Gold: Nichts als Fakten
26.05.2016 | Dan Norcini

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Andererseits wurde beim Trendstärke-Indikator ADX, der seit Beginn dieses Jahres kontinuierlich zugelegt hatte, mittlerweile ein Rückgang verzeichnet. Das lässt darauf schließen, dass der Aufwärtstrend vorerst eine Pause einlegt. Der DMI gibt noch immer ein bullisches Signal, da die +DMI-Linie weiterhin über der -DMI-Linie liegt. Die beiden Linien bewegen sich jedoch aufeinander zu, was zu erwarten ist, wenn der ADX fällt.Wir werden eine bessere Vorstellung von den mittelfristigen Aussichten bekommen, wenn wir sehen, wie die beiden DMI-Linien sich entwickeln, sobald sie sich einander stark annähern. Wenn der +DMI wieder zu steigen beginnt und der -DMI sich abwärts wendet, dann ist es relativ wahrscheinlich, dass sich der Aufwärtstrend des Goldkurses fortsetzt.
Ich schätze, dass die weitere Entwicklung zu einem großen Teil vom internationalen Währungsmarkt und vom US-Dollar abhängt. Wenn die Märkte zu der Überzeugung gelangen, dass die US-Notenbank Federal Reserve die Zinssätze tatsächlich erhöhen wird, würde das den Dollar stützen und den Goldkurs unter Druck setzen. Eine Rolle spielt jedoch nicht nur die Zinsanhebung bzw. ihr Ausbleiben, sondern auch der Ton, den die Fed anschlägt, sowie die Frage, ob die Märkte glauben, dass sie ihren Kurs dauerhaft geändert hat und künftig weitere Zinssteigerungen anvisiert.
Vergessen Sie nicht, dass die Anpassung der Zinsen im Dezember die erste Erhöhung seit fast sieben Jahren darstellte. Doch sehen Sie sich an, wie sich der Goldpreis daraufhin entwickelte. Was ist der Grund dafür?

Die Marktteilnehmer waren ein Zeit lang überzeugt, dass es sich bei der Anhebung um eine einmalige Angelegenheit handelte und diese Sache damit vorerst abgeschlossen wäre. Die Federal Reserve hatte verlauten lassen, dass weitere Anpassungen von der Entwicklung der Wirtschaftsdaten abhängig seien, daher rechnete niemand mit einer plötzlichen Zinserhöhungssalve. Die Notenbank hatte zwar auch gesagt, dass sie die Zinsen 2016 viermal anheben würde, doch daran glaubte angesichts der schwachen Wirtschaftslage kaum jemand. Selbst die Fed nicht.
Dazu kamen noch Interferenzen aus Übersee in Form von Sorgen um die Schwellenmärkte und China sowie die Problemen der EZB und der Bank of Japan, um nur einige zu nennen. Unter diesen Umständen waren viele der Ansicht, dass die Fed es angesichts des hohen Dollarkurses nicht riskieren konnte, eine zu "falkenhafte" Rhetorik zu verwenden. Ein starker Dollar, dessen Index USDX über dem Niveau von 100 Punkten lag, stellte ein Problem dar.
Die große Frage, die sich die Märkte stellen werden, lautet jedenfalls: "Kann die Fed die Zinsen trotz der damit verbundenen negativen Nebeneffekte in einem Tempo erhöhen, welches den Dollar wieder steigen lassen würde, oder wäre eine potentielle Zinsanhebung vorerst die letzte?" Sollten die Märkte zu der Überzeugung gelangen, dass das Zinsniveau künftig langsam aber stetig weiter steigen wird, dann fällt es mir schwer für Gold weitere Gewinne zu sehen, da der stärkere US-Dollar und die höheren Zinsen das gelbe Metall unter Druck setzen werden. Wenn sich jedoch die Annahme durchsetzt, dass eine Zinsanpassung eine einmalige Sache wäre, dann sollte sich der Goldkurs wieder erholen, so wie er das auch im Dezember getan hat, als der Dollar-Index nach der Erhöhung sogar zurückging.

Das Wichtigste ist jedoch, dass Sie sich nicht für immer auf eine Position oder Sichtweise festlegen. Bleiben Sie objektiv und lassen Sie Ihre Emotionen außen vor. Gold ist ein Investment. Es ist eine Anlageklasse, die manchmal beliebt ist, und manchmal nicht. Beim Trading und bei Investitionen geht es darum, intelligente Entscheidungen zu treffen und zu versuchen, das eigene Vermögen zu mehren. Es geht nicht darum, sich irgendeiner Bewegung anzuschließen. Überlassen Sie das denen, die lieber "Recht haben" wollen (zumindest ihrer eigenen Ansicht nach), statt erfolgreich zu sein. Vergessen Sie das nicht.
© Dan Norcini
Der Artikel wurde am 25. Mai 2016 auf www.safehaven.com veröffentlicht und exklusiv für GoldSeiten übersetzt.