelsabteilung für festverzinsliche Wertpapiere aufgrund sinkender Handelsvolumina an den Wertpapiermärkten die Erträge um 29% weggebrochen waren. Vielleicht beginnt der Goldmarkt für die Bank jetzt an Attraktivität zu gewinnen?
JP Morgan Chase und Co. wiesen für das letzte Quartal einen Gewinnrückgang von 6,6% aus, da die Prozesskosten in Folge staatlicher Prüfungen mehr als 1 Mrd. $ betrugen.
Nach Aussage des JP Morgan-Vorstands Jamie Dimons sein ein “Bankenüberfall“ der Aufsichtsbehörden für die Nöte der Banken verantwortlich. Wow!
Wie dem auch sei, wenn diese beiden Giganten des Finanzdienstleistungssektors beginnen, ihre Ziele zu verfehlen, dann kommt es im Allgemeinen zu Bodenverschiebungen im Finanzuniversum. Falls Goldman, Barclays, JP Morgan, HSBC und ihresgleichen, wie ich vermute, still und heimlich physisches Gold akkumuliert haben, um Short-Positionen glattzustellen, die nicht mehr “im Geld sind“, dann wären sie am besten bedient, diese Geschäfte bei steigenden Goldpreise auszugleichen.
Viele Investoren, die vom Gold & Silber fluchtartig auf den künstlich besamten Tech-Bullen umsattelten (mit neuen Rekordständen im Dow Jones Industrial Average und im S&P 500) werden jetzt immer pessimistischer, was die Dauerhaftigkeit dieses Trends angeht, nicht zuletzt weil die quantitativen Lockerungen in den USA nachlassen. Zudem macht die Fed zunehmend Lärm um drohende Zinssatzsteigerungen. Alle leisen Signale deuten darauf hin, dass dieser Goldmarktbulle wieder unter Dampf geraten könnte.
Stimulus aus Europa: Gut für Gold
Mario Draghis Drohung, mit der Produktion von Kapital und Kredit aus dem Nichts zu beginnen, ist großartig für Gold. Denn während die globale Investorenstimmung sich von den US-Märkten entfernt und die Anleiheinvestoren verdrießlich sind, scheint es so, als würde Gold wieder das machen, was es normalerweise macht: Es steigt, wenn es zur erstbesten Wahl wird.
Die Kraft mit der Draghi die “Outright Monetary Transactions“ lostritt, wird zum großen Teil von deutschen Forderungen zur Zurückhaltung gedämpft werden. Dennoch kann man davon ausgehen, dass die EZB wahrscheinlich eine Summe im Bereich von 50 Mrd. $ pro Monat durchsetzen wird.
Aus einer heutigen Meldung von Bloomberg: “Ein Vorschlag des EZB-Direktoriums, der im EZB-Rat vorgebracht wurde, sieht den Ankauf von Vermögensanlagen im Wert von 50 Mrd. Euro pro Monat bis Ende 2016 vor, so zwei Vertreter der Zentralbank, die Einsicht in dieses Dokument hatten.“
Werfen wir einen Blick auf die geopolitische Umgebung: Asien steckt in einem ersthaften konjunkturellen Rücklauf, der nach und nach wie der Anfang eines großen Auflösungsprozesses aussieht. Angesichts der Abhängigkeit Chinas von Infrastrukturbaumaßnahmen sowie vom Eigenheimimmobiliensektor mit Krediten, die Implosionssignale senden, könnte das der Moment sein, wo sich die sanfte Landung Chinas in einer harte verkehrt. Eine solche Entwicklung zeigt sich immer deutlicher am Kupferkurs, der aktuell ein 6-Jahre-Tief erreicht hat.
Vorsicht Goldinvestoren!
Während große Finanzierungsgeschäfte allem Anschein nach ein Indikator für das Vertrauen der kanadischen Investmentbanker in die zukünftigen Goldkursentwicklungen sind und auch Jeffrey Curries Schweigen zum Thema mit Sicherheit verdächtig ist, so dürften wir nicht vergessen, dass Kursschwindeleien am Goldmarkt auf der Long- wie auch auf der Short-Seite stattfinden.
Bevor Sie sich also ins physische Metall oder auf Ihre bevorzugten Goldproduzenten stürzen, denken Sie auch an Folgendes: Wenn dem Goldkurs der Boden unter den Füßen weggezogen wird, dann wird das ohne viel Vorwarnung passieren. Und wenn es einen Lehre gibt, die man aus dem Marktumfeld der letzten 5 Jahre doch hoffentlich hätte ziehen müssen, dann die, dass “Fundamentalfaktoren“ nicht zum Tragen kommen.
Mit freundlicher Genehmigung von http://www.midasletter.com/
© James West
www.midasletter.com
Dieser Artikel wurde am 21. Januar 2015 auf www.gold-eagle.com veröffentlicht und exklusiv für GoldSeiten übersetzt.