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Die Goldwährung und ihre Gegner (Teil 1)

13.10.2018  |  Prof. Dr. Thorsten Polleit
Die Vorzüge der Goldwährung

Die Bedeutung der Goldwährung für den Binnenverkehr liegt darin, dass sie die Gestaltung der Kaufkraft der Geldeinheit von den wechselnden geldwertpolitischen Auffassungen der Regierungen und der politischen Parteien unabhängig macht. Die Bindung des Geldwertes an den Goldwert richtet einen Damm auf gegen alle Bestrebungen, einzelne Schichten der Bevölkerung durch währungspolitische Maßnahmen auf Kosten der übrigen Schichten zu begünstigen.

Im Verkehr zwischen den Staaten schaltet die Goldwährung die Störungen aus, welche die Valutaschwankungen für den Güteraustausch und für die Kapitalbewegung von Land zu Land mit sich bringen. Sie legt die Valuta- und Devisenkurse innerhalb sehr enger Grenzen fest, so dass kein Raum bleibt für die alle kaufmännischen Berechnungen über den Haufen werfenden Export- und Importprämien, die aus den Schwankungen dieser Kurse entstehen.

Die Goldwährung ist freilich nicht "wertstabil". Doch "Wertstabilität" ist eine unklare und verschwommene Vorstellung. Nur eine im strengsten Sinn des Begriffes stationäre Volkswirtschaft, in der alles morgen und übermorgen ganz genauso bleibt, wie es gestern und vorgestern war, würde unveränderliche Preise und damit kaufkraftfestes Geld haben.

Die Leistung der Goldwährung besteht darin, dass sie die Gestaltung der Kaufkraft der Geldeinheit in höherem Maße von der Einwirkung von Faktoren, die von seiten des Geldes her wirken, befreit, als es irgendeine andere denkbare und verwirklichbare Geldverfassung tun könnte.


Inflationismus gegen Goldwährung

Man hat die Goldwährung zu Zeiten bekämpft, weil man die Goldproduktion für zu reichlich ansah und daher der Goldwährung zum Vorwurf machte, dass sie zu fortschreitender Preissteigerung und demgemäß zu einer Senkung der Kaufkraft der Geldeinheit führte, wodurch die Gläubiger zu Schaden kamen. Der bekannteste Vertreter dieser Auffassung ist der Amerikaner Irving Fisher. Die weitaus überwiegende Mehrheit der Gegner der Goldwährung geht jedoch vom entgegengesetzten Gesichtspunkt aus.

Sie verwerfen die Goldwährung, weil sie höhere Preise und niedrigeren Zinsfuß anstreben und daher ein stärkeres Anwachsen der Geldmenge wünschen als unter der Herrschaft der Goldwährung möglich ist, wo die Ergebnisse der Goldproduktion (abzüglich der in die industrielle Verwendung strömende Menge) über die Vergrößerung der Geldmenge entscheiden. Mit einem Wort: Sie wollen Inflation.

Wenn alle übrigen Preise ziemlich unverändert bleiben, während der Preis einer Ware, z.B. der Kohle, steigt, so bedeutet dies einen Vorteil für die Besitzer der Kohlengruben. Wie aber, wenn durch Vermehrung der Geldmenge bewirkt wird, dass alle Preise steigen? Würden die im Gefolge der Inflation einhergehenden Preissteigerungen sich gleichzeitig und allen Waren und Dienstleistungen gegenüber gleichmäßig vollziehen, so würden sie - abgesehen von der Benachteiligung der Gläubiger und der Begünstigung der Schuldner - keine weiteren sozialen Verschiebungen mit sich bringen.

Da aber, wie die nationalökonomische Theorie unwiderlegbar nachgewiesen hat, notwendigerweise die Preissteigerungen nicht zur gleichen Zeit in der ganzen Volkswirtschaft und nicht alle Waren und Dienstleistungen gegenüber in dem gleichen Ausmaße auftreten, lösen sie besonders soziale Begleiterscheinungen aus.

Die Schichten, die jene Waren und Dienste zu Markte bringen, deren Preise schon am Beginn des Prozesses der Kaufkraftveränderung hinaufgehen, gewinnen. Denn sie verkaufen eine Zeitlang schon zu den erhöhten Preisen, während sie die Waren und Dienste ihres eigenen Bedarfes noch zu den niedrigeren Preisen einkaufen, die der Kaufkraftgestaltung vor der Inflation entsprochen haben.

Kommt die Inflation einmal zum Stillstand, dann gleichen sich schließlich auch die Preise der verschiedenen Waren und die Löhne wieder bis zu einem gewissen Grade an.

Doch die im Zuge des Inflationsprozesses erzielten Gewinne und erlittenen Verluste werden nicht wieder ausgeglichen. Es ist zu verstehen, daß einzelne Schichten vom Standpunkte ihrer Sonderinteressen aus Inflation fordern. Unverständlich muß es aber bleiben, dass man glaubt, für Inflation auch von Standpunkt des Volksganzen eintreten zu können.



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