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Die ultimative Lizenz zum Gelddrucken

30.06.2016  |  Andrew Hoffman
Sir Alan Green Greenspan, der unbestrittene Architekt dessen, was David Stockmann die Ära der Blasen-Finanzwirtschaft nennt, spielte als Verursacher der Flut an Fiatgeld, die derzeit über die Welt hinwegspült eine größere Rolle, als alle anderen Zentralbanker zusammen. Sicher, Helikopter-Ben, Hubschrauber-Janet, Mario Draghi, Shinzo Abe und andere haben seine Fehlentscheidungen weiter verschlimmert - aber nur aus dem einzigen Grunde, dass Ponzi-Systeme von Natur aus immer weiter wachsen müssen, um bestehen zu können.

Bevor Greenspan seine Seele für mehr Macht an den Gott der Fiatwährungen verkaufte, war er im Übrigen ein bekannter "Goldbug" und nannte Ayn Rand, die Autorin des ultimativen anti-staatlichen und gegen Papierwährungen gerichteten Romans "Atlas wirft die Welt ab", als seine Mentorin. Tatsächlich verfasste er 1966, 21 Jahre, bevor er der Vorsitzende des US-Notenbank wurde, eine vernichtende Abhandlung mit dem Titel "Gold and Economic Freedom", in der er Fiatwährungen aufs schärfste kritisiert. Aus diesem Artikel stammt auch das folgende unsterbliche Zitat:

"Ohne einen Goldstandard gibt es keine Möglichkeit, Ersparnisse vor einer Konfiszierung durch Inflation zu schützen."

Seitdem er sein Amt im Jahr 2006 niederlegte, ist es offensichtlich, dass er nicht nur seine damaligen Verfehlungen bereut, sondern auch verzweifelt versucht, sein Vermächtnis zu beschönigen und die hyperinflationären Fehltritte zu verschleiern. Dabei möchte er nicht nur die Schuld auf ihm nachfolgende Zentralbanker und Kongressabgeordnete abwälzen, sondern auch wieder allgemein bekannt machen, dass er an Gold glaubt. Wenn der ehemalige Fed-Vorsitzende im stattlichen Alter von 90 Jahren also zum Beginn der - wie ihm vollkommen bewusst ist - heftigsten Finanzkrise der Geschichte derart medienpräsent ist und die Vorzüge von Gold lauthals anpreist, dann können Sie sich sicher sein, dass der finale Crash bevorsteht.

Bix Weir ist der Ansicht, dass Alan Greenspan das schreckenerregende Szenario, mit dem wir jetzt konfrontiert sind, bereits von Anfang an vorausgesehen hat. Ich gehe dagegen eher davon aus, dass die gesamte Chronologie der Geldpolitik eher eine Reihe unglücklicher und dummer Fehler war. Wir werden die Antwort wohl nie genau kennen, doch wie dem auch sei - der historische Kollaps der Fiatwährungen, der die Welt zurück in die Arme von Gold treibt, entfaltet sich auf perfekte Weise. Wenn Sie noch daran zweifeln, was hier auf uns zukommt, dann möchte ich anmerken, dass es wahrscheinlich nicht ratsam ist, die Worte des mächtigsten und einflussreichsten Zentralbankers der Geschichte zu ignorieren:

"Wir erleben aktuell die ersten Tage einer Krise, die uns noch für lange Zeit beschäftigen wird. Wenn wir uns wieder auf den Goldstandard zurückbesinnen und uns an die Struktur halten würden, die dieser vor 1913 hatte, dann ginge es uns gut. Vergessen Sie nicht, dass die Vereinigten Staaten in den Jahren zwischen 1870 und 1913 eine der stärksten wirtschaftlichen Wachstumsperioden ihrer Geschichte erlebten - und das war die goldene Zeit des Goldstandards."

Doch nun zu einem anderen Thema. Es ist Dienstagmorgen und die "höheren Mächte" haben es nach dem schlimmsten zweitägigen Einbruch der Aktienmärkte, der auf globaler Ebene je verzeichnet wurde, und vor dem Hintergrund unablässig laufender Notenpressen und rekordverdächtiger Marktmanipulationen geschafft, an den Märkten einen Dead Cat Bounce herbeizuführen, eine kurzfristige, bescheidene Kurserholung.

Und wer hätte es gedacht, der Chef für Innereuropäische Zerstörungsprozesse selbst, Mario Draghi, wurde als Katalysator für den vorübergehenden Aufschwung genannt, weil er sehr subtil weitere abgekartete Geldmengenausweitungen und Eingriffe in das Marktgeschehen angedeutet hat. Nach vier Jahren hat er offenbar noch immer nicht begriffen, dass "koste es, was es wolle" alles nur noch schlimmer macht.

Wie erwartet, wurde kein Markt stärker manipuliert - d. h. nach stärker nach unten gedrückt - als der Goldmarkt. Wenn Sie die folgenden Charts vom Freitag, von gestern und von den heutigen frühen Handelsstunden sehen und nicht wüssten, dass der Kurs in der Nacht von Donnerstag auf Freitag in Reaktion auf das Ergebnis des Brexit-Referendums von 1,255 $ auf fast 1.350 $ geschossen ist, würden Sie denken, dass der Goldpreis im Abwärtstrend liegt. Vom Kartell, das bereits in seinen letzten Zügen liegt, war das aber auch nicht anders zu erwarten, insbesondere wenn man die Short-Positionen in Rekordhöhe an der COMEX sieht.

Auf diese haben es die Trader jetzt allerdings abgesehen, denn wie damals im April 2011 am Silbermarkt ahnen sie schon die Verluste, die den Commercials bevorstehen. Falls wirklich jemand glaubt, dass die jüngsten Kurseinbrüche auf echte Menschen zurückzuführen sind, die echtes Gold verkaufen, dann möchte ich an dieser Stelle erwähnen, dass wir im Einzelhandel selten so eine starke Goldnachfrage erlebt haben, wie in den letzten Tagen. Und ich versichere Ihnen, dass unsere Kunden ihr Gold keineswegs verkaufen wollen!

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Mehr möchte ich zum Thema Gold heute gar nicht sagen, denn es lohnt sich nicht, darauf noch mehr Zeit zu verwenden - höchstens um noch einmal darauf hinzuweisen, dass Gold in fast allen Währungen dieser Welt in der Nähe seiner absoluten Rekordhochs notiert. Die historische, weltweite Goldhausse nimmt gerade erst ihren Anfang, und sie wird weder durch Leerverkäufe an den Terminmärkten, noch durch die Veräußerung der letzten kläglichen Goldreserven der Zentralbanken, noch durch eine andere uns bekannte Kraft aufzuhalten sein.

Stattdessen möchte ich mich nun auf die offensichtlichste Antwort auf den Brexit konzentrieren, der für die Zentralbanken dieser Welt eine Art Manna des Himmels ist. Der Brexit ist der Sündenbock, den sie für ihre selbstgemachten Probleme verantwortlich machen können, die perfekte Entschuldigung dafür, die Menge des frisch gedruckten Fiatgeldes so lange exponentiell zu steigern, bis die Banknoten bestenfalls noch als Toilettenpapier taugen.


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