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Warum der Goldstandard Geschichte ist

29.07.2004  |  Reinhard Deutsch
Diesen Text hat Alex Wallenwein bei GATA, Gold-eagle und auf anderen Webseiten für Goldbugs veröffentlicht. Er befasst sich mit der Wiedereinführung von gedecktem Geld. Das Folgende ist eine freie Übersetzung dieses Artikels.


In den letzten Jahren war ich häufig für einen neuen Goldstandard, dann dagegen, dann wieder dafür und jetzt schwingt das Pendel wieder zurück.

Ist das nun Unentschlossenheit? Ich nenne es lieber Lernen. Ich denke, wir alle sollten ein wenig zwischen beiden Varianten schwanken, um so gemeinsam zu einer richtigen Antwort zu finden. Was nutzt es, an einer bestimmten Überzeugung festzuhalten, wenn sie einem dann um die Ohren fliegt, oder bedeutungslos wird.

Ein starkes Argument gegen die Wiedereinführung des klassischen Goldstandards ist die Tatsache, dass er jetzt abgeschafft ist - warum?

Nun - wir sollten es als Glücksfall betrachten, dass wir derzeit keinen Goldstandard haben, und nicht versuchen, zu ihm zurückkehren, denn eine Rückkehr würde uns nur zu der Position bringen, die wir 1933 und 1971 verlassen haben.

Goldstandards jeder Couleur sind Geschöpfe der Gesetzgebung. Sie sind Erzeugnisse der Macht und wie jeder glühende Anhänger der Österreichischen Schule weiß, geht alles, was der Staat anfasst, irgendwann schief. Obwohl Gold natürlich schon etwas Realeres ist als fiat money kann man doch sagen, dass der Goldstandard genauso eine gesetzliche Fiktion ist wie etwa eine juristische Person - oder wie sog. gesetzliches Zahlungsmittel - das wie die juristische Person auch ein Geschöpf des Staates ist.

Wie kann ein Goldanhänger so etwas sagen? Ganz einfach. Man muss sich nur folgende Tatsache vor Augen halten:


Was der Staat gibt, kann er auch wieder nehmen.

Was passierte, als wir den Goldstandard hatten? Jedes Mal, wenn wir bzw. der Staat für Sachen bezahlen mussten, für die eigentlich kein Geld da war, flog der Goldstandard aus dem Fenster und der fiat Virus kam herein. Was nutzt uns also ein Goldstandard, der seine segensreiche Bremswirkung bei Staat und Zentralbank nur entfalten darf, wenn der Staat es gnädig zulässt?

Das ist etwa als ob man sagt: "Jawohl - ich fühle mich an den Vertrag gebunden - und zwar so lange, bis ich mich nicht mehr daran gebunden fühle." Das ist nicht nur nutzlos, es erzeugt auch eine Illusion von Sicherheit. Wenn es dem Staat nichts nutzt - bekommen wir von ihm auch keinen Goldstandard. Basta.

Wollen Sie immer noch den Kongressabgeordneten Ron Paul bei seiner Gesetzesinitiative für einen Goldstandard zu unterstützen? Vielleicht besteht in 20 Jahren dafür eine Chance - vielleicht aber auch nicht.

Oder vielleicht wird die anstehende Finanzkatastrophe genügend hoch stehende Personen dazu bringen, Gold in der einen oder anderen Form wieder einzubinden, um der Währungssituation wieder etwas Stabilität zu verleihen. Aber wenn diese hoch gestellte Elite dies macht (und das ist sehr fraglich), dann kann sie ihre Meinung genauso wieder ändern. Das ist das Problem.

Wie wäre es dagegen mit einer Parallelwährung, wie sie sich jetzt mit den digitalen Goldwährungen entwickelt? Wäre das nicht besser? Nun – vielleicht, aber man sollte zunächst einiges dazu bedenken. Zunächst hat einmal der Staat das Vorrecht zu bestimmen, was gesetzliches Zahlungsmittel ist und was nicht. Eine Edelmetallwährung kann in dieser Hinsicht nicht mit dem Vorrecht des Staates konkurrieren.

Gemäß der U.S. Verfassung steht dem Kongress das ausschließliche Recht zu "Geld zu münzen, dessen Wert zu bestimmen, sowie den Wert ausländischer Münzen und den Standard für Maße und Gewichte festzulegen."

Bedeutet das etwa, ein privates Individuum oder eine Gruppe kann nicht selbst bestimmen, ob sie etwas als Gegenwert im Tausch für etwas Anderes akzeptiert? Nein - zum Glück bedeutet es das nicht. Diese Frage wurde aufgeworfen und beantwortet durch den "Liberty Dollar", einer privaten Silberwährung, die von einer Organisation mit dem Namen "Norfed" eingeführt wurde. Der Liberty Dollar ist eine Silber gedeckte Währung, die in einer ziemlich großen, lose mit einander verbundenen Gruppe von Individuen und Kaufleuten zirkuliert. Die Regierung hat keine rechtlichen Einwände dagegen vorgebracht. Es haben im Gegenteil Vertreter verschiedener Behörden erklärt, dass diese Aktivität völlig legal sei und nicht mit irgendwelchen staatlichen Vorrechten kollidiert.

Was sollte uns also davon abhalten, eine Münze aus Gold oder Silber in Umlauf zu bringen mit bestimmter Größe, Gewicht und Feinheit, die allerdings nicht vorgibt, eine Münze der Vereinigten Staaten zu sein?

Wenn eine solche Münze nun eine Unze oder 10 Gramm oder welche Menge von Gold oder Silber auch immer genannt wird, und als solche von privaten Individuen akzeptiert und in Umlauf gebracht wird und auch nur als Tauschmittel bezeichnet wird, wo läge da ein Problem, was die Produktion, Benutzung und Verteilung betrifft?

Wir müssen uns immer daran erinnern, dass Gold eben nicht bloß Geld ist, sondern höchste Liquidität, das ultimative Tauschmittel, weshalb es ja so gut als Geld funktioniert. Gold ist Wert durch und in sich selbst und deshalb das perfekte Tauschmittel. Weil es als Tauschmittel so liquide ist und in dieser Funktion einen so hohen Gebrauchswert hat, dass sein Nutzen nicht abnimmt, auch nicht mit zusätzlichen Einheiten, die man hält (Prof. Antal Fekete bezeichnet das als konstanten Grenznutzen), deshalb benutzen es die Menschen gern als Geld – obwohl es auch in sich selbst Wert hat.

Mal abgesehen von den logistischen Problemen und der Frage wie man ein solches Medium unter die Leute bringt und die Kaufleute dazu bringt, es zu akzeptieren, was wären die Vorteile einer solchen parallelen Edelmetallwährung?


Vorteile einer parallelen Edelmetallwährung

  • Eine staatliche Erlaubnis ist weder nötig noch gewünscht.

  • Es muss nicht durch offiziellen Erlass ein Wert im Verhältnis zur staatlichen Währung festgelegt werden.

  • Es gibt kein Ausgabemonopol.

  • Die Echtheit wird durch ein Gerät am Zahlpunkt sichergestellt. (Das Gerät kann Umfang, Dicke und Gewicht der Edelmetallmünze prüfen, so wie Münzautomaten richtige und falsche Münzen prüfen und unterscheiden)

  • Jedermann, ebenso wie jedem Kaufmann ist es frei überlassen, ob er akzeptiert oder nicht (bei einem Zusammenbruch des fiat money -Systems würde allerdings die Frage, ob fiat money oder Edelmetall mehr nachgefragt ist, sicher sehr rasch entschieden)

  • Den "Preis" der Tauschmünze (Bartercoin) kann jeder Kaufmann selbst festsetzen mit der Menge, die er von jedem Gut entsprechend der Marktkräfte dafür hergibt – genauso wie er auch festlegt, für wie viel er seine Ware heute verkauft. (Der Brotpreis wird also z. B. mit 10 Gramm Silber, oder 0,3 Unzen statt 2,- € ausgezeichnet)

  • Produzenten und Großhändler verfahren entsprechend.

  • Es steht jedem Verkäufer frei, seine Preise in Edelmetall im Verhältnis zur Nationalwährung sehr tief anzusetzen, um die Käufer zu veranlassen, mit Edelmetall zu bezahlen, falls er das wünscht. (z.B. weil er lieber ein wertstabiles Tauschmittel erhalten möchte statt ein sich rasch entwertendes Papiergeld)

  • Die Käufer (Sparer) ihrerseits können entscheiden, ob sie mit wertstabilem Edelmetall bezahlen (um die Preisvorteile wahr zu nehmen, die der Verkäufer dabei gewährt) aber dabei die Sicherheit aufgeben, welche der Besitz des Edelmetalls gewährt. Wenn sie andererseits lieber mit fiat money bezahlen, so können sie dies natürlich auch tun und so das schnell verfallende fiat money los werden. Auf diese Weise kann sich ein natürlicher, rein marktorientierter Gleichgewichtspreis zwischen fiat money und Edelmetallgeld sehr viel leichter, rascher und zuverlässiger ergeben, als durch die Farce einer papierbasierten, halboffiziellen Preisbildung, wie sie heute an der Comex statt findet.

  • Käufer wie Verkäufer würden sehr rasch die Vorteile von Edelmetall gegenüber fiat money feststellen, indem sie in ihrem Laden an der Ecke die immer wieder kehrende Tatsache selbst hautnah erfahren, dass nämlich Papier nicht wertbeständig ist.



  • Ja und was ist mit einem Verbot von Goldbesitz?

    Wenn eine solche Parallelwährung auch nur im Ansatz erfolgreich ist, wäre die Versuchung für die Regierung nicht sehr groß, allen privaten Goldbesitz zu verstaatlichen und so die Konkurrenz für das eigene Geldsystem ein für alle Mal zu beseitigen? Ja - diese Versuchung gibt es, aber die Währungsverschlechterung, die wir alle erwarten, hat fas ausschließlich externe Ursachen, die eine Enteignung nicht beseitigen oder auch nur ansatzweise lösen könnte.

    Wenn der Dollar gegen alle anderen Währungen stark fällt, aufgrund der Handelsbilanz oder anderer Ungleichgewichte und weil die Welt jetzt den Euro als Alternative hat, wird die internationale Nachfrage nach Dollar zurückgehen. Das heißt, Ausländer werden sich zunehmend vom Dollar trennen - Dollar werden nach USA zurückströmen, weil immer weniger ausländische Regierungen oder Individuen Dollar halten wollen.

    Diese Dollarflut würde kaum von einem nationalen Goldbesitzverbot beeinflusst. Im übrigen würde eine marktorientierte und privat organisierte Remonetisierung des Goldes auf Jahre hinaus nicht dazu führen, dass der Großteil der Amerikaner nennenswerte Mengen Gold ansammelt, so dass sich der immense Aufwand einer Goldbeschlagnahme für die Regierung kaum lohnt. Zu dem Zeitpunkt, an dem vielleicht genügend Leute in den Vereinigten Staaten Gold besitzen, wird der Dollar bereits so weit entwertet sein, dass selbst die goldfeindlichste Regierung froh sein wird, dass überhaupt irgendein vernünftiges Tauschmittel hier im Umlauf ist. Gold hätte sie wenigstens mehr unter Kontrolle als einen Schwarzmarkt in ausländischen Währungen, wie etwa Euro oder gar Yuan.


    Eine Übernahme der Euro-Philosophie

    Der Charme dieses Ansatzes würde von der Philosophie unterstützt, nach welcher auch der Euro aufgebaut wurde. Ein zweigleisiges System, bei dem der Goldpreis in fiat money frei schwanken kann mit dem Ziel im Hinterkopf, dass Gold sich in erster Linie als Sparmedium (zur Wertaufbewahrung) herausbildet, während fiat money in erster Linie zum Weiterreichen und Bezahlen dient. In der Tat, würde eine Gold/Silber-Tauschmünze (Bartercoin) genau die Verwirklichung dieses Prinzips darstellen.

    Es ist durchaus möglich, wenn sich der Staub gelegt hat (wenn also die gesellschaftlichen und sonstigen Verwerfungen im Markt, die unvermeidlich damit verbunden sind, eine solche Schieflage, wie sie in unserem internationalen Finanzsystem entstanden ist, wieder zu korrigieren), dass dann Edelmetall in erster Linie zum Sparen verwendet wird, während das, was immer als fiat money noch verbleibt, zum Ausgeben und Bezahlen verwendet wird. Die Ersparnisse ebenfalls in einer liquiden Form als Münzen verfügbar zu haben, ist quasi ein zusätzlicher Vorteil, aber ein sehr wichtiger, um dieses System Wirklichkeit werden zu lassen.


    Eine marktorientierte Lösung für die staatliche Ausgabenfreude

    Natürlich würde ein solches System einen Faktor beinhalten, an den die meisten Regierungen heute gar nicht denken wollen. Eine Situation, in welcher die Regierungen sich nicht mehr darauf verlassen können, billig Geld zu leihen, indem sie niedrig verzinsliche Anleihen an ein gutgläubiges Publikum verkaufen, das dem Irrglauben anhängt, man könne auf diese Weise Sparen (Kaufkraft erhalten). Staatsanleihen in fiat money werden nur noch geringen Wert haben, wenn die Welt eher in Edelmetall statt in fiat money spart.

    Um die Leute aus dem Edelmetall und in fiat money zu locken, müsste die Regierung horrende Zinsen bieten, wodurch natürlich Staatsverschuldung unattraktiv würde. Wäre das nicht toll? Eine Marktlösung gegen die Ausgabenfreude der Regierung? Wer hätte das gedacht? Heißt das nun, dass alle Regierungen der Welt solche Versuche bekämpfen würden? Davon kann man wohl ausgehen. Die einzige Hoffnung besteht darin, dass es bei einem Währungszusammenbruch kaum möglich wäre, dies zu verhindern. Und wie die Tatsache, dass der Euro erfolgreich eingeführt wurde zeigt, gibt es eine Reihe von Architekten für das Weltsystem da draußen, die verstanden haben, dass das aktuelle System unhaltbar ist und dass es wohl besser ist, etwas auf Manipulationsmöglichkeiten zu verzichten, als einen Zusammenbruch des ganzen Systems zu riskieren.

    Es ist besser, etwas Macht aufzugeben und dabei noch Macht zu behalten, als an totaler Macht festzuhalten und dabei alle Macht zu verlieren. Es sieht so aus, als ob die besten und einflussreichsten Architekten das erkannt haben. Um diese marktorientierte Lösung des anstehenden Dollarcrash Realität werden zu lassen, wäre es gut, wenn alle Goldwährungsexperten der Welt ihre Köpfe zusammen stecken, um die praktischen Probleme dieses und ähnlicher Vorschläge zu lösen und die besten Ideen nach oben zu bringen, wozu ich hiermit einlade.

    Eine Reihe praktischer Verfahren und erprobte Lösungen gibt es bereits, aber die theoretischen Grundlagen müssen erst noch erarbeitet werden.

    Mögen die Spiele beginnen.


    © Alex Wallenwein, frei übersetzt von Reinhard Deutsch
        Homepage: www.a1-guide-to-gold-investments.com



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