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Jeff Thomas: Weltwirtschaftskrise

19.10.2019  |  Presse anonym
Ich werde oftmals gefragt, wie ich die Warnsignale erkenne, die es mir erlauben, das Timing der nächsten Wirtschaftskrise einzuschätzen.

Auch wenn eine vorsichtige Recherche der Wirtschaft zu einer relativ akkuraten Prognose führen kann, so ist das Timing meist schwierig festzulegen.

Doch ein guter Indikator ist es, zu beobachten, wie andere Wirtschaftsteilnehmer die Situation meistern. Das zeigt uns viel mehr als ihre fragwürdigen Behauptungen, dass es ihnen gut gehen würde.

Ein aufschlussreicher Weg dies zu tun, ist ihre Extravaganz im Auge zu behalten. In erfolgreichen Zeiten werden sie wahrscheinlich teurere Luxusgüter erwerben. Wenn man den Druck zunehmend spürt, dann werden diese Luxusgüter zuerst verkauft, bevor man wichtigere Besitztümer verkauft. Jemand verkauft beispielsweise zuerst seinen geliebten Sportwagen, bevor das wichtigere Familienauto verkauft wird. Oder es wird zuerst das Ferienhaus verscherbelt, bevor das Erstwohnhaus auf den Markt kommt.

Ein frühes Warnzeichen dafür, dass sich die Leute in finanziellen Schwierigkeiten befinden, sind demnach also Verkaufsangebote derartiger Luxusgüter, um die Rechnungen weiterhin bezahlen zu können. Und ein frühes Warnsignal dafür, dass sich eine gesamte Wirtschaft in Schwierigkeiten befindet, ist es, wenn tausende von Menschen derartige Verkäufe tätigen. Das trifft vor allem auf diejenigen zu, die diese Luxusgüter mithilfe eines Bankkrediten erworben haben.

Jachten sind das erste Luxusgut, das von den meisten Leuten verkauft werden wird, da sie purer Luxus und eine Belastung sind. Eine Jacht wurde als "ein Loch im Ozean, in das man Geld hineinwirft", beschrieben. Das stimmt. Es ist ziemlich kostspielig, ein Jacht zu besitzen. Und das ist natürlich der Grund, warum deren Besitz so angesehen ist. Viele Leute kaufen sie, um andere zu beeindrucken; selbst wenn sie sich eine Jacht eigentlich gar nicht leisten können.

Jachten, die ursprünglich für 500.000 Dollar verkauft wurden, wurden in den letzten Jahren nun zwischen 100.000 Dollar und 200.000 Dollar verkauft. Und sie sind üblicherweise zu diesen Preisen verfügbar. Das zeigt uns, dass viele Besitzer, die in die siebenstellige Einkommenskategorie fallen, den Druck spüren und versuchen, ein Luxusgut loszuwerden, das sie zwar noch gerne besitzen möchten, doch das Bargeld dringender benötigen. Sie mögen vielleicht nicht pleite sein, spüren jedoch den Druck.

Doch wie geht es dem Besitzer innerhalb der sechsstelligen Einkommenskategorie? Nun, dasselbe gilt auch für ihn. Er hat ein schönes Boot für 100.000 Dollar erworben und diese Boote werden nun für 25.000 bis 30.000 Dollar verkauft.

Beachten Sie, dass hier ein prozentual größerer Preisrückgang vorliegt als bei den größeren Jachten. Das zeigt uns aktuell, dass diese Kategorie von Bootbesitzern härter getroffen wird als ihre reichere Schwesterkategorie. Doch das kann sich jeder Zeit ändern. Achten Sie auf die Angebotspreise. Beachten Sie zudem, dass es in der niedrigeren Kategorie mehr Bootsbesitzer gibt als in der höheren Kategorie; unter sonst gleichen Umständen deuten die Angebotspreise also daraufhin, welche Besitzer zu jedem Zeitpunkt am härtesten getroffen werden.

Um den durchschnittlichen Laien zu betrachten, der ein fünfstelliges Einkommen besitzt, betrachten wir Boote, die klein genug sind, um sie auf einen Anhänger zu laden und im Hof abzustellen. Diese Gruppe wurde am härtesten getroffen. Ein Segler, der neu 25.000 Dollar kostete, wird nun vielleicht für 5.000 Dollar oder weniger angeboten - doch es gibt fast keine Käufer.

Boote sind ein guter Indikator, da sie oftmals das erste Eigentum sind, das verkauft wird. Denn selbst wenn sie nicht benutzt werden, so kostet deren Unterhalt dennoch Geld.

Ähnlich würde unser Gedankenbeispiel auch mit Motorräder funktionieren. In den USA ist der Kauf einer Harley Davidson Electra Glide mit einem gewissen Stolz verbunden.

Es mag den Käufer 25.000 Dollar gekostet haben. Doch wenn er den Druck spürt - wenn ihn die Inflation im Supermarkt mehr kostet, doch sein Chef ihm aufgrund der stagnierenden Wirtschaft seit zwei Jahren keine Gehaltserhöhung mehr gegeben hat - dann wird er in Verlegenheit geraten, Geld nur für die notwendigen Dinge ausgeben zu müssen. Etwas muss verkauft werden, um die Rechnungen zu bezahlen. Und seine Frau mag ihm erzählen, dass das Familienauto wichtiger ist als das Motorrad; also ist es Zeit, die geliebte Harley in der Auffahrt zu parken und ein "Zu Verkaufen"-Schild anzubringen.


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